PD Dr. Ulrich Betz ist erster habilitierter Physiotherapeut der Universitätsmedizin Mainz

Strukturbildung für Akademisierung der Therapieberufe zeigt Erfolg

Mit einem Novum setzt die Universitätsmedizin Mainz (UM) ein klares Zeichen für die Akademisierung der Therapieberufe: Sie habilitiert Physiotherapeut PD Dr. rer. physiol. et med. habil. Ulrich Betz. Der Direktor des Instituts für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation der Universitätsmedizin Mainz hat mit seinem erfolgreich abgeschlossenem Habilitationsverfahren nun die Lehrbefugnis für das Fach Experimentelle Orthopädie. Diese Habilitierung stellt einen wichtigen Teilerfolg der Bestrebungen dar, die Gesundheitsfachberufe zu akademischen Professionen weiterzuentwickeln. Die Akademisierung ist nach Ansicht des Bundes und verschiedener Gremien wie dem Wissenschaftsrat erforderlich, um das deutsche Gesundheitswesen in die Lage zu versetzen, neue Anforderungen und Herausforderungen besser zu meistern.

„Ich freue mich sehr über diese besondere Habilitation und gratuliere Ulrich Betz herzlich zur Würdigung seiner wissenschaftlichen Leistung. Seit vielen Jahren darf ich miterleben, wie er Innovationen vorantreibt sowie interprofessionelles und interdisziplinäres Denken und Handeln vorlebt“, erklärt der Wissenschaftliche Vorstand und Dekan der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Univ.-Prof. Dr. Philipp Drees. Und ergänzt: „Seine Habilitierung ist ein beispielhafter Beleg dafür, dass sich bei entsprechenden Rahmenbedingungen auch in Deutschland die Therapieberufe erfolgreich zu wissenschaftlich forschenden Disziplinen entwickeln können. Universitätsklinika wie unsere Universitätsmedizin Mainz sind dafür in besonderer Form geeignet. Denn sie verfügen über das Promotions- und Habilitationsrecht, und vor allem wirken Menschen hier professionsübergreifend in einem Umfeld zusammen, in dem Forschung, Lehre und Patientenversorgung eng miteinander verknüpft sind.“

Die Therapieberufe bilden eine Teilgruppe der Gesundheitsfachberufe, zu denen beispielweise auch die Pflegeberufe und die Hebammen gehören. Zu den klassischen Therapieberufen zählen Ergotherapeut:in, Physiotherapeut:in, Logopäd:in und Sprachtherapeut:in. Auch Berufe in den Bereichen Bewegungstherapie, Heilpädagogik oder Musiktherapie gehören zum therapeutischem Spektrum.

„Mir ist es ein großes Anliegen, das enorme Potential der Therapieberufe für die Patient:innen, die Therapeut:innen und das gesamte Gesundheitssystem besser zu nutzen. Dafür benötigen wir deren Akademisierung. Im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern steckt diese in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Durch die Nähe zu den Patient:innen und zur medizinischen Forschung und Lehre, die Gründungen des Instituts für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation und des Studienzentrums für Bewegungsforschung, bestehen an unserer Unimedizin bereits sehr gute strukturelle Voraussetzungen, um die Akademisierung der Therapieberufe hierzulande weiter erfolgreich voranzubringen und letztlich auch in Mainz klinisch orientierte Studiengänge anbieten zu können“, betont der frisch habilitierte PD Dr. rer. physiol. et med. habil. Ulrich Betz, Direktor des Instituts für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation der Universitätsmedizin Mainz.

 

Anforderungen an Therapieberufe gewachsen

Aufgrund zahlreicher Faktoren wird die deutsche Bevölkerung immer älter – und damit auch häufig multimorbide und pflegebedürftig. Parallel dazu werden immer mehr Aufgaben aus dem stationären in den ambulanten Sektor verlagert und zudem technisiert und digitalisiert. Damit steigen die Anforderungen an die Therapieberufe. Um den Patient:innen – und dem beruflichen Nachwuchs – Themen wie beispielsweise Prävention, Rehabilitation und palliative Versorgung auch wissenschaftlich fundiert vermitteln zu können, müssen die Therapeut:innen fachlich und kommunikativ kompetenter werden. Die Fähigkeit das eigene Tun, die Chancen und Grenzen sowie den gesamten Prozess der klinisch-therapeutischen Versorgung und seine Entwicklungen reflektieren zu können und adäquat zu entscheiden, wird zu einer Kernkompetenz.
 

