Innovationspreis für mit Nanofasern besetzte Wundverschlüsse
Universitätsmedizin Mainz liefert das Know-How für Medizintechnik der Zukunft
Einer der mit 380.000 Euro dotierten Preise beim Innovationswettbewerb Medizintechnik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ging an die Forscherin Aránzazu del Campo vom Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI-P). Unter anderem in Kooperation mit dem Direktor des Instituts für Pathologie der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. James Kirkpatrick, entwickelte sie wegweisende Medizintechnik, die sich an der Natur orientiert: Wundverschlüsse, bei denen Nanofasern zum Einsatz kommen, die den nanoskopisch kleinen Härchen an den Fußunterseiten bei Geckos oder Fröschen entsprechen.
„Wenngleich uns die Natur in etlichen Bereichen schier unlösbare Rätsel aufgibt, so gibt sie auch zahlreiche Antworten auf zentrale Fragen der Forschung. In der Medizintechnik kommen diese neuartigen Wundverschlüsse einem Quantensprung gleich. Mein Team ist stolz darauf, gemeinsam mit Aránzazu del Campo eine echte Perspektive, in dem für die Medizin so wichtigen Bereich Wundheilung, aufzuzeigen“, freut sich Prof. Kirkpatrick über den Preis für die gebürtige Spanierin, der dem Pathologen zufolge auch Ansporn für sein Team bedeute.
Aránzazu del Campo gelang es, das Nahtmaterial für Wundverschlüsse mit Fibrillen – vergleichbar mit den nanoskopisch kleinen Härchen an den Fußunterseiten bei Geckos oder Fröschen – zu versehen. Mittels der von ihr entwickelten Methode lassen sich also Nanofasern auf gekrümmte Oberflächen aufbringen.
Ziel der Forschung an Wundverschlüssen auf der Grundlage natürlicher Vorbilder ist es, einen Prototypen für die industrielle Herstellung zu entwickeln. Sollte das gelingen, wäre das für Patienten von unschätzbarem Wert. Nicht zuletzt profitierten sie sowohl von einer verkürzten Wundheilung als auch einer reduzierten Vernarbung. Des Weiteren birgt die herkömmliche Wundversorgung durch Nähen die Gefahr von Entzündungen im Bereich der Knoten.
Das REPAIR-Lab des Instituts für Pathologie arbeitet seit Jahren an der Etablierung komplexer humaner Zellkulturmethoden, die dazu dienen, Wechselwirkungen zwischen Gewebe und innovativen Biomaterialien – wie sie Dr. del Campo entwickelt – experimentell zu untersuchen. So lassen sich Biomaterial-bedingte Funktionsänderungen des Heilungsprozesses in wichtigen Zellen sowie Entzündungszellen genau untersuchen und die Gewebeverträglichkeit überprüfen. In den späteren anwendungsnahen Phasen der Entwicklung kommen die Methoden der klassischen Pathologie zur Geltung, die den zeitlichen Verlauf und die Art der Gewebereaktion, das neue Nahtmaterial im lebenden Gesamtorganismus betreffend, verfolgen. Somit kann das Institut für Pathologie die biologische Basis für eventuell notwendige Optimierungsschritte auf dem Wege zu einer klinischen Anwendung liefern. Für Prof. Kirkpatrick ist dieses Projekt ein Paradebeispiel für den Sinn interdisziplinärer Kooperation zwischen der Universitätsmedizin und hochwertigen Forschungseinrichtungen wie dem Max-Planck-Institut.
Kontakt
Univ.-Prof. C. James Kirkpatrick, Direktor des Instituts für Pathologie, Telefon 06131 17-7301, E-Mail: kirkpatrick@ukmainz.de; kirkpatrick@repair-lab.org
Pressekontakt
Dr. Renée Dillinger-Reiter, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de
Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtungen der medizinischen Zentralversorgung – die Apotheke und die Transfusionszentrale – gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]
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