Sind Spätfolgen nach einer Krebsbehandlung bei Kindern vorhersagbar?
Neues EU-Projekt zu Spätfolgen nach Krebs im Kindesalter wird an der Universitätsmedizin Mainz koordiniert
Lassen sich mögliche Spätfolgen nach einer Krebsbehandlung anhand genetischer Untersuchungen vorhersagen? Dies ist die zentrale Frage eines EU-weiten Forschungsprojekts, das am Deutschen Kinderkrebsregister vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz koordiniert wird. Im Fokus der Untersuchungen steht das Auftreten von Fruchtbarkeitsproblemen (Fertilität) und Schwerhörigkeit (Ototoxizität) infolge einer Krebsbehandlung im Kindes- und Jugendalter. Darüber hinaus gilt es herauszufinden, welchen generellen Einfluss diese Spätfolgen auf die Lebensqualität der ehemaligen Patienten haben. Die Europäische Union fördert das EU-weite Forschungsprojekt mit rund 6 Millionen Euro. Start ist am 1. November 2013.
In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich die Überlebensprognose nach einer Krebserkrankung im Kindesalter deutlich verbessert: Rund 80 Prozent der Erkrankten werden – je nach Diagnose – geheilt. Mit der Zahl der Langzeitüberlebenden steigt allerdings auch die Zahl derer, die an potentiellen Spätfolgen leiden. Diese können vielfältig sein: Organschädigungen (zum Beispiel Herz, Nieren oder Gehör), Einschränkung der Lebensqualität (beispielsweise Wachstumsprobleme, körperliche Behinderungen, intellektuelle Einschränkungen, Probleme der sozialen Integration) oder das Auftreten von weiteren Tumoren.
An dem EU-Forschungsprojekt mit dem Namen PanCareLIFE sind Wissenschaftler aus acht europäischen Nationen beteiligt: Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Schweiz, Tschechische Republik. In das Projekt fließen die Daten von insgesamt rund 12.000 Betroffenen aus allen beteiligten Ländern ein. Anhand dieser Daten wollen die beteiligten Forscher genetische wie auch nicht-genetische Risikofaktoren identifizieren, die möglicherweise im Zusammenhang mit Fruchtbarkeitsproblemen und Schwerhörigkeit stehen. Die Wissenschaftler wollen dazu Erbsubstanz (DNA) untersuchen, um festzustellen, welche genetischen Varianten potentiell mit besagten Spätfolgen verbunden sind. Die im Rahmen von PanCareLIFE gewonnenen Daten werden zentral am Deutschen Kinderkrebsregister am IMBEI zusammengeführt.
„Dass wir dieses Projekt mit seiner Koordination nach Mainz holen konnten, und dass die Zusammenführung dieser wertvollen europäischen Daten hier an unserem Register sowie die zentrale statistische Betreuung am IMBEI erfolgt, ehrt uns sehr“, betont der Projektkoordinator und Leiter des Deutschen Kinderkrebsregisters, PD Dr. Peter Kaatsch. Die Direktorin des IMBEI, Univ.-Prof. Dr. Maria Blettner, ergänzt: „Es ist als Errungenschaft zu bewerten, dass die Zahl der Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung fortwährend steigt. Das rückt automatisch die Spätfolgen in den Fokus. Hier kann PanCareLIFE einen wichtigen Beitrag leisten, um die Lebensbedingungen der Überlebenden nachhaltig zu verbessern.“
Der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann, betont, dass mit diesem Projekt der hohe Stellenwert der epidemiologischen Forschung an der Universitätsmedizin Mainz erneut belegt wird. „Das Auftreten von Krankheiten mit ihren zeitlichen und regionalen Veränderungen im Bevölkerungsbezug zu analysieren, deren Entstehungsmechanismen zu erforschen, Ursachen zu finden, Spätfolgen zu vermeiden und darauf basierend Prävention zu betreiben, ist ein Ziel, an dessen Realisierung die Universitätsmedizin mit ihren Einrichtungen einen nennenswerten Anteil hat.“
Das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz erfasst seit 1980 alle in Deutschland auftretenden Krebsneuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Von den etwa 50.000 bereits erfassten Erkrankungsfällen sind mehr als 30.000 der früheren Patienten in der Langzeitnachbeobachtung. Aufgrund der langen Erfahrungen mit der Krebsregistrierung bei Kindern und der Ursachen- und Spätfolgenforschung sowie der internationalen Vernetzung wurde das Deutsche Kinderkrebsregister gebeten, als Koordinator für ein von der europäischen Kommission ausgeschriebenes multinationales Forschungsvorhaben zu fungieren.
Kontakt
PD Dr. Peter Kaatsch,
Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI), Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131 17–3111, Fax 06131 17-4462,
E-Mail: peter.kaatsch@unimedizin-mainz.de
Pressekontakt
Oliver Kreft,
Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7428, Fax 06131 17-3496,
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de
Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]
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