Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) stärkt Spitzenforschung der Universitätsmedizin Mainz mit neuen Sonderforschungsbereichen
Neuer Sonderforschungsbereich/Transregio (SFB/TRR) 460 unter Federführung der Universitätsmedizin Mainz bewilligt / Zwei weitere Sonderforschungsbereiche mit Beteiligung der Universitätsmedizin Mainz werden ebenfalls gefördert (SFB 1784 und SFB 1531)
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den neuen Sonderforschungsbereich/Transregio (SFB/TRR) 460. Unter Sprecherschaft der Universitätsmedizin Mainz stehen dabei immunologische und neurologische Forschungsfragen im Fokus. Zudem wurde der neue Sonderforschungsbereich (SFB) 1784 über Gerinnungs- und Entzündungsforschung bewilligt, an dem Mainzer Forschende beteiligt sind. Der SFB 1531, an dem die Universitätsmedizin Mainz ebenfalls mitwirkt und der sich mit Gefäßforschung befasst, wurde zum ersten Mal verlängert.
Der Wissenschaftliche Vorstand und Dekan der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Philipp Drees, freut sich über den neuen Sonderforschungsbereiche/Transregio (SFB/TRR) 460, den neuen SFB 1784 und die erste Verlängerung des SFB 1531: „Die Bewilligung und Verlängerung dieser SFB/TRR sind bedeutende Erfolge für die Universitätsmedizin Mainz und ein starkes Signal für die internationale Sichtbarkeit unseres Forschungsstandorts. Der SFB/TR 460 mit einer Sprecherschaft der Universitätsmedizin Mainz ist ein Paradebeispiel für translationale Forschung, die die zentrale Rolle in unserer Forschungsstrategie spielt. Die geförderten Projekte verbinden exzellente Grundlagenforschung mit klaren Perspektiven für die klinische Anwendung und zeigen eindrucksvoll, wie interdisziplinäre und translationale Forschung neue Wege für die Medizin der Zukunft eröffnen kann.“
SFB/TRR 460: Netzwerke reden miteinander – Wechselwirkungen zwischen Zellen des Gehirns und Immunsystem
Im Fokus des neuen SFB/TRR 460 „Dynamiken von immunologischer, glialer und neuronaler Netzwerkinteraktion“ steht die Frage, wie Immunzellen, Gliazellen und Nervenzellen sich im Gehirn vernetzen und wie sich diese Zellnetzwerke bei Erkrankungen verändern. Die klinischen Forschenden um Univ.-Prof. Dr. Stefan Bittner, Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Frauke Zipp, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, und Univ.-Prof. Dr. Sven Meuth, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster, untersuchen insbesondere neurologische und psychiatrische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Depressionen und weitere neuropsychiatrische Erkrankungen wie Demenz. Die Erkenntnisse wollen die Wissenschaftler:innen langfristig dazu nutzen, um Krankheitsverläufe besser vorherzusagen und neue, auf die Beeinflussung der Zellnetzwerke basierende Therapieansätze zu entwickeln.
Lange ging die Forschung davon aus, dass die Blut-Hirn-Schranke das Gehirn weitgehend vom Immunsystem abschirmt und so das empfindliche Nervensystem vor Entzündungen schützt. Die von der DFG geförderten Projekte führen die langjährige international erfolgreiche Arbeit aus Mainz und Münster fort, die gezeigt hat, dass Immunzellen eng mit Nervenzellen und sogenannten Gliazellen interagieren. Gliazellen versorgen etwa Nervenzellen mit Nährstoffen und unterstützen sie dabei, Signale weiterzuleiten. Zugleich spielen sie eine wichtige Rolle bei Entzündungsprozessen im Gehirn. Verlieren diese Zellnetzwerke ihr Gleichgewicht, kann dies neurologische und psychische Erkrankungen begünstigen oder verstärken.
Darum untersucht der neue SFB/TRR 460, wie diese Zellnetzwerke gesunde Hirnfunktionen steuern und welche Veränderungen Krankheitsprozesse antreiben. Zum Einsatz kommen dafür modernste Analyseverfahren, darunter Multiom-Analysen, Einzelzellsequenzierungen und hochauflösende Bildgebungsverfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Magnetoenzephalographie (MEG). Die Wissenschaftler:innen untersuchen die Zellnetzwerke sowohl in künstlicher Umgebung im Reagenzglas als auch in Tiermodellen und mittels computergestützter Modellierungen. Ergänzt werden diese Methoden durch klinische Studien.
