Die Nierentransplantation wird in Deutschland durch das Transplantationsgesetz geregelt. Es stehen dabei mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.
1. Spende eines Verstorbenen
Unter der postmortalen Spende ist die Entnahme einer Niere eines hirntoten Spenders zu verstehen. Kriterien dafür sind der Hirntod und die Zustimmung zur Organspende durch die Spenderin/den Spender oder die Angehörigen des Verstorbenen.
Leider spenden in Deutschland nur sehr wenige Menschen nach ihrem Tod Organe, so dass die Wartezeiten auf ein solches Organ sehr lang sein können.
Menschen zwischen 18 und 64 Jahren warten oft mehr als 5 Jahre auf ein Spenderorgan. Alle Dialysepatienten, die eine Nierentransplantation wüschen, müssen aktiv bei Eurotransplant gelistet werden. Hierfür müssen Sie sich in einem Transplantationszentrum Ihrer Wahl, also z.B. bei uns, vorstellen und eine ganze Reihe von Untersuchungen durchlaufen. Es macht Sinn, damit frühzeitig anzufangen, denn sobald Sie gelistet sind, können Sie auch ein Organangebot erhalten, falls im Eurotransplant-Raum ein Spender sehr ähnliche Gewebemerkmale hat wie Sie. Die Gewebemerkmale spielen im sog. ETKAS Programm für die Organvergabe eine große Rolle, da das Ergebnis der Transplantation besser ist, je besser die Merkmale übereinstimmen.
Für Menschen ab 65 Jahre gibt es ein besonderes Programm, das Eurotransplant Senior Programm (ESP). In diesem Programm erhalten Empfänger ab 65 Jahre Organe von Verstorbenen im gleichen Alter. Die Wartezeit ist dann deutlich kürzer.
Wir beraten Sie gerne zu dem für Sie geeigneten Programm (Ansprechpartner).
2. Lebendnierentransplantation
Unter der Lebendnierentransplantation versteht man die Transplantation einer von einem lebenden Spender entnommenen Niere. Der Anteil der Lebendnierentransplantation an der gesamten Zahl der Transplantation beträgt ca. 30 %. Die Vorteile der Lebendnierenspende sind:
- Die Transplantation kann erfolgen, bevor der Empfänger dialysepflichtig ist (präemptiv)
- Die Wartezeit an der Dialyse entfällt oder wird verkürzt
- gute Planbarkeit der Operation
- sehr kurze Konservierungszeit des Organs
- bessere Funktionsrate und damit auch eine längere Funktionsdauer als Nieren von Verstorbenen
Die Voraussetzungen für eine Nierenlebendspende:
- Verwandte 1. oder 2. Grades, verheiratete Partner, Verlobte oder Personen, die dem Spender in persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen, also z.B. gute Freunde und
- > 18 Jahre alt sind,
- freiwillig spenden,
- vollständig aufgeklärt sind und
- schriftlich der Spende inkl. Risiken und Folgen zugestimmt haben.
Die Lebendspender müssen zwei gesunde Nieren, ein gut funktionierendes Herz und normale Gefäße haben, sprich der Spendende muss weitgehend gesund sein. Wenn ein Bluthochdruck vorliegt, muss dieser gut mit Tabletten eingestellt sein. Spendende dürfen nicht zuckerkrank sein und sollten nicht zu stark übergewichtig sein, denn Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht sind Risikofaktoren für Nierenschäden. Spendende sollten außerdem nicht rauchen und psychisch stabil sein, denn eine Nierenlebendspende kann sowohl körperlich als auch seelisch sehr herausfordernd sein.
Die Blutgruppen von Spender und Empfänger müssen nicht unbedingt übereinstimmen. In einigen Fällen kann auch eine blutgruppenungleiche Nierenlebendtransplantation durchgeführt werden.
Die Entnahme der Spenderniere erfolgt in unserem Zentrum minimal invasiv retroperitoneoskopisch ("Schlüssellochtechnologie").
Der durchschnittliche Krankenhausaufenthalt beträgt danach drei bis fünf Tage; die Arbeitsfähigkeit ist meist nach etwa 2 Monaten wieder gegeben. Spendende haben ein Anrecht auf eine Rehabilitationsmaßnahme (AHB).
Da die verbliebene Niere einen Teil der Funktion der entfernten Niere übernimmt, können die allermeisten Spendenden mit einer Niere sehr gut leben. Es ist aber erforderlich, dass regelmäßige Nachkontrollen möglichst an unserem Zentrum erfolgen, damit Risikofaktoren für die verbliebene Niere frühzeitig erkannt und behandelt werden können.
Eine Nierenlebendspende ist nicht ohne Risiko. Wir haben daher Daten aus einer aktuelle Publikation zusammengestellt: Infos für Lebendspenderinnen und -spender(PDF 887,3 KB) und zur SOLKID Homepage