Visual Universitätsmedizin Mainz

15. Mai 2017

Nierenchirurgie im Wandel

Nächster Vortrag in der Reihe Medizin: Faszination Forschung der Universitätsmedizin Mainz und Medizinische Gesellschaft Mainz am 17. Mai

Im Rahmen der Vortragsreihe „Medizin: Faszination Forschung” richtet sich der Blick am 17. Mai auf das Thema „Nierenchirurgie im Wandel“. Konkret haben sich in den letzten Jahren beispielsweise die Ansätze zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms oder gutartiger Erkrankungen wie Zysten oder Nierenbeckenstenosen verändert. Unter anderem über die Anwendung dieser Techniken in der täglichen Praxis wird Univ.-Prof. Dr. Axel Haferkamp, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, referieren. Der Leiter des Schwerpunkts Nephrologie der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik, Univ.-Prof. Dr. Jens Lutz, wird den Abend moderieren. Die Veranstaltung findet statt am Mittwoch ab 19.15 Uhr im Hörsaal der Chirurgie (Gebäude 505H, Universitätsmedizin Mainz, Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz). Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

Die erste erfolgreiche Entfernung einer Niere erfolgte im Jahr 1869 durch Gustav Simon an der Universitätsklinik in Heidelberg. Im folgenden Jahrzehnt folgten weitere Nephrektomien. Die Mortalität dieses Eingriffs war vor dem Hintergrund der fehlenden Anästhesie und der fehlenden Antibiose sehr hoch, so dass bei den ersten zehn Eingriffen acht von zehn Patienten verstarben. 1884 erfolgte die erste Teilnierenentfernung durch Czerny.

Seither hat sich die Nierenchirurgie rasant entwickelt. Dazu haben auch die Einführung der Inhalationsanästhesie und die Entdeckung der Antibiose beigetragen. Die schlechte Diagnostik führte allerdings dazu, dass in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts im Wesentlichen sehr große Nierenzellkarzinome vorgefunden wurden, die eine ausgedehnte Chirurgie notwendig machten. Die 5-Jahresüberlebensraten zu diesem Zeitpunkt lagen bei 35%. Robson etablierte im Jahr 1969 die Technik der radikalen Tumornephrektomie, die neben der Entfernung der Niere selbst die vollständige Entfernung der Gerota‘schen-Fettkapsel, der regionalen Lymphknoten sowie der Nebenniere beinhaltete. Mit dieser Technik konnte sprunghaft eine Besserung der Überlebensraten auf ca. 50% erzielt werden.

Ein weiterer großer Schritt nach vorne stellte die Etablierung der Sonographie und der Schnittbildverfahren im letzten Jahrhundert dar. Durch diese verbesserte Diagnostik konnten Nierenzellkarzinome zu einem viel früheren Stadium detektiert werden, und es kam zu einer Verschiebung der Tumorstadien von den hohen fortgeschrittenen Stadien zu dem kleinen Tumorstadium.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden über 60% der Nierenzellkarzinome zufällig im Rahmen von sonographischen Kontrollen entdeckt. In den meisten Fällen handelt es sich um sehr kleine und lokal begrenzte Tumore.

Vor diesem Hintergrund ist eine differenziertere chirurgische Therapie des Nierentumors möglich. Bei den großen fortgeschrittenen Tumoren ist weiterhin die radikale Tumornephrektomie die Therapie der Wahl. Bei den kleinen Nierentumoren (kleiner als 4 cm) besteht die Möglichkeit, auch organerhaltend zu operieren. Aufgrund des schonenderen Operierens, der schnelleren Heilung und des geringeren Blutverlustes bei gleichzeitig besserem kosmetischem Ergebnis hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten auch die minimal invasive laparoskopische Nephrektomie bzw. Nierenteilresektion durchgesetzt. Als jüngste Variante dieses Verfahrens kann die Roboter-assistierte DaVinci-Nierenteilresektion angeboten werden. Diese hat gegenüber der konventionellen Laparoskopie aufgrund der besseren Instrumente, der Vergrößerung sowie des dreidimensionalen Sehens Vorteile.

Für Patienten, die für einen operativen Eingriff aufgrund von Alter und Begleiterkrankungen nicht geeignet sind, bieten sich 3 weitere Therapiealternativen an: Diese sind zum einen die aktive Überwachung bei kleinen Nierentumoren, die Radiofrequenzablation von Nierentumoren und die Kryoablation von Nierentumoren. Dabei ist die Radiofrequenzablation und die Kryoablation in ihrer Tumorkontrolle gegenüber dem Standard der Nierenteilresektion nicht so effektiv, stellt aber für die Patienten mit den o.g. Voraussetzungen eine Alternativ-Therapie dar. In den letzten Jahren hat sich auch die überwachende Strategie bei kleinen Nierentumoren etabliert, dies insbesondere vor dem  Hintergrund, dass kleine Nierentumore nur sehr geringe Wachstumsraten haben und und kaum zur Mortalität der Patienten beitragen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es seit der ersten Nephrektomie 1869 zu einer deutlichen Weiterentwicklung der operativen Techniken gekommen ist und die Nierentumor-Therapie heute wesentlich differenzierter und für den Patienten schonender durchgeführt wird als dies noch vor 100 Jahren der Fall war.

 

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Weitere Termine im Sommersemester 2017:

21.06.2017               Prävention – im Alter noch sinnvoll?

 

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Mittwoch, 30.04.2014

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Vorsitzender der Medizinische Gesellschaft Mainz e.V.
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