Unterricht im OP

Augenklinik der Universitätsmedizin lädt Schulklasse in den Augen-OP ein – Aktion im Rahmen der Woche des Sehens hat bereits Tradition

Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Inge Scheunert konnten 20 Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums im OP der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz direkt verfolgen, wie Patienten kombiniert am grauem Star  und an Makula-Erkrankungen operiert werden. Die Augenklinik hat diese Aktion im Rahmen der bundesweiten Aufklärungskampagne „Woche des Sehens“ bereits zum fünften Mal angeboten. Damit sollen Schüler für die Problematik der Sehbehinderung sensibilisiert werden. Bei Schülern und Lehrern stößt diese Veranstaltung – die inzwischen somit schon Tradition hat – stets auf großes Interesse. „Wir hoffen, dass wir die Schüler so für die Problematik der Sehbehinderung sensibilisieren können. Denn gutes Sehen ist nicht selbstverständlich – aber man kann heute einiges dafür tun“, sagte Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Bernhard Stoffelns, der den Biologie-Grundkurs der Jahrgangsstufe 11 eingeladen hatte. So ist beispielsweise der graue Star (Katarakt) durch eine Operation heilbar. Obwohl die Katarakt-Operation weltweit die häufigste am Menschen durchgeführte Operation ist, gibt es immer noch 25 Millionen Blinde durch diese Erkrankung. Dass der graue Star damit global die häufigste Ursache für Blindheit ist, liegt daran, dass in der dritten Welt eine Operation oft nicht möglich ist – etwa aus Geldmangel oder aufgrund fehlender Infrastruktur. Auch was bei der Entwicklung des grauen Stars überhaupt passiert, zeigte PD Dr. Stoffelns den Schülerinnen bevor es in den OP geht: „Die ursprünglich klare Augenlinse wird trüb, immer weniger Lichtstrahlen erreichen die Netzhaut. Dadurch nimmt das Sehvermögen mehr und mehr ab.“ Welche medizinischen Behandlungsmethoden möglich sind, konnten die Schülerinnen anschließend im OP direkt verfolgen. Auf einem Monitor, der das Bild des Operateurs am OP-Mikroskop zeigt, und im direkten Gespräch mit dem Operateur verfolgten sie, wie dieser mit Ultraschall die getrübte Augenlinse zerkleinert, entfernt und dann eine gefaltete Kunstlinse einsetzt. Diese faltet sich selbstständig im Auge auseinander und nimmt dort die gewünschte Position ein. Nach Implantation der Kunstlinse verfolgen die Schülerinnen gebannt, wie der Operateur zunächst den so genannten Glaskörper und dann eine hauchdünne – nur wenige Mikrometer dicke – Membran von der Netzhautoberfläche im Bereich der Makula entfernt. „Die Makula ist der empfindlichste Teil der Netzhaut. Sie ist nur 1,5 Millimeter im Durchmesser groß, aber das gesamte scharfe Sehen und insbesondere die Lesefähigkeit sind hier lokalisiert“, erklärte PD Dr. Stoffelns. „Kleinste Veränderungen in der Makula – wie etwa durch diese mit bloßem Auge kaum erkennbaren Membranen – haben starke Sehstörungen bis zum Verlust der Lesefähigkeit zur Folge.“ Makula-Erkrankungen sind heutzutage in den Industrienationen die häufigste Ursache für Blindheit in der Altersgruppe der über 65-jährigen. „Durch Operationen, wie das hier demonstrierte so genannte Membrane Peeling der Makula sind bei rechtzeitiger Durchführung schwere Sehverluste oft vermeidbar“, erläuterte PD Dr. Stoffelns den Schülerinnen. Schließlich wird der Glaskörperraum mit einer klaren Flüssigkeit wiederaufgefüllt und damit die Operation beendet. Die anschließende Regeneration der Sehfähigkeit dauert Monate. Während dieser Zeit erlebt der Patient aber eine zunehmende Verbesserung der vorher arg reduzierten Sehschärfe von Woche zu Woche. An der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz werden rund 1.000 solcher Glaskörper-Operationen im Jahr durchgeführt. Die Woche des Sehens
Die Schüler-Aktion der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz fand im Rahmen der „Woche des Sehens“ statt. Vom Donnerstag, 8. Oktober 2009, bis zum Mittwoch, 15. Oktober 2009, wird diese bereits zum neunten Mal ausgerufen. Unter dem diesjährigen Motto „Wenn die Augen schwächer werden…“. finden in dieser Woche bundesweit eine Vielzahl von Aktionen statt, die darüber informieren sollen, wie wichtig gutes Sehvermögen ist, wie sich Blindheit möglichst vermeiden lässt und wie die Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland und in den Entwicklungsländern ist.
Zur Woche des Sehens bietet die Augenklinik – neben der Schüler-Aktion – eine Telefonaktion mit der Allgemeinen Zeitung Mainz zum Thema „Wenn die Augen schwächer werden“ an: am 13. Oktober stehen Fachärzte aus Klinik und Praxis sowie die Diabetiker-Selbsthilfegruppe Mainz-Moguntia Rede und Antwort.  Hinweis für die Redaktionen:
Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne ein Foto des Besuchs der Schülerinnen im Augen-OP zu!

Kontakt
Priv.-Doz. Dr. med. Bernhard M. Stoffelns
Augenklinik und Poliklinik
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Langenbeckstr. 1, 55101 Mainz
Telefon: 06131 17-7133, Fax: 06131 17-472592
E-Mail: stoffelns@augen.klinik.uni-mainz.de
Internet: http://www-klinik.uni-mainz.de/Augenklinik/ Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 50 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtung der medizinischen Zentralversorgung – die Apotheke und die Transfusionszentrale – gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.klinik.uni-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]

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