Neue Babyklappe an Universitätsmedizin Mainz eröffnet
PRESSEMITTEILUNG DER LANDESHAUPTSTADT MAINZ, DER UNIVERSITÄTSMEDIZIN MAINZ UND DES SOZIALDIENST KATHOLISCHER FRAUEN MAINZ (SKF)
Landeshauptstadt Mainz, Universitätsmedizin Mainz und Sozialdienst katholischer Frauen Mainz (SkF) haben eine neue Babyklappe, angeschlossen an die Kinderklinik, realisiert. Die neue Einrichtung schließt eine Versorgungslücke, die seit der Schließung der bisherigen Babyklappe in der Mainzer Altstadt im September 2025 entstanden war.
Clemens Hoch, Minister für Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz und Aufsichtsratsvorsitzender Universitätsmedizin Mainz, Jana Schmöller, Dezernentin für Soziales, Kinder, Jugend und Gesundheit der Landeshauptstadt Mainz und Prof. Dr. Ralf Kiesslich, Vorstandsvorsitzender Universitätsmedizin Mainz, eröffneten gemeinsam mit Hildegard Eckert und Dr. Andrea Litzenburger, Vorsitzende und Vorstandsmitglieder des SkF, die neue Babyklappe am neuen Standort.
Sie befindet sich an der Rückseite der Kinderklinik der Universitätsmedizin Mainz und ist ab sofort rund um die Uhr erreichbar. Die Planung und Umsetzung der Umbaumaßnahmen wurden durch die Unimedizin verantwortet, die finanziellen Mittel für den Umbau der Räumlichkeiten werden von der Landeshauptstadt aus Mitteln der Mainzer Jugend- und Waisenstiftung übernommen. Die Trägerschaft übernimmt erneut der Sozialdienst katholischer Frauen.
„Mit der neuen Babyklappe schaffen wir einen Ort, der in größter Not Hilfe bietet und Leben bewahrt. Sie steht für eine Gesellschaft, die Verantwortung übernimmt, wenn alle anderen Wege versperrt sind. Die Universitätsmedizin Mainz ist für diese Aufgabe durch ihre hohe fachliche Expertise und ihre Infrastruktur in besonderer Weise geeignet. Die enge Verzahnung von Geburtshilfe, Neonatologie und psychosozialen Diensten stellt sicher, dass die Kinder bestmöglich versorgt und begleitet werden. Ich danke Allen sehr herzlich, die dies ermöglicht haben“, Clemens Hoch, Minister für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz und Aufsichtsratsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz.
„Eine Babyklappe ist weit mehr als eine bauliche Maßnahme – sie ist ein stilles Versprechen der Stadtgesellschaft an Mütter in Ausnahmesituationen: Kein Kind muss alleingelassen werden. Für Mainz bedeutet die neue Babyklappe die Wiederherstellung eines wichtigen Schutzangebots. Dieses Projekt hat in meinem Dezernat höchstePriorität und deshalb sind wir froh, gemeinsam mit der Unimedizin Mainz und dem SkF schnell eine tragfähige Lösung gefunden zu haben, die Müttern in extremen Notsituationen und ihren Kindern eine sichere Zukunft ermöglicht. Die Finanzierung für den Umbau stellen wir unkompliziert und unverzüglich aus einer städtischen Stiftung bereit“, Jana Schmöller, Dezernentin für Soziales, Kinder, Jugend und Gesundheit der Landeshauptstadt Mainz
„Die neue Babyklappe ist mit der Kinderklinik verbunden, wodurch es uns möglich ist, das Baby direkt medizinisch zu versorgen. Und gleichzeitig ist es uns gelungen, den Zugang zur Babyklappe so diskret wie möglich zu gestalten, um den betroffenen Frauen Schutz und Anonymität in einer möglicherweise verzweifelten Situation zu bieten“, Univ.-Prof. Ralf Kiesslich, Vorstandsvorsitzender und Medizinischer Vorstand an der Universitätsmedizin Mainz.