Die Sprecherschaft des SFB/TRR460 hat Univ.-Prof. Dr. Stefan Bittner, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, inne. Co-Sprecher:innen sind Univ.-Prof. Dr. Frauke Zipp, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, sowie Univ.-Prof. Dr. Sven Meuth vom Universitätsklinikum Münster. Weitere Partner des Forschungsverbunds sind die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Universität zu Köln sowie das Forschungszentrum Jülich. Die DFG fördert das Projekt mit mehr als 12 Millionen Euro.
Mainzer Beteiligung am SFB 1784: Wie sich Blutgerinnung und Entzündungen gegenseitig beeinflussen
Der neue Sonderforschungsbereich (SFB) 1784 „Das Zusammenspiel von Thrombose und Inflammation – Translation molekularer Mechanismen in klinische Applikationen (InTraC)” untersucht die Wechselwirkung zwischen Blutgerinnung und Entzündungsreaktionen. Diese Prozesse spielen unter anderem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entzündungen oder Gefäßschäden eine zentrale Rolle. Die Forschenden wollen besser verstehen, wie Entzündungen die Bildung von Blutgerinnseln beeinflussen und wie Gerinnungsprozesse wiederum Entzündungen verstärken können. Langfristiges Ziel ist es, durch die Forschungsergebnisse krankhafte Prozesse frühzeitig erkennen und gezielter behandeln zu können sowie neue Ansätze für die Diagnostik, die Prävention und die Therapie sogenannter thromboinflammatorischer Erkrankungen entwickeln zu können.
Dafür verfolgt der interdisziplinäre Forschungsverbund einen translationalen Ansatz, durch den Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung möglichst schnell in eine klinische Anwendung geführt werden sollen. Die Wissenschaftler:innen nutzen dafür modernste molekularbiologische Methoden wie sogenannte Multi-Omics-Analysen, die Daten über Gene, Proteine und Stoffwechselprodukte miteinander verknüpfen. Hinzu kommen bioinformatische Netzwerkanalysen sowie innovativen Tiermodellen und bildgebende Verfahren. Zudem sollen neue Therapieansätze entwickelt werden, darunter RNA-basierte Therapien, Gentherapien und zellbasierte Behandlungsstrategien.
Die Universitätsmedizin Mainz ist am SFB 1784 mit vier Projekten beteiligt: Das Projekt „Stase-induzierte Endothelaktivierung und Thromboinflammation: Implikationen für Vorhofflimmern und venöse Thrombose“ von Dr. Magdalena Bochenek vom Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) untersucht, wie Durchblutungsstörungen im Rahmen von Vorhofflimmern und tiefer Venenthrombose zu Veränderungen der innersten Zellschicht von Blutgefäßen und zu Immunzellaktivierung führen können. Univ.-Prof. Dr. Christoph Reinhardt vom CTH ist an „Die Rolle von Tryptophan-Metaboliten aus Mikrobiotika bei der Förderung der Thromboinflammation nach einem Schlaganfall“ beteiligt. Dieses Projekt untersucht, wie Metabolite aus Darmbakterien die Entwicklung von Schlaganfall und dessen Behandlung beeinflussen. Das Projekt „Gezielte Beeinflussung des Gewebefaktors in der thromboinflammatorischen Signalgebung“ beschäftigt sich damit, wie das Gerinnungssystem Autoimmunthrombosen verursacht und welchen Einfluss neuartige Therapieansätze auf die Entstehung von Autoimmunerkrankungen haben können. Für dieses Projekt sind Univ.-Prof. Dr. Wolfram Ruf, Direktor des CTH, und PD Dr. Nadine Müller-Calleja vom Institut für Klinische Chemie und Labormedizin verantwortlich. Das Projekt „Endothelzell-Signalübertragung bei Thromboinflammation“ von Univ.-Prof. Dr. Katrin Schäfer vom Zentrum für Kardiologie vergleicht lungenspezifische und systemische Signalwege in der inneren Zellschicht von Blutgefäßen und ihre ursächliche Rolle bei venöser Thromboembolie.
Die Sprecherschaft des SFB 1784 hat Prof. Dr. Steffen Massberg, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des LMU Klinikum München, inne. Das Projekt wird mit rund 12,8 Millionen Euro gefördert.
