Am 6. Juni ist Tag der Organspende: Teamwork Lebertransplantation

Seit mehr als 40 Jahren macht der Tag der Organspende jedes Jahr am ersten Samstag im Juni auf die Bedeutung der Organspende aufmerksam. Wenn Sekunden zählen und ein neues Organ über ein Leben entscheidet, ist Melanie Lehmann als Operationstechnische Assistenz an der Universitätsmedizin Mainz in ihrem Element. Vor allem Lebertransplantationen sind für sie der Inbegriff professioneller Teamarbeit.

„Eine gesunde Leber erkennt man an Farbe und Form: Sie ist rosa bis rot und glatt. Lebertransplantationen – das ist einfach meins!“, sprudelt es aus Melanie Lehmann heraus. Sie arbeitet seit 30 Jahren im OP und ist seit 10 Jahren an der Universitätsmedizin Mainz tätig. Über die Jahre hat sie sich auf Organtransplantationen spezialisiert. „Die Schritte, die Anspannung – passt die Leber oder passt sie nicht? Wie müssen wir die Gefäße verbinden? Was ist die Herausforderung und welche Technik wenden wir an? Wie lässt sich die Leber aus- oder einbauen?“, fasst sie ihre Gedanken während einer OP zusammen. „Vor jeder Explantation halten wir eine Schweigeminute im Saal und reflektieren über den bevorstehenden Eingriff. Das tut uns als Team sehr gut. Dieser Zusammenhalt ist sehr stark zu spüren und das brauchen wir auch für unsere Tätigkeit!“

Sie beschreibt das Team, mit dem sie arbeitet, als eine große Familie: „Weil wir so gut eingespielt sind, verstehen wir uns mittlerweile, ohne ein Wort zu sprechen. Es braucht wirklich nicht viel Austausch bei einer drei- bis sechsstündigen OP. Ich weiß einfach, was die Operierenden brauchen, bevor sie es selbst wissen!“ Durchhaltevermögen, viel Geduld und einfach nicht aufgeben – in ihrem Job braucht man auf jeden Fall ein dickes Fell, so beschreibt Melanie Lehmann ihre Stärken im Berufsalltag. „Ich stand auch mal vor dem OP und habe einfach geweint, weil die innere Anspannung so hoch war. Wenn wir Fehler machen, geht es um Menschenleben“, betont sie. Aber brenzlige Situationen bringen sie heute nicht mehr aus dem Konzept. „Mittlerweile bin ich routiniert und leite den Nachwuchs an“, erzählt sie. Mit den Auszubildenden pflegt sie ein freundschaftliches Verhältnis. Viel Empathie, Ruhe, direkte und verbindliche Kommunikation und die Rückbesinnung auf die eigenen Anfänge helfen ihr, die richtige Ansprechpartnerin für die Auszubildenden zu sein: „Mir ist es wichtig, dass die Individualität nicht verloren geht, ich gebe hier nur einen Rahmen vor und die meisten nehmen das dankbar an.“

Ein:e Spender:in kann bis zu sieben Menschenleben retten
In vielen Fällen ist die Transplantation eines Spenderorgans die einzige Möglichkeit, um das Leben von schwerkranken Patient:innen zu retten oder deren Lebensqualität entscheidend zu verbessern. Ein:e Organspender:in kann rein rechnerisch bis zu sieben Menschenleben retten. In Deutschland bleibt die Zahl der Spender:innen jedoch nach wie vor relativ gering: Bundesweit stehen mehr als 8.000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan.

Im Transplantationszentrum Mainz arbeiten verschiedene Fachrichtungen der Universitätsmedizin Mainz Hand in Hand zusammen, um den bestmöglichen Erfolg für die Patient:innen zu erzielen. Das interdisziplinäre Team behandelt, betreut und begleitet die Patient:innen von der ersten Vorstellung im Zentrum über die Zeit auf der Warteliste, unmittelbar vor, während und nach der Transplantation sowie in der Nachsorge als Transplantierte.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Melanie Lehmann eine schwangere Patientin, die kurz nach der Entbindung am sogenannten HELLP-Syndrom erkrankt war. Diese lebensbedrohliche Schwangerschaftskomplikation gilt als schwere Form der Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) und führte bei der Patientin zu einem Leberversagen. „Ganze sechs Wochen hat sie nichts von ihrem Kind mitbekommen. Nach unserer erfolgreichen Lebertransplantation war alles super und sie konnte ihr Neugeborenes wieder in die Arme schließen“, berichtet Melanie Lehmann und ergänzt: „Ich suche oft ehemalige Patient:innen auf und frage nach, wie es geht, weil die Geschichten und Schicksale mir nicht aus dem Kopf gehen.“ Und ihr ist bewusst, dass das gute Ende dieser Geschichten nur möglich ist, weil ein Organ gespendet wurde. „Alle sollten sich darüber Gedanken machen, wie viele Leben durch Organspende gerettet werden können“, meint Melanie Lehmann und lacht: „Ich weiß gar nicht, warum ich keinen Organspendeausweis haben sollte!“
 

Über den Tag der Organspende
Der Tag der Organspende wurde 1983 von Patientenverbänden initiiert und macht seitdem bundesweit jedes Jahr am ersten Samstag im Juni auf das Thema Organspende aufmerksam. Die gemeinsame Veranstaltung verschiedener Institutionen und Patientenverbände hat das Ziel, über das Thema Organspende zu informieren und aufzuklären sowie allen Organspendern großen Dank auszudrücken. Unter dem Motto „Zeit, Zeichen zu setzen“ soll der diesjährige Aktionstag zudem an die Bevölkerung appellieren, eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung zur Organspende zu treffen und diese auch zu dokumentieren.
 

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]

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