Peniskarzinom
Das Peniskarzinom ist hierzulande der mit am seltensten angetroffene urogenitale Tumor des Mannes. Er tritt bevorzugt in der 6. -7. Lebensdekade auf. Ursächlich für diesen Krebs ist meistens eine ausgeprägte Phimose, das heißt die Unfähigkeit, die Vorhaut hinter die Eichel zurückzuziehen. Die Säuberung der Eichel und Entfernung abgeschilferter und von Bakterien zersetzter Zellen, des sogenannten Smegmas, ist somit erschwert bis unmöglich und stellt eine chronische Reizung dar. Über verschiedene Vorstufen kann sich so ein Peniskarzinom entwickeln.
Frühstadien und auf die Vorhaut begrenzte Peniskarzinome lassen sich meistens noch durch eine einfache Beschneidung erfolgreich behandeln, wohingegen weiter fortgeschrittene Karzinome nur durch eine partielle oder totale Entfernung des Penis geheilt werden können.
Die Klinik für Urologie und Kinderurologie der Universitätsmedizin Mainz ist zertifiziert für die Behandlung des Peniskarzinoms
Welche quantitativen und qualitativen Vorgaben musste das Universitäre Uroonkologische Zentrum für die Zertifizierung erfüllen?
Die Basiszertifizierung bildet das Prostatakarzinom. Die weiteren Organe – Niere, Hoden und Penis – sind sogenannte Module, die an das Hauptzertifikat angebunden sind und gemeinsam das uroonkologische Zentrum bilden. Für jedes Organ gelten spezifische qualitative und quantitative Anforderungen.
Das nun erstmals zertifizierte Peniskarzinom ist eine seltene Erkrankung. Für betroffene Patienten ist es daher besonders wichtig, sich in einem Zentrum behandeln zu lassen, das die von OnkoZert geforderten Qualitätskriterien erfüllt.
Für die Zertifizierung müssen unter anderem zwei zugelassene Tumoroperateure nachgewiesen werden. Um als Tumoroperateur für das Peniskarzinom anerkannt zu werden, muss jeder Operateur innerhalb von drei Jahren mindestens sechs Resektionen und vier Lymphadenektomien bei den Diagnosen C60 oder D07.4 durchgeführt haben. Darüber hinaus ist für die Zertifizierung der Nachweis von mindestens acht Primärfällen pro Jahr erforderlich.
Welche Expert:innen aus welchen Fachdisziplinen arbeiten bei der Behandlung des Peniskarzinoms zusammen?
Die operative Versorgung erfolgt in erster Linie durch unsere Oberärztin PD Dr. Anita Thomas, die zugleich die Leitung der Forschungsgruppe Peniskarzinom innehat. Weitere erfahrene Operateurinnen sind Dr. Natalie Ries und Frau Hild aus der Klinik für Urologie und Kinderurologie.
Alle Patient:innen werden interdisziplinär im Tumorboard besprochen. Dabei arbeiten wir eng mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Radiologie, Strahlentherapie, Nuklearmedizin und Onkologie zusammen.
Darüber hinaus zeichnet sich unser Zentrum durch eine hohe wissenschaftliche Expertise und intensive Forschungsaktivität aus, wodurch aktuelle Erkenntnisse unmittelbar in die Patientenversorgung einfließen.
Welche Vorteile haben Patienten konkret durch die Zertifizierung?
Die Zertifizierung stellt sicher, dass alle Patienten leitliniengerecht und nach höchsten Qualitätsstandards behandelt werden. Ziel der Therapie ist nicht nur die vollständige Tumorfreiheit, sondern – wann immer möglich – auch der Erhalt des Organs.
Die Einhaltung dieser Standards sowie die hohe Erfahrung des Behandlungsteams tragen maßgeblich zu einer optimalen Versorgung der Patienten bei.