Visual Universitätsmedizin Mainz

Weiterbildungscurriculum Kinderchirurgie

Das Weiterbildungscurriculum der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie an der Universitätsmedizin Mainz basiert auf der Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz.

Weiterbildungskultur und grundsätzliche Ziele
Der Anspruch der Klink ist es, als einzige universitäre Weiterbildungsstätte für Kinderchirurgie in Rheinland-Pfalz die nächste Generation an ausgezeichneten Kinderchirurgen auszubilden. Die Assistenten der Abteilung sind demnach vor allem zur Ausbildung an der Klinik. Sie haben die Aufgabe, sich unter der Anleitung der Oberärzte an der Patientenversorgung zu beteiligen und sich im Laufe ihrer Weiterbildungszeit zu kompetenten, selbstkritischen und technisch versierten Kinderchirurgen zu entwickeln.

Die Oberärzte (inklusive Chefarzt) verstehen es als ein Privileg, die Assistenten in diesem Sinne auszubilden. Daher wird erwartet, dass jede Operation der Abteilung als eine Lehr-Operation aufgefasst und durchgeführt wird. Ein regelmäßiges Programm an Fortbildungen und interdisziplinären Besprechungen (Morbiditäts- & Mortalitätskonferenz, Forschungskonferenz, Tumorboard, Röntgenbesprechung, Journalclub) vertieft das Wissen. Es herrscht eine klare Kultur der Lehre und Verantwortung des Vorgesetzten gegenüber dem weniger Erfahrenen. Neben technischen Fähigkeiten werden auch Professionalität, gute Manieren am Krankenbett, gute Kommunikationstechnik und Kollegialität vermittelt.

Alle Mitglieder der Klinik bringen sich voll in die studentische Lehre ein, indem sie Studenten in die Arbeit des klinischen Alltags integrieren und als Fachärzte ihren didaktischen Aufgaben gegenüber der Universität in Form von Kursen und Veranstaltungen nachkommen. Neben der Vermittlung von Wissen soll auch das Interesse für das Fach Kinderchirurgie bei den Studenten geweckt werden, um eventuell klinischen und wissenschaftlichen Nachwuchs für das Fach zu fördern.

Das interkollegiale Lernen ist für die Mitarbeiter der Klinik selbstverständlich. Damit verbunden ist die Bereitschaft, sein Wissen und seine Kompetenzen offen mit den anderen Mitgliedern der Klinik zu teilen und umgekehrt auch konstruktive Kritik zu akzeptieren.

Simulationstrainer
Im rechten Dienstzimmer der Assistenten auf der Station A3 ist ein Laparoskopie-Simulator jederzeit zum Training zugänglich. Gerade wegen des Profils der minimal-invasiven Verfahrens unserer Klinik erachten wir es als wichtig, entsprechende Möglichkeiten zum Simulationstraining zur Verfügung zu stellen. Neben den üblichen SAGES® Fundamentals of Laparoscopic Surgery (FLS™) Übungen stehen auch eine Reihe von kinderchirurgischen Simulatoren bereit.

Ausbildungsplan der Assistenten
Die Ausbildung zum Kinderchirurgen umfasst an der Universitätsmedizin Mainz bei Vollzeitanstellung mindestens 6 Jahre. Um die Ausbildung so effektiv wie möglich zu machen, erwarten wir in Bewerbungen auf Assistenzarztstellen eine 2-jährige chirurgische "Common trunk" Ausbildung, um sich allgemeine und handwerkliche Grundkompetenz anzueignen. Ferner ist es von Vorteil, wenn Bewerber bereits 1 Jahr Pädiatrie und 6 Monate Intensivmedizin abgeleistet haben. Im Allgemeinen hat die kinderchirurgische Klinik Kapazität für einen neuen Ausbildungsassistenzen im Jahr. Das Ausbildungsjahr entspricht derzeit in etwa dem Kalenderjahr, fängt also am 01. Januar an und endet am 31. Dezember (in Zukunft werden wir das Ausbildungsjahr mit denen in anderen Ländern synchronisieren, d.h. verschieben auf 1. Juli bis 30. Juni). 