„Auch nach Einführung der gesetzlichen Regelung zur vertraulichen Geburt 2014 fanden noch vier Neugeborene über unsere Babyklappe Schutz. Dies zeigt, dass die vertrauliche Geburt nicht für alle Mütter eine erreichbare oder akzeptierte Alternative ist. Unser Ziel als Träger der Babyklappe ist es, gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern, Frauen eine anonyme und sichere Möglichkeit zu bieten, wennsie keinen anderen Ausweg sehen“, Hildegard Eckert und Dr. Andrea Litzenburger, Vorsitzende und Vorstandsmitglied des Sozialdienstes katholischer Frauen Mainz (SkF)
Ein Sicherheitsnetz für Mütter und Kinder in höchster Not
Seit der Inbetriebnahme der ersten Babyklappe in Trägerschaft des SkF am früheren Standort am Bruder-Konrad-Stift im Jahr 2002 wurden bis 2025 dort zehn Kinder sicher in Obhut genommen – zehn Mal ein sicherer Lösungsweg für Frauen in Not, zehn Menschenleben, denen ein Neuanfang ermöglicht wurde.
Die neue Lage an der Universitätsmedizin Mainz bietet dabei einen entscheidenden Vorteil: Das abgelegte Kind ist unmittelbar in der Nähe medizinischer Fachkompetenz. Rund um die Uhr steht qualifiziertes Klinikpersonal bereit, das nach dem Auslösen des zeitverzögerten Alarms rasch reagieren und das Kind medizinisch untersuchen sowie erstversorgen kann. Damit verbindet der neue Standort höchstmögliche Sicherheit für das Kind mit diskreter Erreichbarkeit für die abgebende Mutter.
Ablauf bei Nutzung der Babyklappe
Wer ein Baby in der Klappe ablegt, kann sich auf den Schutz der Anonymität und die Sicherheit des Kindes verlassen. Beim Betreten des Raumes ertönt in der benachbarten Kindernotnaufnahme ein stiller Alarm, beim Verlassen des Raumes, indem sich die Babyklappe befindet, verschließt sich die Außentür und fünf Minuten nach Alarmierung betritt eine Pflegekraft den Raum, sodass die abgebende Mutter genügend Zeit hat, sich unbemerkt zu entfernen. Anschließend läuft ein klar geregelter Prozess ab:
- Das Baby wird durch qualifiziertes Klinikpersonal der Universitätsmedizin Mainz aufgefunden.
- Das Kind erhält umgehend eine medizinische Untersuchung und Erstversorgung.
- Der Fall wird dokumentiert.
- Die Adoptionsstelle des Amtes für Jugend und Familie der Landeshauptstadt Mainz sowie der Sozialdienst katholischer Frauen Mainz (SkF) werden informiert.
- Die Adoptionsstelle leitet die weitere Unterbringung ein – in der Regel in einer Pflegefamilie, die zu einer kurzfristigen Aufnahme bereit ist.
Mütter, die sich in einer Notlage befinden, können jederzeit und anonym Hilfe in Anspruch nehmen. Die Babyklappe ist keine Einbahnstraße: Wer sich später meldet, kann Unterstützung erhalten.
Lage und Wegbeschreibung
Die Babyklappe befindet sich an der Rückseite der Kinderklinik der Universitätsmedizin Mainz (Gebäude 109, Gelände Universitätsmedizin Mainz, Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz).
Wegbeschreibung: Vor dem Haupteingang der Kinderklinik stehend, wendet man sich nach rechts in den Czernyweg. Dann biegt man die nächste Straße links in den Kraeplinweg ein, geht an Gebäude 211 vorbei und biegt direkt wieder links in den gepflasterten Weg ein. Dieser Weg endet direkt vor der Babyklappe.
Weiteres Hilfsangebot: Vertrauliche Geburt
Die vertrauliche Geburt ermöglicht es Schwangeren, anonym zu bleiben, indem ihre persönlichen Daten sicher gesammelt und dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) zur Verwahrung übermittelt werden. Die Geburt erfolgt unter einem gewählten Pseudonym, und das Kind erhält später, in der Regel mit 16 Jahren, Zugang zu den Herkunftsinformationen. Nach der Geburt übernimmt das Jugendamt das Kind in Obhut und kümmert sich um die Vormundschaft. Die Kosten der vertraulichen Geburt werden vom Bund übernommen, und die notwendigen medizinischen Leistungen sind durch die gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt.
Hilfe und Unterstützung für Schwangere
Sozialdienst katholischer Frauen e. V. Mainz
Mo–Do 8:00–16:00 Uhr | Fr 8:00–14:00 Uhr – auf Wunsch anonym
Hilfetelefon für Schwangere in Not
0800 40 40 020 (anonym, kostenfrei, 24 Stunden erreichbar)
Bei akuter Notlage: Notruf 112
Links:
www.mainz.de/verzeichnisse/adressverzeichnis/babyklappe
www.skf-mainz.de/index.php/babyklappe.html
www.skf-mainz.de/index.php/anonyme-geburt.html
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]
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