Visual Universitätsmedizin Mainz

27. April 2016

Mit einem HIV-Protein die überschießende Immunantwort nach Stammzelltransplantation (GvHD) lindern

Team der Universitätsmedizin Mainz im GO-Bio-Wettbewerb erfolgreich
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Die Projektleiter des GO-Bio-Teams der Universitätsmedizin Mainz: HD Dr. Helmut Jonuleit, Dr. Cornelius Sobel, Prof. Dr. Tobias Bopp und PD Dr. Andrea Tüttenberg

Das Projekt „GP120 zur therapeutischen Aktivierung von regulatorischen T-Zellen“ der Universitätsmedizin Mainz gewinnt im Gründungs-Offensive Biotechnologie (GO-Bio)-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Gegenstand des Projekts ist das medizinisch noch ungelöste Problem der immunologischen Unverträglichkeit von Transplantat und Empfänger nach einer Blutstammzelltransplantation. Projektleiterin PD Dr. Andrea Tüttenberg und ihr Team nahmen die Auszeichnung im Rahmen der „Deutschen Biotechnologietage 2016“ heute in Leipzig entgegen.

Für viele Patienten mit bösartiger hämatologischer Tumorerkrankung, wie beispielsweise akute Leukämien oder Lymphome, ist die allogene Stammzelltransplantation die einzige Chance auf Heilung. Dabei werden Patienten nach einer intensiven Chemo- oder Bestrahlungstherapie gesunde Blut- oder Knochenmark-Stammzellen eines anderen, gesunden Menschen - dem Stammzellspender - transplantiert.

Eine gefürchtete Komplikation nach einer Stammzell- bzw. Knochenmarkstransplantation ist die „Graft-versus-Host Disease“(GvHD), zu Deutsch „Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion“, bei der die Immunzellen des Spenders beginnen, das gesunde Gewebe des Patienten zu attackieren. Unter Umständen kann es dadurch zu einer lebensbedrohlichen Abstoßungsreaktion kommen. Mit immunsuppressiven, also das Immunsystem dämpfenden bzw. unterdrückenden Medikamenten versuchen Mediziner, diese gefährliche Entzündung im Patienten zu verringern und so die immunologische Überreaktion zu verhindern. Allerdings steigt dadurch wiederum das Risiko für Infektionen und die gewünschte Reaktion des Spenderimmunsystems gegen Tumoren wird behindert.

Unter der Leitung der Dermatologin PD Dr. med. Andrea Tüttenberg, Arbeitsgruppenleiterin und Expertin für Haut- und Lymphknotensonographie an der Haut- und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, verfolgt das Mainzer GO-Bio-Team mit dem Projekt folgendes Forschungsziel: Die chronische Entzündungsreaktion durch die Spenderlymphozyten im Transplantat verhindern und gleichzeitig das gesunde Anwachsen des gespendeten Immunsystems fördern. Indem ein natürlicher Mechanismus der Immunregulation gezielt beeinflusst wird, soll eine überschießende Immunreaktion vermieden werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Therapien steht nicht eine unspezifische Unterdrückung der Entzündung im Vordergrund des therapeutischen Ansatzes, sondern die ursächliche Behandlung der immunologischen Reaktion mit dem Ziel, die Abstoßungsreaktion im Patienten dauerhaft zu verhindern.
Als zentralen Einflussfaktor haben die Mainzer Biomediziner die regulatorischen T-Zellen des Immunsystems ins Visier genommen. Diese sorgen als „Wächter der Immuntoleranz“ dafür, dass die Körperabwehr nicht aus dem Gleichgewicht kommt.

Das aus der Hülle von Human Immunodeficiency (HI)-Viren stammende, nicht-infektiöse Glykoprotein GP120 ist in der Lage, regulatorische T-Zellen zu aktivieren. Durch diesen Impuls wird ein überhitztes Immunsystem wieder heruntergefahren. Damit kommt GP120 potenziell als Wirkstoff in Frage, der zur Vermeidung einer GvHD, aber auch zur Linderung einer Autoimmunerkrankung verabreicht werden kann.

