Hebammenausbildung in Mainz: Ende einer Ära und Fokus auf neue Wege

Studiengang für Hebammenwissenschaft kombiniert die Berufszulassung mit akademischem Abschluss und ersetzt bisherige Ausbildung

An der Hebammenschule der Universitätsmedizin Mainz hat der letzte Jahrgang die traditionelle Ausbildung abgeschlossen. Zukünftige Generationen von Hebammen werden vor ihrem Berufseinstieg eine akademische Ausbildung durchlaufen. Bereits seit dem Wintersemester 23/24 bietet die Universitätsmedizin den primärqualifizierenden, dualen Studiengang „Bachelor of Science Hebammenwissenschaft“ an. Daher stellte die Hebammenschule der Universitätsmedizin Mainz, eine der ältesten in Deutschland, zum 1. Oktober 2025 ihren Betrieb ein. Um auf Geschichte und Zukunft der Hebammenausbildung in Mainz zu blicken und die Leistungen von Lehrenden und Schüler:innen zu würdigen, veranstaltete die Hebammenschule eine Feierstunde, an der auch Vertreter:innen des Landes Rheinland-Pfalz und des Landeshebammenverbandes teilnahmen.

„Hebammen leisten einen unverzichtbaren Beitrag in unserer Gesellschaft. Sie geben Sicherheit, Orientierung und Unterstützung für werdende Mütter, während der Geburt und für junge Familien. Sie tragen dazu bei, dass ein neues Leben mit Fürsorge und Geborgenheit beginnen kann. Heute wird der letzte Jahrgang der fachschulischen Hebammenausbildung an der Universitätsmedizin Mainz verabschiedet. Das bewährte Ausbildungssystem wurde bereits in eine neue akademische Form überführt. Mit dem medizinischen Fortschritt und den gesellschaftlichen Veränderungen hat sich auch das Berufsbild der Hebamme stetig weiterentwickelt – und bleibt unverzichtbar bei der Versorgung von Mutter und Kind“, sagte Katharina Heil, Ministerialdirektorin im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit, anlässlich der Abschiedsfeier.

„Ich danke allen, die mit so viel Einsatz und Herzblut an der Mainzer Hebammenschule gelehrt und über so viele Jahrzehnte den beruflichen Nachwuchs erfolgreich ausgebildet haben“, betonte Univ.-Prof Dr. Ralf Kiesslich, Vorstandsvorsitzender und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz auf der Feierstunde. “Wir freuen uns, dass viele junge Menschen diesen, auch gesamtgesellschaftlich so wichtigen Beruf wählen. Unsere akademisierte Berufsausbildung trägt dazu bei, dass Schwangere und ihre Familien in dieser besonderen Lebensphase eine noch bessere Versorgung und Betreuung erhalten.“

„Unsere Studierenden sind mit Begeisterung dabei“, erzählt Monika Scholz, Schulleitung und stellvertretende Studiengangsleitung Hebammenwissenschaft, über das Studium. „Wir profitieren von unserer langjährigen Erfahrung in der Hebammenausbildung, können unsere Expertise gut einbringen und die Studierenden so adäquat unterstützen.“

Duales Studium verbindet Berufs- und wissenschaftliche Ausbildung

Durch das Hebammenreformgesetz 2019 wurde der Beruf der Hebamme in Deutschland akademisiert. Ein duales Studium ersetzt die Ausbildung an einer Hebammenschule. Seit dem Wintersemester 2023/24 bietet die Universitätsmedizin Mainz den primärqualifizierenden, dualen Studiengang Bachelor of Science Hebammenwissenschaft an. Aktuell studieren insgesamt 39 Personen, pro Jahrgang gibt es 30 Plätze. Voraussetzung ist eine Hochschulzugangsberechtigung oder eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Die Studierenden erhalten nach ihrem erfolgreichen Studium einen Doppelabschluss: die staatliche Berufszulassung als Hebamme und den akademischen Grad Bachelor of Science.

Der Studiengang vermittelt eine fundierte, praxisorientierte Ausbildung sowie die zur Ausübung des Hebammenberufs notwendigen wissenschaftsbasierten Fähigkeiten und Fertigkeiten auf universitärem Niveau. Er besteht aus einem theoretischen sowie einem berufspraktischen Teil in den kooperierenden Praxiseinrichtungen - beispielsweise auf Geburtsstationen, in Kreißsälen oder in Ambulanzen - um optimal auf den Berufsalltag sowie auf eine weitere akademische Karriere vorzubereiten. Der theoretische Teil des Curriculums zeichnet sich insbesondere durch seine modulare Struktur aus. Elementare Bestandteile des Studiengangs sind die simulationsbasierte Lehre im Simulations-Labor und Praxiseinsätze bei internen und externen Kooperationspartnern.

Mainzer Hebammenausbildung hat bedeutende Historie

Der Hebammenberuf hat in Mainz eine lange Tradition: 1487 wurde durch Kurfürst Diether von Isenburg erstmalig eine Gebäranstalt gegründet, an der auch eine Hebammenausbildung stattfand. Ein Ratsprotokoll von 1587 erwähnte bereits vier staatlich vereidigte Stadthebammen. Regelmäßige Hebammenkurse werden ab 1808 im „Kloster der Armen Clarissen“ beschrieben. Am 7. Juni 1784 wurde das Mainzer Accouchement, französisch für Entbindungsanstalt, im Zuge der Reform der Universität Mainz gegründet. Die neuere Geschichte der Mainzer Hebammenausbildung dokumentierte erstmals 1956 einen Kurs 1 und ging ab 1983 in eine dreijährige Ausbildung über. 1984 wurde die „Landes-Hebammen-Lehranstalt“ dann durch die damalige Uniklinik Mainz übernommen und ab 1985 als Hebammenschule bezeichnet. Mit Kurs 68 endet nun diese Ära.

 

Kontakt:
Monika Scholz
Schulleitung und stellvertretende Studiengangsleitung Hebammenwissenschaft
der Universitätsmedizin Mainz
Tel. 06131 17-3905
E-Mail

 

Pressekontakt:
Anke Giani
Unternehmenskommunikation der Universitätsmedizin Mainz
Tel. 06131 17-7771
E-Mail

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]

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