Die Kompetenz und die Verantwortlichkeit in der Patientenversorgung werden schrittweise aufgebaut. Die dienstälteren Assistenten sind jeweils weisungsbefugt den jüngeren Assistenten gegenüber und dienen diesen als Vorbilder in Sachen Fachwissen, operativen Fähigkeiten, Führungskompetenz und Professionalität gegenüber den Patienten und Angehörigen.

Die einzelnen Lehrjahre sind im Detail wie folgt beschrieben. Im ersten Lehrjahr nach dem Common trunk und der Pädiatriezeit wird man in Anlehnung an die amerikanische Terminologie als Intern bezeichnet, im zweiten Lehrjahr als Resident. Im dritten und letzten Jahr steigt man zum Clinical Fellow auf und ist damit zusammen mit dem EBPS Fellow Teil der Chief Fellow Doppelspitze.

  • 3. Lehrjahr: (Pädiatrie, davon mindestens 6 Monate Intensivmedizin)
    Im Einklang mit der Weiterbildungsordnung des Landes Rheinland-Pfalz müssen Assistenten, nach Möglichkeit bevor sie sich bei uns bewerben, für 1 Jahr in die Pädiatrie rotieren, wobei davon mindestens 6 Monate auf einer pädiatrischen oder neonatologischen Intensivstation abzuleisten sind.  

  • 4. Lehrjahr: (Pediatric Surgery Intern)
    Assistenten in diesem Jahr sind zunächst primär auf der kinderchirurgischen Station eingeteilt und übernehmen hier die Patientenversorgung an vorderster Front. Sie interagieren mit dem Pflegepersonal, den Therapeuten, den älteren Assistenten sowie den Oberärzten. Dabei lernen sie das diverse kinderchirurgische Spektrum kennen, sammeln Daten für die Visite und lernen, den Patienten kurz und informativ zu präsentieren. Im OP werden sie für einfache Operationen wie Abszessdrainage, Leistenhernienoperationen beim Mädchen, Zirkumzisionen und unkomplizierten Frakturrepositionen eingeteilt, je nach Fähigkeiten auch für kompliziertere Operationen.
  • 5. Lehrjahr: (Pediatric Surgery Resident)
    Die Assistenten dieses Lehrjahres übernehmen zunehmend Verantwortlichkeiten im klinischen Betrieb. Sie führen Konsile durch, behandeln Patienten in der Ambulanz und halten jeweils Rücksprache mit dem jeweiligen Oberarzt. Im OP operieren sie mittelschwere Eingriffe wie Splenektomien, Cholecystektomien, Malrotationen etc.
  • 6. Lehrjahr: (Pediatric Surgery Clinical Fellow)
    Im letzten Lehrjahr sollen die Assistenten lernen, selbstständige Entscheidungen zu treffen. Sie koordinieren die Behandlung der Patienten der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie sowohl ambulant und stationär und halten dabei regelmäßig Kontakt zu den zuständigen Fellows. Im OP führen sie die komplexen Fälle unter oberärztlicher Anleitung durch, wie Ösophagusatresien, Duodenalatresien, Hirschsprung-Korrektur oder ähnliches. Administrativ bildet der Pediatric Surgery Clinical Fellow zusammen mit dem European Board Fellow eine Doppelspitze.

Unfallchirurgische Rotationsassistenten
Für jeweils 6 Monate rotieren aus dem Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin (ZOU) Assistenzärzte zum „Common trunk“ an unsere Klinik. Ziel ist es, ihnen allgemeinchirurgisches Grundwissen und handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln. Dazu werden sie werden entsprechend ihrer Fähigkeiten und ihres Ausbildungsstands in der Ambulanz, der Station und in den OP-Betrieb eingeteilt.

Mentorship Program
Jedem Assistenten wird jeweils für 1 Jahr ein Oberarzt als Mentor zugewiesen. Die Zuordnung erfolgt, nachdem der Assistent 3 Vorschläge einreicht, nach denen der Klinikleiter die Einteilung vornimmt. Nach Möglichkeit wird er versuchen, die erste Wahl des Assistenten zu respektieren. Nach einem Jahr können Mentorenschaften wechseln, müssen aber nicht. Der jeweilige Mentor trifft sich in regelmäßigen Abständen, mindestens jedoch einmal im Quartal mit seinem Mentee.

