Visual Universitätsmedizin Mainz

Würdezentrierte Therapie

In der Palliativversorgung sind gerade auch im stationären Setting Kurzinterventionen nötig, die Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen schnelle therapeutische Hilfestellungen bieten. Die Würdezentrierte Therapie - Dignity Therapy nach Harvey M. Chochinov - ist eine solche Kurzintervention, die auf die Stärkung des eigenen Würdeempfindens abzielt. Dabei fokussiert die Intervention auf die Ressourcen in der Biographie der Patientinnen und Patienten sowie deren Wunsch nach Generativität. Die Erstellung eines Generativitätsdokuments sowie die empathische Grundhaltung der Therapeutinnen und Therapeuten sind Säulen der Würdezentrierten Therapie (WzT). Die therapeutisch und wissenschaftlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden u.a. von Harvey M. Chochinov persönlich in der Anwendung der WzT geschult. Ein gemeinsames Forschungsprojekt mit der Palliativstation der Universitätsklinik Würzburg widmete sich erfolgreich der sprachlichen und kulturellen Adaption der Interviewfragen, der Anwendbarkeit und der Akzeptanz der WzT.

Unter www.patientenwuerde.de finden Sie Fortbildungen zum Thema und  weitere Informationen zu würdeorientierter Versorgung im Gesundheitswesen. Unter anderem finden in Mainz regelmäßig Grundkurse zur praktischen Anwendung der Würdezentrierten Therapie statt. Das Curriculum ist durch die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin und den Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V. anerkannt.

Mai SS, Goebel S, Jentschke E, van Oorschot B, Renner KH and Weber M. Feasibility, acceptability and adaption of dignity therapy: a mixed methods study achieving 360 degrees feedback. BMC Pall Care. 2018; 17: 73, doi: 10.1186/s12904-018-0326-0.

Harvey Max Chochinov. Würdezentrierte Therapie. Was bleibt - Erinnerungen am Ende des Lebens. Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht. 2017.
ISBN: 978-3-525-40289-4

Musiktherapie

Eine weitere wichtige Intervention in diesem Kontext ist die Musiktherapie.In einer multizentrischen Studie mit der Universität Heidelberg wurden die Effekte der musiktherapeutischen Technik „Song of Life“ auf die Lebensqualität (primäres Ziel) der Patienten und Patientinnen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmenden der Experimentalgruppe („Song of Life Gruppe“) höhere Werte für spirituelles Wohlbefinden und Ich-Integrität auswiesen als die Kontrollgruppe („Entspannungsgruppe“). Insgesamt stellt die Intervention „Song of Life“ eine effektive und bedeutsame musiktherapeutische Intervention am Lebensende dar.

Warth M, Koehler F, Brehmen M, Weber M, Bardenheuer HJ, Ditzen B, Kessler J. "Song of Life": Results of a multicenter randomized trial on the effects of biographical music therapy in palliative care. Palliat Med. 2021 Apr 20:2692163211010394. doi: 10.1177/02692163211010394.

Der Versorgungsauftrag der Palliativmedizin bezieht sich auch auf die Menschen, die um die Verstorbenen trauern. Eine Untersuchung erfasste die Meinungen und Reaktionen Angehöriger zum Erhalt von Gedenkkarten am ersten Jahrestag des Versterbens der Patientin/des Patienten. Die Ergebnisse sprechen eindeutig für ein Fortführen des Versands der Gedenkkarten.

Goebel S, Mai SS, Gerlach C, Windschmitt U, Feldmann KH, Weber M. Family members of deceased palliative care patients receiving bereavement anniversary cards: a survey on the recipient's reactions and opinions. BMC Palliat Care. 2017 Apr 19;16(1):26. doi: 10.1186/s12904-017-0199-7. PMID: 28424058; PMCID: PMC5395801.