Hornhauttransplantation: Team der Hornhautbank an der UM rettet Augenlicht dank Gewebespenden

Erkrankungen der Hornhaut können zu starken Sehbeeinträchtigungen bis hin zur Erblindung führen. Eine Hornhauttransplantation kann die Sehfähigkeit der Betroffenen wiederherstellen. Das Team der Hornhautbank des Landes Rheinland-Pfalz an der Universitätsmedizin Mainz kümmert sich um den kompletten Prozess von der Hornhautspende bis zur Freigabe des Gewebes zur Transplantation.

Jeder Morgen in der Hornhautbank des Landes Rheinland-Pfalz an der UM beginnt für Leiterin Dr. Melissa Apel mit dem gleichen Prozess: Sie und ihr Team schauen sich die aktuelle Verstorbenenliste der Universitätsmedizin Mainz und umliegender, kooperierender Kliniken an, prüfen auf medizinische Spendereignung und kontaktieren gegebenenfalls die Angehörigen. Eine Aufgabe, die nicht immer einfach ist, aber letztlich vielen Patient:innen das Augenlicht zurückbringen kann: „Tatsächlich ist jede verstorbene Person erst einmal ein potenzieller Spender oder eine potenzielle Spenderin.“ Denn anders als bei der Organspende kommen für die Gewebespende nicht nur hirntote, sondern alle Herz-Kreislauf-verstorbenen Menschen infrage. „Alter, Sehschwäche oder Hornhautverkrümmung spiele kaum eine Rolle. Nur weil die spendende Person vor ihrem Tod schlecht gesehen hat, bedeutet das nicht, dass die Hornhaut erkrankt war“, betont Prof. Dr. Joanna Wasielica-Poslednik, die den Funktionsbereich Hornhauterkrankungen in der Augenklinik und Poliklinik der UM leitet. Ausschlusskriterien gibt es dennoch – etwa bestimmte Blutkrebserkrankungen oder neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer.

Nach Zustimmung der Angehörigen zur Spende beginnt die eigentliche Arbeit an der Hornhaut: Diese kann bis zu 72 Stunden nach dem Tod entnommen werden, oft direkt in der Pathologie, aber auch in Kliniken im Umkreis von 100 Kilometern um die UM. Mindestens zehn Tage bleibt sie in mikrobiologischer Quarantäne, um den Befall mit Bakterien und Pilze ausschließen zu können, und lagert währenddessen im Brutschrank bei 34 Grad. Entscheidend dafür, ob sich eine Hornhaut für die Transplantation eignet, ist die Zellzahl der innersten Hornhautschicht, der Endothelzellen: „Mindestens 2.000 Zellen pro Quadratmillimeter müssen vorhanden sein“, sagt Univ.-Prof. Dr. Verena Prokosch, Direktorin der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz.

Statt der gesamten Hornhaut wird heute meist nur die innere Schicht ersetzt – eine sogenannte DMEK (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty) dauert in der Regel nur 15 Minuten und hat eine deutlich geringere Abstoßungsrate. „Die Sehkraft ist heute bis zu 100 Prozent wiederherstellbar“, sagt Verena Prokosch. „Bei der alten Methode, bei der die gesamte Hornhaut transplantiert wird, konnte man mit ungefähr 40 Prozent Sehkraft rechnen.“ Heute wird die gesamte Hornhaut meist nur bei schweren Hornhautinfektionen oder bei tiefen Narben transplantiert.

Bereits eine Woche nach einer DMEK können Patient:innen in der Regel wieder sehen, erklärt Joanna Wasielica-Poslednik: „Die Patientinnen und Patienten haben zunächst eine Luftblase im Auge, die das Transplantat hält. Nach vier bis fünf Tagen beginnt die Luftblase, immer kleiner zu werden. Wenn das Transplantat die Funktion wie gewollt aufgenommen hat, kann der Patient oder die Patientin wieder sehen. Deshalb sind wir wirklich sehr froh über die neuere Methode.“

Mit rund 250 bis 300 Spender:innen pro Jahr gehört Mainz zu den größten Hornhautbanken Deutschlands. Die Wartezeiten sind relativ kurz, innerhalb von zwei bis drei Monaten kann den Patient:innen in der Regel eine OP angeboten werden. Weltweit sieht das jedoch anders aus: Der Bedarf an Spenden ist enorm. Umso wichtiger ist Aufklärung, auch in Deutschland: „Viele ältere Menschen oder Personen mit einer Krebserkrankung denken, dass sie sowieso nicht infrage kommen“, sagt Melissa Apel. Dabei können die meisten spenden – und damit anderen Menschen das Sehen zurückgeben. Die Botschaft der Expertinnen: Mit Angehörigen und Freund:innen über das Thema Organ- und Gewebespende sprechen, Unsicherheiten abbauen, gegebenenfalls Bereitschaft signalisieren. Denn jede einzelne Spende kann ein Leben entscheidend verändern.


Über die Hornhaut und die Hornhautbank Mainz
Die Hornhaut ist der vorderste Teil des Auges. Im Regelfall ist sie transparent und kann als das „Fenster des Auges“ bezeichnet werden, da man durch sie hindurchsieht. Eine intakte und klare Hornhaut ist enorm wichtig, um scharf und klar zu sehen. Sie trägt zur Fokussierung oder Bündelung des Lichts und damit der Projektion von Licht auf die Netzhaut bei und hat damit die Aufgaben, die das Objektiv einer Kamera erfüllt. Außerdem stellt sie die einzige Öffnung des Auges für einfallendes Licht dar.

Eine Hornhautspende kann von Personen mit einer Trübung, Verletzung, Infektion oder starken Verformung der Hornhaut benötigt werden. Die Betroffenen können durch die erkrankte Hornhaut wenig oder nichts sehen, auch wenn der Rest des Auges völlig gesund ist.

Die Hornhautbank des Landes Rheinland-Pfalz an der Universitätsmedizin Mainz hat sich zum Ziel gesetzt, regional wie überregional für eine Versorgung aller bedürftiger Patient:innen mit Hornhauttransplantaten zu sorgen. Die Aufgaben der Hornhautbank umfassen den Aufbau von Strukturen, die die Hornhautspende unterstützen, Kontaktaufnahme mit Angehörigen Verstorbener, Durchführung der Hornhautspende, Begutachtung der gespendeten Hornhäute anhand höchster Qualitätsstandards und die Weiterleitung zur Transplantation. Innerhalb der Augenklinik und Poliklinik der UM unterstützt die Hornhautbank auch die Verbesserung der Operations- und Behandlungsmethoden rund um die Hornhautverpflanzung.

Mehr Infos zur Hornhautspende: Website Hornhautbank Mainz
 

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]

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