Visual Universitätsmedizin Mainz

4. Mai 2017

Tag gegen den Schlaganfall: Jede Minute zählt!

Universitätsmedizin Mainz informiert über Akutversorgung von Schlaganfällen und neue Therapieangebote

Der Schlaganfall zählt heutzutage zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Je mehr Zeit zwischen den ersten Symptomen und dem Beginn der Behandlung liegt, desto ungünstiger ist die Prognose für den Patienten. Daher gilt: In einer Akutsituation zählt jede Minute! Aus Anlass des Tags gegen den Schlaganfall am 10. Mai haben Neurologen und Neuroradiologen der Universitätsmedizin Mainz heute Vertretern der Presse Einblicke in neue effektive Therapie- und Nachsorgeangebote gegeben. Im Vordergrund stand dabei die realitätsnahe Simulation einer Thrombektomie, bei der Ärzte operativ ein Blutgerinnsel aus einem Blutgefäß im Gehirn entfernen.

Nach Angaben der Deutschen Schlaganfallhilfe erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Er ist die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für Behinderungen im Erwachsenenalter. 80 Prozent der Schlaganfälle treten bei Personen auf, die älter als 60 Jahre sind. Bereits jetzt ist klar, dass der demografische Wandel zu einer Zunahme der Zahl an Schlaganfallpatienten in Deutschland führen wird. Denn im Jahr 2050 werden rund 38 Prozent der Gesamtbevölkerung über 60 Jahre alt sein. Aktuell liegt der Anteil dieser Altersgruppe hierzulande bei 24 Prozent.

In Rheinland-Pfalz erlitten laut Statistischem Landesamt Rheinland-Pfalz in 2015 fast 13.000 Menschen einen Schlaganfall. In der Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz wurden im selben Jahr rund 1.200 akute Schlaganfälle versorgt.

Bei der Versorgung der akuten Schlaganfälle kommen an der Universitätsmedizin Mainz zunehmend die systemische Lyse-Therapie oder die Thrombektomie zum Einsatz. Während im Jahr 2015 noch 138 Patienten mit solch einer Akuttherapie auf der Stroke Unit der Universitätsmedizin Mainz behandelt wurden stieg diese Zahl in 2016 auf 204. Dabei wurde im Jahr 2015 bei 70 der 138 Patienten eine Thrombektomie durchgeführt und im Folgejahr bei 120 der insgesamt 204 Patienten. Die Lyse-Therapie bezeichnet eine medikamentöse Therapie zur Akutbehandlung von Schlaganfällen, die zwecks Auflösung von Blutgerinnseln eingesetzt wird. Bei der im Jahr 2015 im Rahmen von Studien als effektiv nachgewiesenen Thrombektomie schiebt der Arzt einen Katheter von der Leiste aus durch die große Körperschlagader bis ins Gehirn. Er zieht dann das Blutgerinnsel, das die Hirnarterie verstopft und dadurch den Schlaganfall verursacht, mittels eines Katheters wieder heraus.

„Aktuelle Studien zeigen, dass weniger Patienten schwere Behinderungen davontragen, wenn das Blutgerinnsel im Gehirn mithilfe eines Katheters herausgezogen wird. Mit der Thrombektomie, die häufig mit der Lyse-Therapie kombiniert wird, verfügen wir über einen höchst wirkungsvollen Ansatz gegen den Schlaganfall“, sagt der Direktor der Klinik und Poliklinik für Neuroradiologie der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Marc Brockmann. „Die neuen Verfahren sind in der Tat geeignet, Langzeitschäden zu vermeiden. Damit sie effektiv sind, ist und bleibt aber der Faktor Zeit entscheidend. Denn pro Minute gehen rund 1,9 Millionen Nervenzellen im Gehirn unwiederbringlich zugrunde“, unterstreicht der geschäftsführende Stellvertreter der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, PD Dr. Klaus Gröschel. Insgesamt werden bei einem Schlaganfall durchschnittlich rund 1,2 Milliarden Nervenzellen zerstört.

Nach wie vor problematisch ist laut Dr. Gröschel, dass viele Betroffene die Symptome eines Schlaganfalls verkennen würden: „Erhebungen zufolge suchen nur rund 50 Prozent der Patienten mit Schlaganfallsymptomen einen Arzt auf.“ Ein Schlaganfall lässt sich an plötzlichen halbseitigen Lähmungserscheinungen, einem herabhängenden Mundwinkel sowie Sprach- und Sehstörungen erkennen. Darüber hinaus können Betroffene Doppelbilder sehen, leiden unter Sehstörungen mit plötzlichem Erblinden eines Auges oder beklagen den Verlust eines Gesichtsfeldes. Auch typische Symptome sind ein akutes Taubheitsgefühl einer Körperseite, oder dass Gesprochenes nicht mehr richtig verstanden wird.

Doch nicht nur die Symptome eines Schlaganfalls sind in weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt. Gleiches gilt auch für die Risikofaktoren, die für 90 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich sind. Dazu zählen vorrangig: Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckererkrankung), Rauchen, Bewegungsmangel, Herzerkrankungen, Blutgerinnungs- und Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und übermäßiger Alkoholkonsum.

Bildunterzeile: Prof. Brockmann simuliert an einem Simulator wie eine Thrombektomie funktioniertBildquelle: Oliver Kreft (Universitätsmedizin Mainz)

 

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