Unterricht im OP
Universitäts-Augenklinik lädt Schulklasse in den Augen OP ein – Aktion im Rahmen der Woche des Sehens hat bereits Tradition
Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Inge-Maria Scheunert konnten 14 Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums im OP der Universitäts-Augenklinik direkt verfolgen, wie Patienten kombiniert am grauem Star und an Makula-Erkrankungen operiert werden. Die Augenklinik hatte diese Aktion im Rahmen der bundesweiten Aufklärungskampagne „Woche des Sehens“ bereits zum vierten Mal angeboten. Bei Schülern und Lehrern stößt diese Veranstaltung – die inzwischen somit schon Tradition hat – stets auf großes Interesse.
Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Bernhard Stoffelns, der den Biologiegrundkurs der Jahrgangsstufe 13 eingeladen hatte, erklärt: „Wir hoffen, dass wir die Schüler so für die Problematik der Sehbehinderung sensibilisieren können. Denn gutes Sehen ist nicht selbstverständlich – aber man kann heute einiges dafür tun.“
So ist beispielsweise der graue Star – Fachjargon: Katarakt – durch eine Operation heilbar. Und obwohl die Katarakt-Operation weltweit die häufigste am Menschen durchgeführte Operation ist, gibt es weltweit immer noch 25 Millionen Blinde durch diese Erkrankung. Dass der graue Star damit weltweit die häufigste Ursache für Blindheit ist, liegt daran, dass in der dritten Welt eine Operation oft nicht möglich ist – aus Geldmangel etwa oder aufgrund fehlender Infrastruktur. All das erläuterte Dr. Stoffelns, bevor es in den OP ging. Er erklärte auch, was beim grauen Star überhaupt passiert: „Die ursprünglich klare Augenlinse wird trüb, immer weniger Lichtstrahlen erreichen die Netzhaut. Dadurch nimmt das Sehvermögen mehr und mehr ab.“ Was man dagegen tun kann, konnten die Schülerinnen anschließend im OP direkt verfolgen. Auf einem Monitor, der das Bild des OP-Mikroskops zeigt, und im direkten Gespräch mit dem Operateur erfuhren sie, wie dieser mit Ultraschall die getrübte Augenlinse zerkleinert, entfernt und dann eine gefaltete Kunstlinse einsetzt. Diese faltet sich selbstständig im Auge auseinander und nimmt dort die gewünschte Position ein.
Nach Implantation der Kunstlinse verfolgten die Schülerinnen gebannt, wie der Operateur zunächst den so genannten Glaskörper und dann eine hauchdünne – nur wenige Mikrometer dicke – Membran von der Netzhautoberfläche im Bereich der Makula entfernte. „Die Makula ist der empfindlichste Teil der Netzhaut. Sie ist nur 1,5 Millimeter im Durchmesser groß, aber das gesamte scharfe Sehen und insbesondere die Lesefähigkeit sind hier lokalisiert“, erklärte Dr. Stoffelns. „Kleinste Veränderungen in der Makula – wie etwa durch diese mit bloßem Auge kaum erkennbaren Membranen – haben starke Sehstörungen bis zum Verlust der Lesefähigkeit zur Folge.“ Makula-Erkrankungen sind heutzutage in den Industrienationen die häufigste Ursache für Blindheit in der Altersgruppe der über 65-jährigen. „Durch Operationen wie das hier demonstrierte ‚membrane peeling’ der Makula sind bei rechtzeitiger Durchführung schwere Sehverluste oft vermeidbar“, erläuterte Dr. Stoffelns den Schülerinnen. Schließlich wird der Glaskörperraum mit einer klaren Flüssigkeit wiederaufgefüllt und damit die Operation beendet.
Die Woche des Sehens
Die Schüler-Aktion der Mainzer Augenklinik fand im Rahmen der „Woche des Sehens“ statt. Vom Donnerstag, den 09. Oktober, bis Mittwoch, den 15. Oktober 2008 wird diese bereits zum siebten Mal ausgerufen – mit dem diesjährigen Schwerpunkt „Blinde und Sehbehinderte Kinder“. Unter dem Motto „Verhütung von Sehschwäche und Erblindung im Kindesalter“ finden in dieser Woche bundesweit eine Vielzahl von Aktionen statt, die darüber informieren sollen, welche Augenerkrankungen die Entwicklung eines normalen Sehvermögens insbesondere in jungen Jahren behindern können.
Zur Woche des Sehens bietet die Augenklinik – neben der Schüler-Aktion und einer Telefonaktion – eine weitere Aktion an: So öffnet die Sehschule der Universitäts-Augenklinik am 10. Oktober von 14.00 bis 16.00 Uhr ihre Türen (Gebäude 102, Erdgeschoss, Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz).
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]
Abonnieren Sie unsere RSS-Feeds
Aktuelle Meldungen:
www.unimedizin-mainz.de/rss
Aktuelle Stellenanangebote:
www.unimedizin-mainz.de/rss_jobs/rss.xml