Sozialpädiatrische Versorgung und bio-psycho-soziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie

Teilprojekt D: Die Rolle von chronischer Erkrankung für die psychosoziale Belastung von Schulkindern und ihren Familien während der Corona-Pandemie

Laufzeit: 01.07.2021 - 31.12.2021


Dieses Projekt war Teil des ikidS II-Projektes, es wurde kein eigenes Studienprotokoll erstellt.
Den für diese Studie verwendeten Fragebogen finden Sie hier(PDF 2,5 MB).
Der Abschlussbericht des Projekts kann hier(PDF 2,1 MB) abgerufen werden.

Zusammenfassung

Ziel der vorliegenden Studie war eine Erfassung der Auswirkungen der Corona-Pandemie bzw. der pandemiebedingten Einschränkungen auf Kinder mit chronischen Erkrankungen und ihre Familien. In einem quantitativen Teilprojekt wurden mit Hilfe eines Elternfragebogens in einer etablierten Kohorte die pandemiebedingte psychosoziale Belastung von Schulkindern und ihren Familien, der Gesundheitszustand, die soziale und schulische Teilhabe sowie die Inanspruchnahme von Versorgung und Unterstützungsmaßnahmen von Schulkindern mit und ohne chronische Erkrankungen untersucht. In einem qualitativen Teilprojekt wurden Telefoninterviews mit Eltern von Kindern mit chronischen Erkrankungen der Kohorte durchgeführt, in denen neben der psychosozialen Belastung der Kinder und Eltern erhoben wurde, welche Unterstützungsmöglichkeiten sie während der Pandemie in Anspruch nehmen konnten, welche Erfahrungen sie mit medizinischen Versorgungseinrichtungen und ihrer Schule gemacht haben und welche Bedarfe nicht gedeckt waren.

Die Ergebnisse des quantitativen Teilprojekts zeigen, dass bei Familien mit Kindern mit chronischen Erkrankungen die psychosoziale Belastung in der Pandemiezeit höher war als bei Familien mit gesunden Kindern. Die Unterschiede in der Häufigkeit psychischer Probleme zwischen Kindern mit chronischen Erkrankungen und gesunden Kindern veränderten sich aber überwiegend nicht vom Zeitpunkt vor der Pandemie zum Zeitpunkt während der Pandemie. Gleiches galt für den Gesundheitszustand und die soziale Teilhabe der Kinder. Benötigte Leistungen der medizinischen, psychologischen und therapeutischen Versorgung wie auch soziale Unterstützungsmaßnahmen wurden in beiden Gruppen von der Mehrheit der Kinder bzw. Familien in vollem Umfang in Anspruch genommen. Telemedizinische Angebote wurden hingegen eher wenig genutzt. Hinsichtlich der schulischen Teilhabe während der Pandemiemaßnahmen ergaben sich nur vereinzelte Unterschiede zwischen den Kindern mit und ohne chronische Erkrankung. Wir fanden keine Hinweise dafür, dass sich vorbestehende Unterschiede zwischen den beiden Gruppen von Kindern im Vergleich zu Vorpandemiezeiten vergrößert haben. Die für die Studie genutzte etablierte Kohorte war allerdings nicht mehr vollständig repräsentativ für die zugrundeliegende Bevölkerung, sondern stärker bildungs- und gesundheitsorientiert. Die beobachteten relativ geringen Pandemieeffekte lassen sich daher nur bedingt auf sozial schwächere Gruppen übertragen.

Im qualitativen Teilprojekt wurden von den Interviewteilnehmenden am häufigsten psychische Belastungen sowohl für chronisch kranke Kinder als auch deren Eltern berichtet. Für viele Kinder wurden verstärkte psychische Symptome, vermehrte familiäre Konflikte und sozialer Rückzug berichtet. Die Eltern in unserer Stichprobe hätten sich vielfach mehr Unterstützung gewünscht. Insbesondere verlässliche Betreuungsangebote sowie ausreichende Therapieplätze für Kinder und Jugendliche wurden als ungedeckte Bedarfe genannt. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass im zukünftigen Pandemiegeschehen die psychosoziale Situation und Bedarfe von Kindern mit chronischen Erkrankungen und ihren Familien stärker in den Blick genommen werden sollten. Ergänzende telemedizinische Angebote für den Kinder- und Jugendbereich könnten hierfür stärker gefördert werden.

Förderung

Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Ansprechpartner

Prof. Dr. Michael S. Urschitz, EU-MSc. (Projektleiter)
E-Mail: urschitz@uni-mainz.de