Jeder kann helfen
Neue Erste-Hilfe-Leitlinien nehmen medizinische Laien stärker in die Pflicht
Kürzlich haben internationale Fachverbände neue Leitlinien zur Notfallversorgung und Wiederbelebung veröffentlicht. Mehr als 300 Experten aus aller Welt haben die neuen Leitlinien erarbeitet – an deren Erstellung waren auch drei Anästhesisten und Notfallmediziner der Mainzer Universitätsklinik beteiligt. So wurden sämtliche aktuellen Studien zur Herz-Lungen-Wiederbelebung ausgewertet und kritisch analysiert.
Die neuen Leitlinien sehen wichtige Änderungen vor: „Insbesondere kommt den mechanischen Maßnahmen, also der Brustkorbkompression und der Beatmung, ein höherer Stellenwert zu als in den bisherigen Leitlinien“, erklären die beiden Oberärzte der Klinik für Anästhesiologie, Priv.-Doz. Dr. Hendrik Gervais und Dr. Benno Wolcke. „Insofern nehmen die neuen Leitlinien auch medizinische Laien stärker in die Pflicht – denn solche Maßnahmen sollte jeder beherrschen, der einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hat. Einen Erste-Hilfe-Kurs sollte aber nicht nur jeder Führerscheinanwärter absolvieren. Vielmehr wäre es erstrebenswert, wenn ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung sich in eben diesen lebensrettenden Maßnahmen verstärkt ausbilden ließe. Darüber hinaus sollten die erworbenen Kenntnisse nach erfolgter Ausbildung durch Teilnahme an Auffrischungskursen vertieft werden. Ein Ansatzpunkt könnte bereits in den Schulen durch Einführung eines entsprechenden Pflichtkurses gelegt werden.“
„In Mainz und Umgebung werden weniger als ein Viertel aller Patienten mit Herz- Kreislaufstillstand durch entsprechende Erste-Hilfe-Maßnahmen versorgt, bevor der Notarzt eingetroffen ist“, führen die beiden Oberärzte weiter aus. „ Dabei könnte die Rate derjenigen Patienten, die nach einem Herz-Kreislaufstillstand – Stichwort: plötzlicher Herztod – erfolgreich wiederbelebt werden, durch mehr Ersthelfermaßnahmen erheblich gesteigert werden, wie Beispiele aus anderen Städten in Europa und den USA belegen.“
In Erste-Hilfe-Kursen für Laien und in der Ausbildung der Notfallmediziner werden die neuen Leitlinien jetzt umgesetzt. Bei den professionellen Helfern ist das Interesse enorm. Bei einer wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltung der Klinik für Anästhesiologie, bei der die neuen Leitlinien vorgestellt wurden, „platzte der Hörsaal aus allen Nähten“. Medizinisches Personal der Klinik, aber auch zahlreiche Vertreter verschiedener Rettungsorganisationen und Feuerwehren waren der Einladung gefolgt. „Diese Resonanz zeigt uns, wie groß hier der Informationsbedarf ist“, betont Klinikdirektor Prof. Dr. Christian Werner. „Gemeinsam wollen wir so die neuen Leitlinien möglichst schnell in die Tat umsetzen. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass wir in Mainz sehr schnell auf aktuelle und viel versprechende Entwicklungen in der klinischen Forschung reagieren.“
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]
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