Visual Universitätsmedizin Mainz

Neuroonkologisches Zentrum

Neuroonkologische Erkrankungen – Wege der Behandlung

„Seine Krankheit zu (er)kennen, ist der erste Weg zur Heilung“ diese waren Worte von Lucius Annaeus Seneca dem Jüngeren, die nach fast 2000 Jahren auch heute noch und gerade in der Neuroonkologie ihre Bedeutung haben. In den letzten 10 Jahren hat sich in der neuroonkologischen Forschung viel weiterentwickelt, wir lernen zunehmend über die Tumoren des Nervensystems und beginnen zu verstehen und gezielt zu behandeln. Im ganzheitlichen Therapieansatz spielt neben der optimalen individuellen oder gar individualisierten Therapie für jeden einzelnen Patienten die Balance zwischen Körper, Geist und Seele eine große Rolle – nur in einer stabilen Situation können Therapien erfolgreich sein.


Die Inzidenz der so genannten primären Tumore des Zentralen Nervensystems - Tumore, die aus Gehirn und Rückenmark hervorgehen - ist mit knapp 7000 Neuerkrankungen/Jahr in Deutschland im Vergleich zu anderen Tumorerkrankungen verhältnismäßig gering. Je nach Tumorentität kann die Prognose recht unterschiedlich sein. Etwa ein Drittel der Tumore sind meist gutartige Meningeome, die von den Hirn- oder Rückenmarkshäuten ausgehen, Hypophysentumore sind ebenfalls meist gutartig (von der Hirnanhangsdrüse ausgehend) und machen etwa 15% dieser Tumore aus, gutartige Tumore der peripheren Nerven knapp 10%. Etwa 30% der hirneigenen Tumore sind Gliome, diese entwickeln sich aus dem Stützgewebe des Gehirn, den Astrozyten und Oligodendrozyten. Etwa die Hälfte der Gliome werden als Glioblastome bezeichnet und zeichnen sich durch aggressives Wachstum, Therapieresistenz und eine ungünstige Prognose aus, so dass neue Therapieansätze erforderlich sind und Gliome deshalb seit langem im Focus neuroonkologischer Forschung stehen.


Das Bekanntwerden der Stammzelltheorie zur Entstehung der Gliome, legt die Grundlage zu individuellen Therapieansätzen, die basiert auf der Bestimmung molekularer Marker die mittlerweile Eingang in die Therapieplanung gefunden haben. Ganz aktuell erlaubt die Entwicklung neuer Technologien individualisierte Therapien auf Basis von genomweiten Genexpressionsanalysen individueller Tumoren. Aber auch neue Operationsstrategien lassen nun sicherer und vollständiger Tumorentfernungen zu.  Unabdingbar aber gehören psychosoziale Aspekte, individuelle Betrachtung der Umstände und Belastungssituationen jedes Patienten und psychoonkologische Unterstützung  zur Optimierung der Versorgung unserer Patienten.


Mit einem seit Jahren zusammenarbeitenden Team in der Neuroonkologie behandeln wir unsere Hirntumorpatienten in der interdisziplinären Ambulanz des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT). Die interdisziplinäre Versorgung und enge Kooperation zwischen allen beteiligten Fachdisziplinen steht hier stets im Vordergrund. Besondere Schwerpunkte in Klinik und Forschung im Neuroonkologischen Zentrum des UCT sind die Wachoperation von Tumoren, die in funktionstragenden Bereiches des Gehirnes gelegen sind, die virtuelle Operationsplanung, Simulation und Navigationsverfahren, die voll-endoskopische Operation der Hypophysentumore und Ansätze für individuelle Therapiestrategien. Auch die Erforschung der psychosozialen Bedürfnisse unserer Patienten und deren Angehöriger steht in der klinischen Versorgung im Vordergrund.

 

 

Zertifikat

(Pdf , 306.5 KB)
Seit März 2016 ist das Neuroonkologische Zentrum als Teil des Onkologischen Zentrums nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert.