Erste Kinderintensivstation Deutschlands wird 45
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin feiert mit Jubiläumssymposium Geburtstag
An der Universitätskinderklinik Mainz wurde vor 45 Jahren die erste Kinderintensivstation in Deutschland eingerichtet. Anlass genug, die Entwicklungen seit 1965 Revue passieren zu lassen. Auf einem wissenschaftlichen Jubiläumssymposium treffen sich am 1. und 2. Oktober 2010 rund 200 Teilnehmer an der Universitätsmedizin in Mainz, um über die aktuellen Trends in der pädiatrischen Intensivmedizin zu diskutieren. Dazu konnten die Organisatoren des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin namhafte ärztliche und pflegerische Experten aus dem Bereich der pädiatrischen Intensivmedizin als Referenten gewinnen.
Die neue Station hieß zunächst „Aufnahmestation“: Hier sollten schwerkranke Kinder diagnostiziert und stabilisiert werden, bevor sie auf Stationen der Kinderklinik verlegt wurden. Die kleinen Patienten wurden damals von einem Arzt und einem Medizinalassistenten im Tagdienst versorgt, insgesamt zehn Schwestern kümmerten sich um die Kinder. Aufgrund einer zunehmend erfolgreicheren und anspruchsvolleren Intensivtherapie wurde das Personal aufgestockt und allmählich der Schichtdienst eingeführt. 1972 bekam die „Aufnahmestation“ ihren heutigen Namen – Interdisziplinäre Kinderintensivstation. Prof. Bodo-Knut Jüngst hat die Anfänge der Kinderintensivstation als Oberarzt miterlebt. Sein Resümee beim Symposium: „45 Jahre Kinderintensivstation beinhalten vor allem eine enorme Entwicklung – medizinisch, pflegerisch und technisch. Doch die Aufgabe, die Atmosphäre und das Engagement sind die gleichen wir vor mehr als vier Jahrzehnten.“
Diese Aufgabe der Kinderintensivstation ist die Versorgung schwerstkranker Kinder. Damals, vor 45 Jahren, spielten Infektionskrankheiten, Unfälle und Vergiftungen eine große Rolle. Heute werden auf der interdisziplinären Intensivstation vor allem Notfälle im Säuglings- und Kindesalter, Kinder, die nach Unfällen Brand- und Kopfverletzungen erlitten haben sowie solche Patienten versorgt, die eine schwere Operation hinter sich haben. Ein Schwerpunkt liegt in der Betreuung herzkranker Kinder und Patienten nach neurochirurgischen Eingriffen.
„In der Kinderintensivmedizin kamen ursprünglich medizinische Geräte aus der Erwachsenenmedizin zum Einsatz. Erst im Laufe der letzten 20 Jahre wurden diese Geräte an die Anforderungen der Kinder angepasst, so dass heutzutage sowohl die Behandlung als auch die medizinische Überwachung für die kleinen Patienten sehr viel schonender ist“, beschreibt Ralf G. Huth, Oberarzt der Station, die Entwicklung der vergangenen Jahre. Der technologische Fortschritt wird unter anderem daran deutlich, dass bei diesen kleinen schwerkranken Patienten nicht selten mehr als zehn verschiedene Geräte für Beatmung, Überwachung, Ernährung und Kreislaufunterstützung zum Einsatz kommen. Im Extremfall werden bis zu 15 verschiedene Körperfunktionen kontinuierlich überwacht. Dabei gilt jedoch immer die Regel, nur soviel Technik einzusetzen wie unbedingt nötig. Denn gerade bei Kindern sind liebevolle Betreuung (dies beinhaltet u.a. auch die Integration der Eltern in die Pflege ihres Kindes) und sorgfältige Beobachtung besonders wichtig, wie die Verantwortlichen auf der Kinderintensivstation betonen.
Was heute aktueller Stand des Wissens ist, kommt im Jubiläumssymposium zur Sprache. Es beginnt mit Vorträgen rund um das Thema Herzfehler im Kindesalter und wie diese behandelt werden können. Weitere Experten erklären, wie Kinder mit schwerem Organversagen versorgt werden können oder was nach einer schweren Operation zu beachten ist. Notfallmanagement, Training und Weiterbildung Qualitätssicherung sowie Dokumentation sind weitere Schwerpunkte des zweitägigen Symposiums.
„Neben der medizinischen Kompetenz ist vor allem die menschliche Nähe zu den kleinen Patienten wichtig. So zählt die Mainzer Kinderintensivstation aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Engagements zu den führenden Einrichtungen in Deutschland und profitiert darüber hinaus von ihren weltweiten Kontakten und internationalem Know-how“, betont Univ.-Prof. Dr. Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz. Doch die Entwicklung schreitet ständig voran: „Für nächstes Jahr haben wir uns als Schwerpunktziele unter anderem das Trauma-Management bei Kindern, Wiederbelebungstraining für Kinder und Untersuchungen zur Beatmungsoptimierung für Säuglinge, Kinder und Jugendliche gesetzt.“
Weitere Informationen
Interessierte Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen, am 1. Oktober 2010
- am Simulationsworkshop „Atemwegs-Notfallmanagement“ von 9.00 Uhr bis 12.30 Uhr sowie
- an der offiziellen Begrüßung unter Beteiligung von Wissenschaftsministerin Doris Ahnen um 13.00 Uhr bis 14.00 Uhr (Hörsaal Chirurgie (Geb. 505H), Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz) teilzunehmen.
Ralf G. Huth, Leiter der Kinderintensivstation und Oberarzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Telefon 06131 17-5465, Fax 06131 17-6624, E-Mail: huth@kikam.de
Internet: www.unimedizin-mainz.de/kinderklinik Pressekontakt
Dr. Renée Dillinger-Reiter
Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtungen der medizinischen Zentralversorgung – die Apotheke und die Transfusionszentrale – gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]
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