Visual Universitätsmedizin Mainz

27. November 2017

Bio und grüne Gentechnik – geht das?

Fortsetzung der Reihe „Medizin: Faszination Forschung” am 29. November

Die Gentechnik bietet Chancen, birgt aber auch Risiken. Ihre Einsatzgebiete sind unter anderem die Herstellung von Arzneimitteln, von industriellen Hilfsmitteln und auch gentechnisch veränderte Pflanzen in der Landwirtschaft sind keine Besonderheit mehr. Wie die Zukunft der Gentechnik aussehen wird, ist zumindest im Lebensmittelbereich eine aktuell vieldiskutierte Frage. Gegner betonen die Risiken, Befürworter verweisen auf die Rolle der Gentechnik als mögliche "Schlüsseltechnologie" beim Kampf gegen Armut und Hunger. Unter dem Motto „Bio und grüne Gentechnik – geht das?“ greift die Vortragsreihe „Medizin: Faszination Forschung“ der Universitätsmedizin Mainz und Medizinische Gesellschaft Mainz am 29.11.2017 dieses auch ethisch relevante Thema auf. Der Leiter des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen in Quedlinburg Univ.-Prof. Dr. Joachim Schiemann informiert über grüne Gentechnik und deren möglichen Bedeutung für die Herstellung von Biopflanzen. Moderator des Vortragsabends ist Univ.-Prof. Dr. Bernd Kaina, Leiter des Instituts für Toxikologie der Universitätsmedizin Mainz. Die Veranstaltung beginnt um 19.15 Uhr und findet im Hörsaal der Chirurgie der Universitätsmedizin Mainz statt (Geb. 505H, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz). Alle Interessierten sind herzlich willkommen! Der Eintritt ist frei.

Um die Prinzipien der Vererbung zu erforschen, kreuzte der Augustinermönch Gregor Johann Mendel im Jahr 1865 gelbe mit grünen Erbsen. Nach vielen anderen wissenschaftlichen Meilensteinen auf dem Weg von der Genetik zur Gentechnik kam 1994 in den USA die erste gentechnisch veränderte Anti-Matsch-Tomate auf den Markt. 1996 erblickte das berühmte Klonschaf Dolly das Licht der Welt. Heute sind gentechnisch veränderte Pflanzen in der Landwirtschaft und gentechnisch hergestellte Arzneimittel keine Besonderheit mehr. Die gesellschaftliche Akzeptanz der modernen Gentechnik unterscheidet sich jedoch je nach Anwendungsbereich. So ist die sogenannte „rote Gentechnik“ zur Herstellung von Medikamenten, wie beispielsweise menschliches Insulin, weitestgehend akzeptiert. Auch die als „weiße Gentechnik“ bezeichnete Herstellung von industriellen Hilfsstoffen wie beispielsweise Waschmittelenzymen ist relativ selten Diskussionsgegenstand. Der Einsatz der „grünen Gentechnik“ in der Botanik ist hingegen sehr umstritten. Große Teile der deutschen Bevölkerung stehen dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zumindest skeptisch, wenn nicht sogar ablehnend gegenüber

Dennoch ist die Anwendung gentechnischer Verfahren zur Herstellung von Lebensmitteln auch in Deutschland Realität: Bei schätzungsweise 75 Prozent der verarbeiteten Lebensmittel werden Enzyme, Vitamine, Aromastoffe etc. eingesetzt, die von gentechnisch veränderten Mikroorganismen produziert wurden. Zudem importiert Deutschland große Mengen gentechnisch veränderter Pflanzenprodukte als Futter für Nutztiere.

Moderne Technologien machen es beispielsweise möglich, Gene für Krankheitsanfälligkeit auszuschalten oder Resistenzgene aus der verwandten Wildpflanze wieder in moderne Sorten einführen. Das sind Eigenschaften, die zum großen Teil durch die gezielte Züchtung auf Ertrag oder Qualität und mit Blick auf einen verringerten Pestizidbedarf in den letzten hundert Jahren verloren gegangen sind. Mit der Entwicklung und Einführung dieser neuer Züchtungstechnologien, insbesondere dem Genome Editing, ist die Diskussion zur Nutzung dieser Technologien in den letzten Jahren differenzierter geworden.