Strukturelle Änderungen für verbesserte Rahmenbedingungen

Um diesen Anforderungen besser entsprechen zu können, hat die Universitätsmedizin Mainz bereits 2009 damit begonnen, die erforderlichen strukturellen Voraussetzungen zu optimieren: Sie richtete ein eigenes Institut für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation (IPTPR) ein. Sein Aufgabengebiet umfasst insbesondere die Therapie von täglich ca. 650 Patient:innen der UM und darüber hinaus das gesamte Spektrum der Forschung, Entwicklung, Evaluation und Gutachtenerstellung im Bereich der Heilmittel, Prävention und Rehabilitation. Im Jahr 2020 ging man an der UM einen weiteren Schritt Richtung Akademisierung der Therapieberufe: Das IPTPR gründete zusammen mit dem Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie (ZOU) der UM das Interprofessionelle Studienzentrum für Bewegungsforschung (ISZB) der Universitätsmedizin Mainz. Im Rahmen dieses 2021 auch zertifizierten gemeinsamen Forschungsbereichs erforschen verschiedene Teams die menschlichen Bewegungsfunktionen und ihre Bedeutung für Gesundheit, Genesung und Lebensqualität. Die Wissenschaftler:innen haben für ihre Forschungsprojekte bis dato erfolgreich Drittmittel (i. H. v. rund einer Million Euro) eingeworben, zahlreiche nationale und internationale Publikationen veröffentlicht und knapp 10 Bachelor- und Masterabschlussarbeiten sowie 10 Promotionen betreut, darunter vier von Physiotherapeut:innen. Von den erzielten Erkenntnissen profitieren verschiedene medizinische Disziplinen: Dazu zählen neben der Orthopädie und Unfallchirurgie beispielsweise die Onkologie, die Innere Medizin oder auch die Intensivmedizin. 
 

Antrittsvorlesung am 6. Februar 2026

Wer mehr über PD Dr. Betz und seine Forschung erfahren möchte: Am Freitag, 6. Februar 2026 finden ab 15 Uhr im Hörsaal der Chirurgie (Gebäude 505 H) der Universitätsmedizin Mainz (Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz) die drei aktuellen Antrittsvorlesungen Habilitationen statt. Das Thema von PD Dr. rer. physiol. et med. habil. Ulrich Betz lautet „Ongoing-Habilitation – ein Paradigmenwechsel“. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.

 

Zur Person:

Der 1963 geborene Ulrich Betz absolvierte von 1983 bis 1986 eine Ausbildung zum Staatlich geprüften Krankengymnasten. Als solcher kam Ulrich Betz 1991 an die Orthopädische Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, wo er ab 1994 die Leitung der dortigen Abteilung für Physikalische Therapie innehatte. 1997 wurde Ulrich Betz mit dem Wissenschaftspreis des Zentralverbandes der Deutschen Krankengymnasten ausgezeichnet. Nach seinem ausgezeichneten Abschluss zum Diplom-Physiotherapeuten (FH) im Jahr 2007, promovierte der Vater dreier Kinder 2008 im Fach Humanmedizin an der Universitätsmedizin Mainz mit magna cum laude zum Thema „Rückenmuskelaktivität im Sitzen und Stehen“, und erhielt als erster Physiotherapeut den Titel Dr. rer. physiol.. Im Jahr 2009 wurde er zum Leiter des neu gegründeten Instituts für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation der Universitätsmedizin Mainz ernannt. Dieses vereint die Therapieberufe in einer eigenen Einrichtung und ist bis heute bundesweit einmalig. 2017 zeichnete ihn der Deutsche Verband für Physiotherapie für seine hervorragenden wissenschaftlichen Erfolge mit dem „Stein der Weisen“ aus. 2020 initiierte er gemeinsam mit dem Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie der UM, Univ.- Prof. Dr. Philipp Drees, die Gründung des Interprofessionellen Studienzentrums für Bewegungsforschung an der Universitätsmedizin Mainz. Im Jahr 2025 wurde Ulrich Betz wiederum Pionier und habilitierte an der Mainzer UM als erster rein als Vertreter seines Berufes zum PD Dr. rer. physiol. et med. habil.. Seine Habilitation mit dem Titel „Prozessoptimierung in der Hüft- und Knieendoprothetik – Implementierung, Machbarkeit und Evaluation“ hat er im Fach Experimentelle Orthopädie abgelegt.

 

Bildunterschrift: PD Dr. rer. physiol. et med. habil. Ulrich Betz vor einem Bewegungsparcours der Universitätsmedizin Mainz
Bildquelle: UM/Peter Pulkowski

 

Kontakt:
PD Dr. Ulrich Betz,
Direktor des Instituts für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation der Universitätsmedizin Mainz, Telefon: 06131 17-2356, E-Mail

 

Pressekontakt:
Barbara Reinke, Unternehmenskommunikation, Universitätsmedizin Mainz,
Telefon: 06131 17-7428, E-Mail

 

 

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]

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