Definition

Als Hirntumoren werden langsam (benigne) und schnell (maligne) wachsende Neubildungen des zentralen Nervensystems (ZNS) bezeichnet, die von den Stützzellen (Astrozyten), den Hüllzellen (Oligodendrozyten), den Zellen der Hirnhäute (Meningen) oder den inneren Hirnkammern auskleidenden Zellen (Ependymzellen) ausgehen.

Entstehungsmechanismen

Durch vielfältige Schädigungsmechanismen kommt es zu Anhäufungen von Veränderungen (Mutationen) im Erbmaterial (Genom) von Zellen im ZNS. Der überwiegende Teil dieser geschädigten Zellen wird durch einen eingebauten Selbstzerstörungsmechanismus (Apoptose) beseitigt oder durch das Immunsystem abgetötet. Treten jedoch Schäden in diesen zellulären Kontrollmechanismen auf, so überleben manche von diesen geschädigten Zellen und entziehen sich der Wachstumskontrolle. Die Zellen beginnen sich unkontrolliert zu teilen und es entsteht eine Gewebsneubildung (Geschwulst, Tumor). Je nachdem, welche Mechanismen außer Kraft gesetzt sind, teilen sich die Zellen bei bösartigen Tumoren schnell oder bei gutartigen Neubildungen eher langsam.

Einteilung und Ausprägung

Die Gewebsneubildungen werden im ZNS nach ihrer Ursprungszelle als Astrozytome, Oligodendrogliome, Ependymome und Meningeome bezeichnet und durch die feingewebliche Untersuchung in unterschiedliche Tumorgrade nach einer Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation WHO (Grad I-IV) eingeteilt. Zusätzlich kommen Mischformen vor wie die Oligoastrozytome.
Manche Tumore sind so bösartig, daß sie gar keine Charakteristika des Ursprungsgewebes mehr erkennen lassen und sich so schnell teilen, daß die Blutversorgung nicht ausreicht, um den Tumor zu ernähren. Dann entstehen z.B. Bereiche mit abgestorbenen Zellen (Nekrosen). Diese Tumoren werden ungeachtet ihrer histologischen Herkunft als Glioblastom bezeichnet. Die Glioblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumore.
Allen Gliomen gemeinsam ist, das nur in extrem seltenen Fällen Metastasen in anderen Organen entstehen. Vielmehr verursachen die Gliome durch diffuses lokales Wachstum und Ausbreitung im ZNS neurologische Störungen.

Diagnostik

Erleidet ein Patient neurologische Ausfallerscheinungen durch das Wachstum eines Tumors, wie z.B. einen epileptischen Anfall oder sensible Störungen, so wird in einer bildgebenden Untersuchung des Gehirns (Computertomogramm, Kernspintomogramm) eine „Raumforderung“ festgestellt. Durch Zusatz¬untersuchungen und durch die Gabe von Kontrastmittel kann der Neuroradiologe wertvolle Hinweise bekommen, ob diese Geschwulste gut- oder bösartig sind. Eine endgültige Klärung kann jedoch nur durch einen neurochirurgischen Eingriff und Entnahme von entsprechendem Gewebe herbeigeführt werden. Erst mit diesem Ergebnis erhält der Patient und der Arzt Klarheit über die Diagnose der Erkrankung und erst dann können die weiteren therapeutischen Schritte eingeleitet werden.

Therapie

In der Hirntumorbehandlung stehen als therapeutische Einzelverfahren die mikroneurochirurgische Entfernung, die Behandlung mit radioaktiven Strahlen (Bestrahlung) und die Chemotherapie zur Verfügung. In der Praxis werden diese Verfahren meist miteinander kombiniert.
Bei den „gutartigen“ Hirntumoren vom WHO-Grad I und II wird meist nur eine Operation oder je nach Tumorgröße und Lokalisation im Gehirn nur eine kleine Gewebeprobe (stereotaktische Biopsie) durchgeführt. Praktisch nie können operativ alle Tumorzellen entfernt werden, da die Gliome diffus in das gesunde Gewebe einwachsen und keine klare Grenze zwischen gesundem und krankem Gewebe besteht. Dennoch wird eine weitere Behandlung mit einer Bestrahlung im Allgemeinen nur bei ausgeprägten Tumorsymptomen (z.B. epileptische Anfälle) oder voranschreitendem Wachstum mit neurologischen Ausfällen durchgeführt.
Die „malignen“ Gliome werden demgegenüber radikaler behandelt und nach der Operation (Tumormassenreduktion und Diagnosesicherung) radioaktiv bestrahlt. Daran schließt sich in der überwiegenden Zahl der Patienten und abhängig vom Allgemeinzustand (Karnofsky-Index) eine Chemotherapie an, die unterschiedlich lange dauern kann und je nach feingeweblicher Untersuchungsergebnis mit verschiedenen Chemotherapeutika durchgeführt wird. Nach Abschluß dieser aktiven Behandlungsphase werden die Patienten in regelmäßigen Abständen klinisch untersucht und eine bildgebende Verlaufsuntersuchung des Gehirns durchgeführt.

Weitere Informationen

http://www.hirntumor.net/
http://www.krebshilfe.de/
http://www.eano.de/
http://www.meb.uni-bonn.de/neuropath/htrz.html

Bitte lesen Sie hierzu auch die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) unter den Stichworten Gliom, Meningeom, oder Hirnmetastasen (http://www.dgn.org/11.0.html).
                     English