Visual Universitätsmedizin Mainz

Was ist eine Amyloidose?

Die Leichtketten (AL) AMYLOIDOSE

Der AL-Amyloidose liegt ursächlich eine Ablagerung fehlgefalteter monoklonaler Immunglobulin-Leichtketten in verschiedenen Organen des Körpers zugrunde. Von großer Relevanz ist die hierdurch hervorgerufene Funktionsstörung v.a. von Herz, Nieren, Nerven, Magen-Darm-Trakt und Gefäßsystem. Es resultieren vielfältige klinische Probleme, z.B. Herzmuskelschwäche und Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen mit großen Eiweißverlusten, Durchfall oder Verstopfung, Gewichtsverlust und Nervenschmerzen bzw. Taubheitsgefühle.

Bei der AL-Amyloidose handelt es sich um eine seltene und leider oft erst nach langer Beschwerdedauer diagnostizierte Erkrankung. In der III. Medizinischen Klinik der UM Mainz stehen alle für eine umfassende Diagnostik der AL-Amyloidose erforderlichen Verfahren zur Verfügung: Knochenmarkzytologie und -histologie, Zytogenetik, FISH-Diagnostik und Durchflusszytometrie und Fettgewebebiopsie. In Kooperation mit den anderen Partnern des Amloidosezentrums AZUM erfolgt bei Bedarf eine umfassende radiologische, kardiologische,  gastroenterologische, nephrologische und neurologische Abklärung entsprechender Beschwerden. Therapeutisch bietet die III. Medizinische Klinik ebenfalls das komplette Spektrum der verschiedenen Optionen an: von konventioneller (Chemo-)Therapie bis hin zur Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation. In enger Kooperation mit dem Amyloidosezentrum Heidelberg besteht auch die Möglichkeit der Mitbehandlung im Kontext innovativer klinischer Studien.

Die vererblichen HEREDITÄREN AMYLOIDOSEN (FAP)

Bei der familiären Amyloid-Polyneuropathie (FAP) handelt es sich um eine vererbte Erkrankung. Durch einen Fehler im Transthyretin (TTR)-Gen wird ein falsches Eiweiß produziert, was zu einer Ablagerung dieses Proteins vor allem im Nervensystem aber auch in anderen Organen führt. Insgesamt sind über 130 verschiedene Genmutationen beschrieben. Am häufigsten findet sich die Val30Met-Mutation. Die betroffenen Patienten erleiden in einem mittleren Alter von 35 Jahren typische Symptome der Nervenschädigung (Polyneuropathie, PNP) mit Missempfindungen und Störungen im Bereich der Extremitäten und des vegetativen Nervensystems, u.a. im Magen-Darm-Trakt. Im fortgeschrittenen Stadium können Symptome wie Taubheitsgefühl, Muskelschwäche, Inkontinenz, Gewichtsverlust, Kreislauf- und Herzrhythmusstörungen sowie Nierenerkrankungen auftreten. In unserem Amyloidosezentrum werden die FAP Patienten regelmäßig neurologisch, sowie kardiologisch und internistisch untersucht (abhängig von den Symptomen sind auch andere konsiliarische Untersuchungen vorgesehen) und es werden folgende Therapien angeboten:

 

  • Tafamidis (Vyndaqel®): Verhindert die Ablagerung des fehlerhaften Proteins.
  • Diflunisal: Verhindert die Ablagerung des fehlerhaften Proteins.
  • Patisiran (Onpattro®): Hemmt die Produktion des fehlerhaften Proteins.
  • Inotersen (Tegsedi®): Hemmt die Produktion des fehlerhaften Proteins.
  • Patienten mit FAP können auf die Warteliste zur Lebertransplantation aufgenommen werden und die Transplantation organisiert werden.

FAP Amyloidose nach Domino-Lebertransplantation

Gemäß den aktuellen Richtlinien der Bundesärztekammer sollte die Leber von FAP Patienten wenn möglich zur sogenannten Domino-Lebertransplantation verwendet werden (Abb. 1). Dabei wird der FAP-Patient mit einer gesunden Leber transplantiert. Seine eigene (FAP-) Leber wird weiter gespendet. Dieses Verfahren wurde erstmals 1990 durchgeführt und wird mittlerweile routinemäßig praktiziert. Profitieren können schwerstkranke Patienten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht rechtzeitig ein Organangebot bekommen. Die häufigste Indikation ist das Leberkarzinom. Die Ergebnisse einer Domino-Spende sind zunächst exzellent, denn ein großer Vorteil der Domino-Transplantation ist, dass es sich um junge Spenderorgane mit normaler Funktion handelt. Ein Nachteil ist aber, dass diese Leber das falsche Eiweiß produziert, so dass es auf Dauer (~10 Jahre) zu Ablagerungen im Nervensystem und in Organen kommen kann. Diese Amyloidose manifestiert sich in der Regel wie bei FAP-Patienten mit den o.g. Symptomen. Bisher existieren zwar noch keine verlässlichen Daten, ob die FAP Therapie auch bei de novo Amyloidose nach Lebertransplantation wirksam ist, es ist aber wahrscheinlich. Deshalb werden in unserem AZUM Patienten nach Domino-Lebertransplantation regelmäßig untersucht und bei Symptomauftreten behandelt.

FAP Amyloidose nach Domino-Lebertransplantation
FAP Amyloidose nach Domino-Lebertransplantation

Wildtyp- Amyloidose

Eine TTR-Amyloidose kann auch entstehen, ohne dass Veränderungen im TTR-Gen vorliegen. In diesem Fall handelt es sich um eine „Wildtyp-TTR-Amyloidose“.  Die genauen Ursachen dieser Erkrankung sind unbekannt, Alterungsprozesse sind aber Risikofaktoren für die vermehrte Ablagerung des nicht-mutierten-TTR-Eiweißes. Aus diesem Grund spricht man hier auch über „Altersamyloidose“. Diese Erkrankung schreitet in den meisten Fällen langsam fort. Das am häufigsten beteiligte Organ ist hier das Herz, aber auch andere Organe (z.B. Nieren) oder Nerven können betroffen sein.