Modellprojekt zum Einsatz eines elektronischen Medikationsplans ist erfolgversprechend
Patienten profitieren von besserer Vernetzung der Krankenhäuser, Hausärzte und Apotheker
Der Zwischenbericht des gemeinsamen Modellprojekts „Vernetzte Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) mit dem elektronischen Medikationsplan in Rheinland-Pfalz“ ist erfolgversprechend. Ziel des Projekts ist es, unerwünschte Wirkungen, Doppelverordnungen oder Wechselwirkungen von Arzneimitteln zu vermeiden. Dazu sollen Patientinnen und Patienten nach einem stationären Krankenhausaufenthalt einen Medikationsplan erhalten, der von Hausärzten und Apotheken elektronisch aktualisiert werden kann. Träger des im März 2015 gestarteten Modellprojekts sind das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium, die Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, die Universitätsmedizin Mainz und die Techniker Krankenkasse.
Von insgesamt 280 Personen konnten schon erste Ergebnisse ausgewertet werden. Sie erhielten bei Entlassung aus den Kliniken einen Medikationsplan, der von den Krankenhausapothekern in Absprache mit den Klinikärzten erstellt wurde. Alle Arzneimittel einschließlich der Selbstmedikation wurden von den Krankenhausapothekern beispielsweise auf Wechselwirkungen und notwendige Dosisanpassungen geprüft und in den bundeseinheitlichen Medikationsplan eingetragen. Die Patientinnen und Patienten erhielten auf dieser Basis eine Beratung sowie jeweils einen Ausdruck des Medikationsplans bei Entlassung aus dem Krankenhaus. „Die Krankenhausapotheker sind prädestiniert, den Medikationsplan bei Entlassung der Patienten aus dem Krankenhaus zu erstellen, den Patienten zu erklären und damit die Anwendung der Arzneimittel sicherer zu machen“, betonte Professorin Dr. Irene Krämer, Direktorin der Apotheke der Universitätsmedizin Mainz und Projektleiterin.
Die Teilnehmenden werden anschließend von rund 240 öffentlichen Apotheken und rund 130 Hausärztinnen und -ärzten weiterbetreut. Dort erhalten sie über einen Zeitraum von einem halben Jahr nach Entlassung bei jeder Änderung ihrer Medikation einen aktualisierten Medikationsplan. Bei 80 Prozent der Patientinnen und Patienten, von denen bereits Ergebnisse vorliegen, wurde die Aktualisierung durch die Apotheke, bei elf Prozent durch den Hausarzt und bei neun Prozent durch beide Leistungserbringer gemeinsam vorgenommen. Insgesamt wurden bisher über 250 Aktualisierungen durchgeführt. Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, erklärte: „Apotheker sind die Experten für Arzneimittel und tragen Verantwortung für die Arzneimitteltherapiesicherheit. Durch das Modellprojekt sind Krankenhäuser, Hausärzte und Apotheker besser vernetzt bei der Erstellung individueller Medikationspläne. Davon profitieren die Patienten unmittelbar.“
Auch Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler betonte die Bedeutung des Projektes für eine gute sektorübergreifende Zusammenarbeit und für die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten. Vom rheinland-pfälzischen Modellprojekt erhoffe sie sich auch Impulse für den Bund. „Die vorliegenden Zwischenresultate sind richtungsweisend und sollten in den laufenden Diskussionen zur Ausgestaltung des E-Health-Gesetzes auf Bundesebene berücksichtigt werden. Insoweit begrüße ich die Weiterführung des Projektes und sehe der Auswertung der endgültigen Ergebnisse im Frühjahr 2016 mit Spannung entgegen“, so die Ministerin.
Die Landeschefin der Techniker Krankenkasse, Anneliese Bodemar, ist davon überzeugt, dass der elektronische Medikationsplan neue Versorgungschancen bieten kann. „Deshalb wollen wir mit diesem Projekt prüfen, inwiefern telemedizinische Vernetzung einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit leisten kann. Die Erkenntnisse bergen insbesondere für ein Flächenland wie Rheinland-Pfalz großes Potential. Darüber hinaus wollen wir den Informationsstand der Patienten und damit ihre Therapietreue erhöhen.“
In den öffentlichen Apotheken wurde insbesondere eine Aktualisierung des Medikationsplans vorgenommen, indem bedingt durch bestehende Rabattverträge der Krankenkassen Handelsnamen verordneter Arzneimittel angepasst und die Arzneimittel in der Selbstmedikation erfasst wurden. Es zeigte sich, dass mithilfe des Medikationsplans Wechselwirkungen vermieden werden können. Auch bei ärztlich verordneten Arzneimitteln konnten durch vom Krankenhausapotheker gegebene Empfehlungen zu Einnahmezeitpunkten und Dosierungen unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Wechselwirkungen vermieden werden. Das wurde auch von den am Projekt teilnehmenden Patienten bestätigt. Alle befragten Patienten sagten, sie hielten den Medikationsplan für ausgesprochen hilfreich, um beispielsweise Informationen über ihre Arzneimittel und ihre Einnahme schnell und einfach nachlesen zu können. In 90 Prozent der Fälle lobten die Patienten die unterstützende Arzneimittelberatung bei Aushändigung des Medikationsplans.
Zum Hintergrund: Das Projekt wird von den Apotheken der Universitätsmedizin Mainz, des Diakonie Krankenhauses Kreuznacher Diakonie in Bad Kreuznach, des Westpfalzklinikums in Kaiserslautern, des Katholischen Klinikums in Koblenz und des Mutterhauses der Borromäerinnen in Trier in Kooperation mit niedergelassenen Apotheken und Ärzten durchgeführt. Das im März 2015 gestartete Projekt läuft noch bis Anfang 2016.
Pressekontakt:
Johanna Bock
Pressesprecherin
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Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
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