Neuer Ganzkörperzähler an der Universitätsmedizin Mainz
Behördlich bestimmte Messstelle des Landes Rheinland-Pfalz
Die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Mainz hat einen neuen Ganzkörperzähler in Betrieb genommen. Sie ist behördlich bestimmte Messstelle des Landes Rheinland-Pfalz. Der Ganzkörperzähler wird für routinemäßige Strahlenschutzmessungen verwendet, kommt aber auch bei besonderen Ereignissen für Personenmessungen zum Einsatz – wie 1986 nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl oder jüngst nach dem Atomunglück in Fukushima.
Ein Ganzkörperzähler ist eine Messeinrichtung zur Bestimmung von bestimmten radioaktiven Stoffen im Körper – und zwar solchen, die Gammastrahlen aussenden. Beim Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen können eventuell über den Mundweg – im Fachjargon Ingestion – oder durch Einatmen – im Fachjargon Inhalation – radioaktive Stoffe in den Körper gelangen – dies bezeichnet man als Inkorporation. Ganzkörperzähler werden deshalb im Strahlenschutz routinemäßig zur Inkorporationsüberwachung bei beruflich strahlenexponierten Personen, wie beispielsweise Mitarbeitern von Kernkraftwerken, eingesetzt.
„Mit speziellen Detektoren wird die aus dem Körper austretende Gammastrahlung gemessen“, erläuterte Univ.-Prof. Dr. Mathias Schreckenberger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, bei der Vorstellung des neuen Gerätes. „Dabei werden die Energie und die Menge der Gammaquanten erfasst und daraus mit speziellen Auswerteprogrammen die inkorporierten Nuklide in ihrer Art und Menge bestimmt.“ Andere Arten radioaktiver Strahlung – also inkorporierte Alpha- und Betastrahler – können mit einem Ganzkörperzähler aufgrund der kurzen Reichweite der Strahlung nicht gemessen werden. Diese müssen mit speziellen radiochemischen Methoden in Stuhl- oder Urinproben nachgewiesen werden.
Um möglichst geringe Mengen an Radioaktivität nachweisen zu können ist es zwingend erforderlich, dass die überall vorhandene natürliche radioaktive Strahlung nur minimal in die Detektoren gelangt. Ansonsten kann diese eine eventuelle Inkorporation überstrahlen und somit deren Nachweis verhindern. „Abschirmungen bestehen in der Regel aus mehreren Zentimeter dicken Stahl- oder Bleiplatten. Diese Abschirmungen können einen komplett geschlossenen Messraum bilden oder aber nur um die Detektoren herum gebaut sein“, so Diplom-Physiker Helmut Reber. „Letzteres ist im neuen Gerät der Fall: Im Gegensatz zum bisherigen Ganzkörperzähler besitzt es eine offene Bauweise. Das bedeutet, die Messperson wird auf einem Schlitten liegend unter den abgeschirmten Detektoren vorbeibewegt. Dies ist wesentlich komfortabler als in einer komplett geschlossenen und abgeschirmten Bleiröhre zu liegen.“ Gemessen wird mit einem elektrisch gekühlten Germaniumdetektor und zwei großflächigen Natrium-Jodid-Rechteckdetektoren. Die Abschirmung besteht aus 10 Zentimeter dickem Stahl.
„Die Klinik für Nuklearmedizin ist behördlich bestimmte Messstelle des Landes Rheinland-Pfalz – und das bereits seit 1998“, sagte Dr. Roswitha Eisbach, neue Leiterin des Referats „Allgemeiner Strahlenschutz, Strahlenschutz bei Tätigkeiten, Transport radioaktiver Stoffe“ im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung, die die Veranstaltung zum neuen Ganzkörperzähler zum Anlass nahm, sich den Mitarbeitern der Universitätsmedizin vorzustellen. „Das Ministerium als Atomaufsichtsbehörde ist froh, dass die Inkorporationsmesstelle des Landes über einen solch modernen und leistungsfähigen Ganzkörperzähler verfügt und damit auch für Notfälle gut vorbereitet ist.“
„Für die Universitätsmedizin ist es selbstverständlich, sich in dieser wichtigen Angelegenheit zu engagieren und Know-How sowie räumliche und personelle Ressourcen zur Verfügung zu stellen – gerade auch im Hinblick auf das Thema Katastrophenschutz“, so Univ.-Prof. Dr. Guido Adler, Medizinischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz.
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Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]
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