Mainzer Beteiligung am SFB 1531: Schadenskontrolle durch das Stroma-vaskuläre Kompartiment
Die DFG hat zudem den SFB 1531 „Schadenskontrolle durch das Stroma-vaskuläre Kompartiment“ zum ersten Mal verlängert. Der SFB erforscht, wie Zellen im Bindegewebe des Herzens, des Gehirns und der Blutgefäße auf Schäden reagieren. Die Forschenden untersuchen, wie geschädigtes Organgewebe heilt und seine Funktion wiederherstellt sowie welche Zellen daran beteiligt sind und wie diese interagieren. Ziel des SFBs ist es, die Schadensantwort von Zellen kontrollieren zu können, um die Gewebeheilung und Resilienz gegenüber Schäden zu verbessern.
Die Universitätsmedizin Mainz ist an dem SFB 1531 mit einem Projekt beteiligt. Im Rahmen des Teilprojekts A09 „Phosphatase-gesteuerte Regulation des Stoffwechsels vaskulärer Zellen bei Entzündung und Fibrose“ bringen die Mainzer Forschenden insbesondere ihre Expertise in der vaskulären Biologie in den SFB ein. Ein Team um Univ.‑Prof. Dr. Katrin Schäfer, Leiterin der AG Translationale Vaskuläre Biologie im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, erforscht die Reaktion der Blutgefäße auf erlittene Schädigungen und insbesondere die Bedeutung von Phosphatasen für die Kontrolle der Schadensantwort. Phosphatasen sind eine Gruppe von Enzymen, die auch die Zellen im Bindegewebe, dem sogenannten Stroma-vaskulären Kompartiment, entscheidend beeinflussen. Da sie dadurch auf den Prozess der Vernarbung der Blutgefäße, auch als vaskuläre Fibrose bezeichnet, einwirken, bilden die Phosphatasen einen vielversprechenden Forschungsansatz.
Die Sprecherschaft für den SFB 1531 hat Univ.-Prof. Dr. Ralf Brandes, Direktor des Instituts für Kardiovaskuläre Physiologie (Physiologie I) des Universitätsklinikums der Goethe-Universität Frankfurt inne. Weitere Kooperationspartner sind die Universität Heidelberg sowie das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim. Der SFB 1531 erhält für die vier Jahre der zweiten Förderperiode rund 14,5 Millionen Euro. Mit den Universitäten in Frankfurt und Mainz kooperieren in dem SFB zwei Partner der strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU).
Über Sonderforschungsbereiche (SFB) und Transregio (TRR): Sonderforschungsbereiche werden für maximal drei Förderperioden von jeweils vier Jahren von der DFG gefördert. Sie ermöglichen die Bearbeitung innovativer, anspruchsvoller und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben im Verbund. Damit sollen sie der Schwerpunkt- und Strukturbildung an den antragstellenden Hochschulen dienen.
Eine Programmvariante des klassischen Sonderforschungsbereichs ist der SFB/Transregio (TRR), der von zwei oder drei Hochschulen gemeinsam beantragt und getragen wird. Er ermöglicht eine enge Kooperation zwischen diesen Hochschulen und den dort Forschenden einschließlich einer gemeinsamen Nutzung der Ressourcen.
Über die RMU: Die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Technische Universität Darmstadt bilden als renommierte Forschungsuniversitäten die länderübergreifende strategische Allianz der RHEIN-MAIN-UNIVERSITÄTEN. Mit einer Rahmenvereinbarung im Dezember 2015 wurde diese bereits langjährig bestehende Partnerschaft zur strategischen Allianz ausgebaut, um die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Universitäten zu stärken, gemeinsam Studienangebote zu verbessern und Wissenstransfer und Vernetzung mit der Gesellschaft und Politik zu gestalten.
Weitere Informationen:
Pressemitteilung der JGU |15. Mai 2026
Pressemitteilung der DFG | 15. Mai 2026
Kontakt SFB/TRR 460:
Univ.-Prof. Dr. Stefan Bittner
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-2805
E-Mail
Kontakt Teilprojekte SFB 1784:
Univ.-Prof. Dr. Wolfram Ruf
Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH)
Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-8222
E-Mail
Univ.-Prof. Dr. Katrin Schäfer
Zentrum für Kardiologie
Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-4221
E-Mail
Kontakt Teilprojekt SFB 1531:
Univ.-Prof. Dr. Katrin Schäfer
Zentrum für Kardiologie
Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-4221
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Pressekontakt:
Nadine Berger M. Sc.
Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-8434
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Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]
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