Visual Universitätsmedizin Mainz

Hochdosierte Präzisionsbestrahlung – unblutige Alternative zur Operation - Strahlung nutzen wie ein Skalpell

Lungentumoren und Lungenmetastasen

Hirnmetastasen und Hirntumore

Lebertumore und Lebermetastasen

Knochenmetastasen der Wirbelsäule

Lungentumoren und Lungenmetastasen

Die Diagnose Lungenkrebs bedeutet häufig, dass Teile der Lunge oder sogar ein ganzer Lungenflügel operativ entfernt werden müssen. Ist der Tumor jedoch klein und hat noch keine Tochterabsiedlungen in den benachbarten Lymphknoten gebildet, bietet sich auch eine hochdosierte Präzisionsbestrahlung (Stereotaxie) als eine schonende und gut verträgliche Alternative zu einer Operation an. So können wir auch Patienten behandeln, die aufgrund von anderen Erkrankungen, wie z.B. des Herzens oder der Lunge, nicht operiert werden können, schnell und sicher behandeln. Die Behandlung erfolgt mit 3 bis 5, selten 8 Bestrahlungen. Eine stationäre Aufnahme ist nicht erforderlich.Zur Therapieplanung nutzen wir einen besonderen Computertomografen, der nicht nur den Lungentumor darstellen kann, sondern auch seine Bewegung während der normalen Atmung (sog. „4D-CT“). Die Bestrahlung erfolgt an einem Behandlungsgerät, das ebenfalls über ein eingebautes CT verfügt. Damit kann die Strahlentherapie bei jeder einzelnen Bestrahlungssitzung „unter Sicht“ millimetergenau auf den Tumor fokussiert werden.

Stereotaxie Lungenmetastasen

In derselben Technik können auch einzelne Tochterabsiedlungen/Metastasen anderer Tumore zielgenau behandelt werden.

Hirnmetastasen und Hirntumore

Leider bilden manche Tumore auch Tochterabsiedlungen im Gehirn. Häufig muss dann das gesamte Hirn bestrahlt werden. Liegen jedoch nur wenige Metastasen vor, kann auch hier eine hochdosierte Präzisionsbestrahlung (Stereotaxie) angewendet werden. So kann gesundes Gehirngewebe geschont werden und die Behandlungsdauer verkürzt sich. Meist ist in diesen Fällen nur eine einzige Bestrahlungssitzung notwendig, die ambulant durchgeführt werden kann.

Stereotaktische Bestrahlung des Gehirns

Nach der operativen Entfernung eines bösartigen Hirntumors schließt sich oft eine mehrwöchige Strahlentherapie der Tumorregion an, um eine Rückkehr des Tumors („Tumorrezidiv“) zu verhindern.  Kommt es  trotzdem zu einem Tumorrezidiv, kann die herkömmliche Strahlentherapie nicht ohne weiteres wiederholt werden. Das gesunde Hirngewebe „vergisst“ eine solche vorangegangene Therapie nicht und eine erneute herkömmliche Bestrahlung wäre mit schweren Nebenwirkungen verbunden.

Auch hier ermöglicht uns die Stereotaxie in vielen Fällen, Patienten punktgenau und nebenwirkungsarm erneut zu behandeln.

Lebertumore und Lebermetastasen

Die Therapie der ersten Wahl für Tumoren der Leber (beispielsweise hepatozelluläres Karzinom oder Gallengangskarzinom) ist die Operation. Sollte diese nicht möglich sein, steht auch hier die hochdosierte Präzisionsbestrahlung (Stereotaxie) als Behandlungsalternative zur Verfügung. Hierzu werden zunächst kleinste Marker aus Gold im Bereich des Tumors durch einen kleinen Eingriff unter CT-Kontrolle eingebracht. Diese Goldmarker erlauben uns im Anschluss hochpräzise auf den Tumor zu „zielen“ und ihn mit wenigen Bestrahlungssitzungen zu behandeln. Da auch die Leber sich mit der Atmung bewegt, nutzen wir zur Vorbereitung unseren Computertomografen, um ein 4D-CT zu generieren. Die Atembeweglichkeit des Tumors kann dann im Bestrahlungsplan berücksichtigt werden. Zusätzliche Informationen erhalten wir über ein MRT, das nach Einbringen der Goldmarker erfolgt.

Stereotaxie der Leber

Dieselbe Technik findet auch Anwendung bei Tochterabsiedlungen anderer Tumoren, sogenannten Lebermetastasen. Außer dem Ursprungstumor und den Lebermetastasen sollten jedoch keine weiteren Organe befallen sein. Anderenfalls ist in den meisten Fällen eine Chemotherapie sinnvoller.

Ob eine hochdosierte Präzisionsbestrahlung durchgeführt im Einzelfall infrage kommt, besprechen wir grundsätzlich in einer interdisziplinären Tumorkonferenz. Hier sind neben uns Strahlentherapeuten immer auch Chirurgen, Onkologen und Radiologen anwesend. Gemeinsam wird dann über die beste Therapie für jeden einzelnen Patienten beraten.

Auch die Leberstereotaxie kann normalerweise ambulant über wenige Tage durchgeführt werden.

Knochenmetastasen der Wirbelsäule

Die strahlentherapeutische Behandlung von Knochenmetastasen hat meist das Ziel Schmerzen zu lindern und die Bruchfestigkeit des befallenen Knochens wieder zu verbessern. Gerade an der Wirbelsäule werden hierzu moderate Strahlendosen verwendet, die sicher zu keinem Strahlenschaden des mitbestrahlten Rückenmarks führen.

In ausgewählten Therapiesituationen kann es jedoch sinnvoll sein, die Dosis an der Knochenmetastase und damit die tumorbekämpfende Wirkung der Therapie zu erhöhen. Hierzu kommt die hochdosierte Präzisionsbestrahlung der Wirbelsäule zum Einsatz. Mit dieser Technik ist es möglich, die Strahlendosis an der Metastase zu erhöhen und gleichzeitig das benachbarte Rückenmark zu schonen.