Wie Gerinnungsfaktoren und Darmbakterien die Bildung von Blutgefäßen fördern

Wissenschaftler finden unerwartete Funktionen des Gerinnungssystem bei diesem neu entdeckten Mechanismus

Wissenschaftler des Centrums für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz sind an der Entdeckung eines neuartigen Mechanismus beteiligt, der zur Bildung von Blutgefäßen im Darm beiträgt. Dieser Mechanismus könnte sowohl bei der Absorption von Nährstoffen, als auch bei verschiedenen Darmerkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Das internationale Forscherteam mit dem Erstautor Dr. Christoph Reinhardt (CTH) unter Leitung von Prof. Fredrik Bäckhed von der Universität Göteborg hat die Forschungsergebnisse jetzt im international bedeutenden Magazin Nature veröffentlicht. Sie könnten in Zukunft zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und auch Fettleibigkeit beitragen. Bisher ist nicht bekannt wie genau die Darmflora – also die Gesamtheit der Mikroorganismen, die den Darm besiedeln und die nach der Geburt gebildet wird – die Bildung neuer Blutgefäße in den Darmzotten fördert. Die neue Studie zeigt erstmals, dass dies über die Aktivierung des Gerinnungssystems geschieht. Im Detail haben die Forscher mehrere Faktoren identifiziert, die an diesem Mechanismus beteiligt sind. Einer von ihnen ist der so genannte Tissue Factor (oder auch Gewebethromboplastin): Dieser ist das Starterprotein der plasmatischen Blutgerinnung und wird auch von den Epithelzellen im Darm gebildet. Das internationale Forscherteam aus Deutschland, Schweden, Dänemark und den USA hat ebenfalls herausgefunden, dass die Darmbakterien nicht nur die Gefäßbildung, sondern auch die Struktur der Darmzotten über Gerinnungsfaktor-abhängige Signalmechanismen verändern: Die Darmzotten vergrößern die Oberfläche der Darmschleimhaut und maximieren die Absorption von Nährstoffen. In Gegenwart von Mikroorganismen werden die Zotten kürzer und breiter, was bedeutet, dass neue Blutgefäße gebildet werden müssen. „Unsere Ergebnisse sind für das Verständnis der Wechselwirkung von Bakterien mit  unserem Organismus sehr wichtig und ein Ergebnis der medizinischen Grundlagenforschung“, erläutert Dr. Christoph Reinhardt, Erstautor der Publikation, der zurzeit eine Nachwuchsgruppe am CTH aufbaut. „Neue Funktionen des Blutgerinnungssystems zu erforschen ist dabei ein besonderer Schwerpunkt des CTH in der Grundlagenforschung. Es wird künftig unsere Aufgabe sein, dieses Wissen in die klinische Forschung zu überführen und hieraus neue therapeutische Strategien abzuleiten. So werde ich mit meinem Team die Wechselwirkung der Darmflora mit dem Gerinnungssystem im Rahmen eines EU-geförderten Projektes am Centrum für Thrombose und Hämostase weiter erforschen.“ Veröffentlichung
Tissue factor and PAR1 promote microbiota-induced intestinal vascular remodeling, Reinhardt C. et al., Advance Online Publication (AOP) Nature, 11. März 2012. DOI: 10.1038/nature10893 Kontakt
Dr. Christoph Reinhardt, Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH), Universitätsmedizin Mainz, Tel. +49-(0)6131-17-8280, E-Mail Christoph.Reinhardt@unimedizin-mainz.de Pressekontakt
Dr. Renée Dillinger-Reiter, Stabsstelle Kommunikation und Presse, Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de Über das CTH
Das Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) wird als Modellzentrum zur verbesserten Integration von Ausbildung, Forschung und Patientenversorgung unter einem translationalen Fokus vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des nationalen Programm „Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren (IFB)“ gefördert. Im CTH-Konzept wird die Schnittstelle zwischen Patientenbehandlung und Forschung neu definiert und so die Voraussetzung für Innovationen in der Gesundheitsversorgung geschaffen. Die Umsetzung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und umgekehrt ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Umgekehrt sollen klinische Beobachtungen als Anregung und Rückkoppelung direkt in die Grundlagenforschung einfließen. Weitere Information im Internet www.cth-mainz.de Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
[Stand: 2024]

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