Die Vorteile des Genome Editing gegenüber den konventionellen Züchtungstechniken und der Gentechnik liegen in der großen Effizienz und Präzision sowie in der relativ einfachen Durchführung und den geringeren Kosten. Mittels Genome Editing können klassische Züchtungsziele wie Resistenzen gegenüber biotischen (Insekten, Viren, Pilze, Bakterien, Unkräuter) und abiotischen (u.a. Kälte, Trockenheit, Staunässe) Stressfaktoren, verbesserte Nährstoffaufnahme etc. besser umgesetzt werden.

Es werden aber auch neuere Züchtungsziele, die sich verstärkt am Nutzen für den Verbraucher orientieren, erreichbar sein. Dazu gehören beispielsweise verbesserte Inhaltsstoffe oder die Entfernung von Allergenen, Gluten oder Inhaltsstoffen, die bei der Verarbeitung zu gesundheitsschädlichen Stoffen führen können. Mittels Genome Editing konnten die Wissenschaftler besondere Lebensmittel erzeugen: Bakterienbrand-resistenten Reis, Mehltau-resistenten Weizen, Stärke-veränderte Kartoffeln und Mais, Virus-resistente Gurken, nicht-bräunende Champignons und Hochertrags-Reis. Mehrere mittels Genome Editing verbesserte Pflanzen, wie beispielsweise Sojabohnen mit einem veränderten Fettsäureprofil, werden 2018 in den USA die Marktreife erreichen.

Begrenzungen für das Genome Editing sind vorwiegend dadurch bedingt, dass die Wissenschaft die Komplexität vieler Eigenschaften noch nicht durchdrungen hat, und dass es nicht einfach ist, die Werkzeuge für das Genome Editing in verschiedenste Pflanzenzellen und Kulturarten zu bringen.

In Europa ist nicht geklärt (bis auf eine positive Entscheidung in Schweden), ob bestimmte Anwendungen des Genome Editing unter den Regelungsbereich für Gentechnik fallen und ob entsprechend veränderte Mikroorganismen, Pflanzen oder Tiere als GVO (gentechnisch veränderte Organismen) zu bewerten und zu regulieren sind. Hohe regulatorische Hürden wie für die Marktzulassung von GVO würden nur einigen wenigen internationalen Konzernen ermöglichen, mittels Genome Editing verbesserte Pflanzen auf den Markt zu bringen. Damit würden kleine und mittlere Pflanzenzüchter von der Nutzung dieser Technologie ausgeschlossen – mit dramatischen Konsequenzen für ihre Konkurrenzfähigkeit und für die durch sie repräsentierte Biodiversität an genetischem Pflanzenmaterial.

Der Europäische Gerichtshof wird im Frühjahr 2018 darüber zu entscheiden haben, ob mit bestimmten Anwendungen des Genome Editing Pflanzen erzeugt werden, die als GVO zu klassifizieren sind. Sollte dies nicht der Fall sein, werden sich die ökologisch produzierenden Landwirte und die an diesen Produkten interessierten Verbraucher entscheiden können, ob Bio und moderne Züchtungsmethoden zusammen gehen können.

Als Vertreter der Presse sind Sie herzlich willkommen!

Wir bitten um redaktionellen Terminhinweis und -ankündigung im Veranstaltungskalender!

 

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Vorsitzender der Medizinische Gesellschaft Mainz e.V.
Telefon: 06131 17-4168, Fax: 06131 17-5516, E-Mail:  junginger@uni-mainz.de

 

Pressekontakt:
Barbara Reinke, Unternehmenskommunikation, Universitätsmedizin Mainz,
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