Boehringer-Ingelheim-Preis 2012 für innovative medizinische Forschung
Mainzer Wissenschaftlerinnen liefern neue Erkenntnisse über Autoimmunerkrankungen und die Tropenkrankheit Leishmaniasis
Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Boehringer-Ingelheim-Preis 2012 geht an die Immunologin Dr. Nadine Prinz und die Biologin Dr. Kordula Kautz-Neu. Die beiden Wissenschaftlerinnen der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erhielten die Auszeichnung bei einer Feierstunde am Mittwoch. Prinz erforscht das Antiphospholipid-Syndrom, eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen, die Thrombosen und Fehlgeburten verursachen kann. Die Forschungserkenntnisse von Dr. Kautz-Neu könnten ein Ansatz zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen Leishmaniasis sein – laut WHO eine der weltweit bedeutendsten Infektionskrankheiten mit 12 Millionen infizierten Menschen in 2012.
„Die Förderung exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchses aus den eigenen Reihen hat an der Universitätsmedizin Mainz einen hohen Stellenwert. Forschung auf hohem Niveau zum Wohle der Patienten braucht innovative Ideen, und genau dafür stehen die Arbeiten von Nadine Prinz und Kordula Kautz-Neu“, unterstreicht der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban. Beide Arbeiten bestechen nach seiner Auffassung dadurch, dass sie wichtige Erkenntnisse in der Grundlagenforschung liefern, die zu neuen therapeutischen Ansätzen führen könnten.
Dr. Nadine Prinz (Jahrgang 1984), wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, wies erstmals nach, wie sich das Immunsystem bei der Autoimmunerkrankung Antiphospholipid-Syndrom (APS) selbst fälschlicherweise in Alarm versetzt. Sie entdeckte einen bisher unbekannten Signalweg, durch den vom Körper gebildete so genannte Antiphospholipid-Antikörper Zellen des Immunsystems stimulieren. „Diese Antikörper aktivieren ein Enzym, das hochreaktive Superoxid-Radikale produziert. Diese lösen eine Signalkaskade in der Zelle aus, an deren Ende das erhöhte Thromboserisiko der Patienten steht“, erklärt Prinz. Am APS, laut WHO eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen weltweit, erkranken in Deutschland etwa 20.000 bis 30.000 Patienten im Jahr bei einer vermutlich viel höheren Dunkelziffer. Das APS kann neben Thrombosen auch zu Fehlgeburten führen.
Dr. Kordula Kautz-Neu (Jahrgang 1972), wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hautklinik und Poliklinik, liefert mit ihrer Forschung einen neuen Ansatz zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Leishmaniasis. Weltweit erkranken nach Angaben der WHO jährlich über zwei Millionen Menschen an dieser Infektion mit einem einzelligen Parasiten, die auch im Süden Europas vorkommt. Kautz-Neu fand heraus, dass die so genannten Langerhanszellen (LZ) in der äußersten Hautschicht bei der Leishmaniasis nicht als Wächter fungieren. Statt wie bei anderen Infektionen die schützenden Effektor-T Zellen des Immunsystems zu aktivieren, unterdrücken die LZ deren Funktion – und die Krankheit schreitet fort. „Ein Impfstoff gegen Leishmaniasis sollte eine Aktivierung der Langerhanszellen unbedingt vermeiden“, unterstreicht Kautz-Neu.
Der Boehringer Ingelheim-Preis 2012 wurde den beiden Wissenschaftlerinnen bei einer Feierstunde in Mainz von Otto Boehringer, dem Vorstandsvorsitzenden der Boehringer Ingelheim Stiftung, überreicht. „Ich gratuliere Dr. Kautz-Neu und Dr. Prinz sehr herzlich zu dieser hervorragenden Leistung. Ihre neuen Erkenntnisse zeigen einmal mehr, wie wichtig gute und grundlegende Forschung für Fortschritte in der Medizin ist“, so Otto Boehringer.
Der Boehringer-Ingelheim-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der klinischen und der theoretischen Medizin wird seit 1969 vergeben. Eine Fachjury der Universitätsmedizin Mainz wählt die Preisträger aus, die Boehringer Ingelheim Stiftung dotiert den Preis seit 1995.
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Pressekontakt
Barbara Reinke,
Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7428, Fax 06131 17-3496,
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Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
Über die Boehringer Ingelheim Stiftung
Die Boehringer Ingelheim Stiftung ist eine eigenständige und gemeinnützige Stiftung zur Förderung der medizinischen, biologischen, chemischen und pharmazeutischen Wissenschaft. Errichtet wurde sie 1977 von Hubertus Liebrecht (1931 – 1991), einem Mitglied der Gesellschafterfamilie des Unternehmens Boehringer Ingelheim. Aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums des Unternehmens Boehringer Ingelheim im Jahr 2010 fördert die Stiftung den wissenschaftlichen Betrieb des Instituts für Molekulare Biologie (IMB) an der Universität Mainz mit insgesamt 100 Millionen Euro für zehn Jahre. Weitere Informationen zur Stiftung und ihren Förderprogrammen: www.boehringer-ingelheim-stiftung.de.
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]
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