Forscherin der Universitätsmedizin Mainz erhält Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis für ihren Alzheimerforschungsansatz

Retinoide gelten als ein möglicher Therapieansatz bei der Alzheimer-Demenz

Dr. Kristina Endres von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz zählt zu den Preisträgern des diesjährigen „Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis“. Sie teilt sich den Preis mit zwei anderen Wissenschaftlern. Endres erhält die Auszeichnung für ihre Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Alzheimerforschung. Sie fand heraus, dass ein bislang gegen Schuppenflechte eingesetztes Medikament eine verstärkte Aktivität des Enzyms ADAM10 auslöst und dieses Enzym in der Lage ist, einen schädigenden Mechanismus der Alzheimer-Erkrankung im Gehirn zu blockieren. Der Preis wurde ihr gestern beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin überreicht. Rund 1,2 Millionen Menschen leiden hierzulande an Alzheimer-Demenz. Weltweit sind geschätzte 35 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Prognosen zufolge könnten es aufgrund der demographischen Entwicklung im Jahr 2050 bis zu 135 Millionen weltweit sein. Eine Heilung der Erkrankung ist bislang nicht möglich. Es lassen sich gegenwärtig ausschließlich Symptome der Erkrankung therapieren. Vor diesem Hintergrund gibt es einen hohen Bedarf an Therapiestrategien. Endres machte die Entdeckung, dass Alzheimerpatienten, die das Schuppenflechte-Medikament Acitretin einnahmen, verstärkt den Nervenzellen-schützenden Wachstumsfaktor APPs-alpha in der Rückenmarksflüssigkeit bildeten. Das lässt sich als Beleg dafür werten, dass sich die Aktivität des Enzyms ADAM10 verstärkt. ADAM10 spaltet das sogenannte Amyloid-Vorläuferprotein und verhindert damit einerseits die Bildung toxischer Proteine und verstärkt andererseits die Freisetzung von Nervenwachstumsfaktoren. „Bei eingehender Betrachtung sind damit gleich zwei Hebel gefunden, die für zukünftige therapeutische Ansätze bei der Alzheimer-Demenz einen Nutzen versprechen“, sagt Dr. Kristina Endres, die an der Universitätsmedizin mit ihrer Arbeitsgruppe die Entstehung und Therapie der Alzheimer-Erkrankung erforscht. Endres konnte darüber hinaus nachweisen, dass sich ADAM10 unter anderem in Zellkulturen durch Retinsäure-Derivate stimulieren lässt. Außerdem konnte sie zeigen, dass das zur Behandlung der Schuppenflechte zugelassene synthetische Retinoid Acitretin die Aktivität des humanen ADAM 10-Gens steigert. Gleiches gilt für den Wirkstoff Tamibarotene, der in Japan zur Therapie der akuten promyeloischen Leukämie Verwendung findet. „Noch nicht abschließend beantwortet ist die Frage, inwieweit das synthetische Retinoid nicht nur die Aktivität von ADAM10 stimuliert, sondern auch die kognitive Leistungsfähigkeit von Alzheimer-Patienten positiv beeinflusst“, so Endres und ergänzt: „Das zu zeigen könnte ein zukünftiges Forschungsprojekt sein.“ Der von Bayer HealthCare Deutschland gestiftete „Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis“ wird alle zwei Jahre für besondere Leistungen auf dem Gebiet der klinischen Neurowissenschaften ausgeschrieben. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis dient der Förderung der klinischen Forschung in Psychiatrie und Neurologie. Über die Bewertung der eingereichten Arbeiten und die Preisvergabe entscheidet ein Kuratorium unabhängiger Wissenschaftler. Bildunterzeile: PD Dr. Kristina Endres, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz, wurde beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin mit dem Hans-Jörg Weitbrecht-Wissenschaftspreis 2015 für ihre Forschungsarbeit zu „Synthetische Retinoide als neuer Therapieansatz bei der Alzheimer-Demenz“ ausgezeichnet (v.r.n.l.): Dr. Thomas Glaser, Bayer Vital, Projektleiter Medizin Neurologie, Immunologie & Ophthalmologie, PD Dr. Kristina Endres, Prof. Dr. med. Wolfgang Maier, Direktor Klinik für Psychiatrie, Universität Bonn. Quelle: Bayer Vital GmbH, Unternehmenskommunikation Kontakt:
Dr. Kristina Endres
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Telefon: 06131 17-2133
E-Mail: kristina.endres@unimedizin-mainz.de
Internet: www.unimedizin-mainz.de/Psychiatrie Pressekontakt
Oliver Kreft, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131  17-7424, Fax 06131  17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]

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