Im Rahmen von GO-Bio will das Mainzer Team das Protein GP120 als aktivierenden Zusatz im Rahmen einer Zelltherapie entwickeln. Auf dem Weg zu einem solchen „Arzneimittel für neuartige Therapien“ (ATMP) können sich die Forscher auf GP120-Ressourcen aus der Impfstoffentwicklung stützen. Ziel der ersten Phase von GO-Bio ist neben der präklinischen Entwicklung der Zelltherapie auch eine Biomarkeranalyse. Diese soll dabei helfen, Patientengruppen zu identifizieren, die von der zellulären GP120-Immuntherapie am meisten profitieren können. Mit der Gründung eines Biotech-Unternehmens soll die Basis zur effizienten Entwicklung und kommerziellen Anwendung von GP120 als Arznei gegen Transplantat-Abstoßungen und Autoimmunerkrankungen geschaffen werden.

Das GO-Bio-Team des Projektes „GP120 zur therapeutischen Aktivierung von regulatorischen T-Zellen“ der Universitätsmedizin Mainz besteht aus folgenden Wissenschaftlern: Die Immunologin und Dermatologin PD Dr. Andrea Tüttenberg leitet das Projekt. Zu ihrem klinischen Alltag gehört unter anderem die Behandlung von  Patienten mit schweren Entzündungen der Haut und Schleimhäute. Der Immunologe und Erfinder HD Dr. Helmut Jonuleit trägt mit seinen mehr als 15 Jahren Forschungserfahrung zur Entwicklung von Konzepten zur gerichteten Manipulation von natürlichen Suppressorzellen ebenfalls zum Projekt bei. Zudem sind Prof. Dr. Tobias Bopp, Immunologe und Miterfinder mit molekularbiologischem Schwerpunkt, der die molekularen Mechanismen der Immunregulation erforscht sowie der Biochemiker Dr. Cornelius Sobel, der mit seiner unternehmerischen Expertise die Wissenschaftler und Ärzte im Team berät, an diesem Projekt beteiligt. Darüber hinaus ergänzen junge Nachwuchswissenschaftler der Hautklinik und Poliklinik sowie des Instituts für  Immunologie sowie weitere Wissenschaftler aus anderen Disziplinen und Kliniken der Universitätsmedizin, wie beispielsweise die Blutstammzelltransplantation oder das Herstellungslabor für Zelltherapie der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik, das Forschungsprojekt.


Über GO-Bio — Gründungs-Offensive Biotechnologie

Um biotechnologische Innovationen aus der Forschung verstärkt in die Anwendung zu bringen, hat das Bundesforschungsministerium (BMBF) im Jahr 2005 die Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio) ins Leben gerufen. Der BMBF-Wettbewerb GO-Bio gibt jüngeren, in der Forschung bereits erfahrenen Wissenschaftlern die Möglichkeit, in Deutschland mit einer eigenen Arbeitsgruppe innovative Forschungsthemen aus dem Gebiet der Biowissenschaften weiterzuentwickeln und zielgerichtet einer wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen. Im Rahmen der Förderung soll das Anwendungspotenzial der Entwicklung herausgearbeitet, technologisch validiert und die kommerzielle Verwertung prioritär mit dem Ziel der Gründung eines BioTech-Unternehmens vorbereitet werden. Gefördert werden Forschergruppen an Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die als Preisträger aus dem Wettbewerb hervorgehen.

In der diesjährigen, siebten Runde des Go-Bio-Wettbewerbs hatten rund 80 Teams ihre Projektvorschläge eingereicht. Von den knapp 15 für eine Antragsstellung zugelassenen Projekten empfahl das Gutachtergremium dem Zuwendungsgeber fünf Projekte zur Förderung. Sie dürfen sich insgesamt über knapp 17 Millionen Euro Anschubfinanzierung freuen. Weitere Informationen unter www.biooekonomie.de

Weitere Informationen:
PD Dr. med. Andrea Tüttenberg
GP120 - activated Tregs for Tolerance
Project Development Group,
University Medical Center Mainz Johannes Gutenberg-University Mainz
Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz, Germany
E-Mail: antuette@uni-mainz.de

Team Leader: PD Dr. A. Tüttenberg
Operating Officer: Dr. C. Sobel
Research Officer: HD Dr. H. Jonuleit
Molecular Biology Unit: Prof. Dr. T. Bopp


Pressekontakt

Barbara Reinke,
Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131  17-7428, Fax 06131  17-3496,
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

 

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

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