Mausmodell bildet die menschliche Zöliakie realitätsnah nach
Humanisiertes Modell könnte präklinische Forschung zu Medikamenten gegen Zöliakie deutlich verbessern
Forschende der Universitätsmedizin Mainz haben ein humanisiertes Mausmodell für Zöliakie optimiert und validiert, mit dem sich die Wirksamkeit und Wirkweise neuer Medikamente gegen die Autoimmunerkrankung gezielter untersuchen lassen könnten. In einer neuen Studie wies das Modell die gleichen Veränderungen im Darm auf, die bei Menschen mit einer Zöliakie typisch sind. Zusätzlich konnte anhand des Modells die Wirkung eines bereits klinisch geprüften Wirkstoffs gegen Zöliakie realitätsnah nachgewiesen werden. Zukünftig könnte damit erstmals die Möglichkeit bestehen, neue Medikamente gegen Zöliakie gezielt zu testen, noch bevor sie in aufwendigen klinischen Studien am Menschen geprüft werden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Gastroenterology veröffentlicht.
Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem auf Gluten reagiert. Mehr als ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind davon betroffen. Bei ihnen löst das in Weizen, Roggen und Gerste enthaltene Eiweiß Entzündungen im Dünndarm aus, die unter anderem die Darmzotten schädigen können. Trotz glutenfreier Ernährung leiden bis zu 40 Prozent der Betroffenen unter Beschwerden. Der Grund dafür sind meist unvermeidbare Glutenverunreinigungen in ihrer täglichen Ernährung. Darum besteht bei Zöliakie ein hoher Bedarf an unterstützenden medikamentösen Therapien. Solche Medikamente zu entwickeln, ist jedoch bislang erschwert. Zwar werden bereits verschiedene Wirkstoffe in klinischen Studien an Menschen untersucht, aber präklinische Testverfahren wie beispielsweise geeignete Tiermodelle sind unzureichend untersucht.
Deswegen hat ein Forschungsteam um Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, Direktor des Instituts für Translationale Immunologie (TIM), in der Studie „A Humanized Celiac Disease Mouse Model Reflects Histologic and Immune Effects of Transglutaminase Inhibition in Patients“ ein bestehendes Mausmodell gezielt weiterentwickelt: Das humane Antigenpräsentations-Molekül HLA-DQ8, welches für die Entstehung und den Verlauf der Zöliakie beim Menschen verantwortlich ist, wurde mittels Gentechnik in das Genom der Maus übertragen. Nur die Menschen, die dieses oder das verwandte Genmerkmal HLA-DQ2 tragen, können überhaupt an Zöliakie erkranken. „Unsere Mäuse mit diesem Transgen entwickelten die typischen Merkmale der menschlichen Zöliakie, darunter Veränderungen der Dünndarmschleimhaut und eine ausgeprägte Immunreaktion“, sagt der Studienleiter Prof. Schuppan.
Die Aussagekraft des Mausmodells überprüfte das Forschungsteam anhand des hochspezifischen Wirkstoffs ZED1227. In einer klinischen Phase-2a-Studie an 160 Patient:innenen konnten die Forschenden bereits 2021 belegen, dass dieser Wirkstoff glutenbedingte Schäden der Dünndarmschleimhaut verhindern kann, indem er ein bestimmtes Enzym, Transglutaminase 2, hemmt. Dieses Enzym spielt bei der Entstehung der Zöliakie eine Schlüsselrolle. Im Mausmodell zeigte der Wirkstoff dieselben schützenden Effekte wie in der Humanstudie: Die Darmzotten blieben weitgehend erhalten, die Entzündungsreaktion fiel geringer aus und die molekularen Veränderungen der Immunantwort entsprachen den Ergebnissen der klinischen Studie.
„Unser optimiertes Mausmodell hat eine besondere translationale Aussagekraft“, erklären Prof. Schuppan und die Erstautorin Aline Pesi. „Es gibt uns erstmals die Möglichkeit, neue Wirkstoffe im Mausmodell zu untersuchen und die Ergebnisse direkt mit Daten aus klinischen Studien zu vergleichen. Zudem könnten molekularen Mechanismen vielversprechender Wirkstoffe bereits vor klinischen Studien besser erforscht werden.“
Das neue Mausmodell könnte sich darüber hinaus dazu eignen, weitere Wirkstoffklassen zu testen, die gezielt in die krankheitsauslösenden Immunmechanismen eingreifen. Damit hat es das Potenzial, die Entwicklung neuer Medikamente gegen Zöliakie zu beschleunigen und den Weg von der Laborforschung in die klinische Anwendung deutlich effizienter zu gestalten.
Originalpublikation:
Aline Pesi, Manuel A. Encalada-Ventura, Hicham El Mard, Victor F. Zevallos, Elena F. Verdu, Detlef Schuppan, ZED1227 Celiac Disease Study Group.
A Humanized Celiac Disease Mouse Model Reflects Histologic and Immune Effects of Transglutaminase Inhibition in Patients, Gastroenterology (2026).
DOI: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2026.07.026
Weitere Informationen:
Phase-2a-Studie zum ersten Zöliakie-Medikament | Pressemitteilung der UM vom 13.07.2021
Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan
Direktor des Instituts für Translationale Immunologie
Universitätsmedizin Mainz
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Pressekontakt:
Nadine Berger M. Sc.
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[Stand: 2025]
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