Forschung während der Ausbildung
Es wird erwartet, dass sich alle Assistenten während ihrer Ausbildung wenigstens einem Forschungsprojekt widmen. Dies kann sowohl den Bereich der Grundlagenforschung wie auch der klinischen Forschung betreffen. Je nach Interessenslage kann z.B. mit dem jeweiligen Mentor, mit dem Forschungs- und Teaching Fellow, oder auch anderweitig zusammengearbeitet werden. Die entsprechende Infrastruktur wird von der Klinik vorgehalten. Assistenten, die auf einem Kongress eine angenommene Präsentation halten, werden die Reise- und Kongresskosten (nach Augenmaß, kostengünstigste Reise- und Übernachtungsmöglichkeit) erstattet.

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Assistenten und Fellows

Assistenten
Das Assistententeam besteht aus 3-4 Assistenten von unterschiedlichem Ausbildungsstatus. Der Dienstälteste Assistent wird als Clinical Fellow bezeichnet und übernimmt zusammen mit dem European Board Fellow die Doppelspitze der Chief Fellows.

Fellowships
An unserer Klinik werden insgesamt 3 Fellowships für fast fertige Assistenten oder junge kinderchirurgische Fachärzte angeboten, die ihr Wissen vertiefen möchten oder eine bestimmte Subspezialisierung anstreben. Die Fellows stehen hierarchisch zwischen den Oberärzten/Fachärzten und den Assistenten. Sie sind letzteren weisungsbefugt.

  • European Board Fellow (EBF)
    Ziel dieser 12-monatigen Fellowship ist es, Facharztkompetenzen zu konsolidieren und das „European Board of Paediatric Surgery“ abzulegen. Gleichzeitig übernimmt der EBF zusammen mit dem Clinical Fellow als sogenannte Chief Fellows die organisatorische Leitung der Assistentenschaft. Zu den Aufgaben gehört die Stationsaufsicht auf der A3, die Einteilung der Assistenten in den OP (jeder OP wird nach Ausbildungsstand ein Assistent zugeordnet), die Erstellung des Assistentendienstplanes, sowie die Koordination der WMF-Konferenzen. Der European Board Fellow übernimmt zunächst Vordergrunddienste und bei entsprechender Eignung später eventuell auch Hintergrunddienste.
  • Pediatric Trauma Fellow (PTF)
    Ziel dieser 12-monatigen Fellowship ist es, Facharztkompetenzen zu konsolidieren und das Wissen in der Kindertraumatologie (sowohl die Frakturenversorgung, wie auch die Polytraumaversorgung und traumatologisch-intensivmedizinische Versorgung) zu vertiefen. Bewerben kann man sich entweder als fertiger Facharzt oder als Assistent in den letzten 2 Lehrjahren. Der PTF arbeitet zusammen mit dem Sektionsleiter vornehmlich in der Kindertraumatologie, übernimmt aber gleichzeitig auch kinderchirurgische Vordergrunddienste und bei besonderem Bedarf auch Arbeiten auf der Station/Ambulanz/im OP. Bei Abwesenheit des EBF übernimmt der PTF dessen organisatorische und administrativen Aufgaben.
  • Research and Teaching Fellow (RTF)
    Ziel dieser 12-monatigen Fellowships ist es, kinderchirurgische Forschung (sowohl klinisch wie auch experimentell) durchzuführen und zu publizieren. Der RTF arbeitet an Projekten und Fragestellungen unter den Oberärzten und dem Sektionsleiter für Forschung. Ferner ist der RTF für die Wissenschaftskonferenz jeden Montag von 16-17 Uhr und zusammen mit dem Simulationsleiter für die Simulationsübungen am ersten Montag im Monat von 17-18 Uhr zuständig. Auf die RTF-Stelle kann man sich entweder in den letzten Ausbildungsjahren einer chirurgischen Ausbildung (auch aus anderen Fachgebieten) oder als fertiger Facharzt bewerben. Der RTF koordiniert auch die Lehre an unserer Klinik. Der RTF arbeitet am Anfang der Fellowship für 2 Wochen im klinischen Betrieb mit, um die Struktur und die Abläufe der Klinik kennenzulernen. Außerdem unterstützt er das klinische Team, indem er maximal 5 Vordergrunddineste im Monat übernimmt.

     

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