Neue Publikation des IfL: Trotz beruflichem Hepatitis-A- und B Infektionsrisiko bestehen Immunitätslücken bei Bediensteten an Förderschulen

Das Institut hat Daten zur Immunität von Mitarbeitenden an Förderschulen mit den Schwerpunkten ganzheitliche und motorische Entwicklung in Rheinland-Pfalz in der internationalen Fachzeitschrift Frontiers in Public Health - Section Occupational Health and Safety publiziert. Die Ergebnisse zeigen, dass trotz der Wahrnehmung eines hohen beruflichen Risikos Lücken beim Schutz vor Hepatitis A und B (HAV / HBV) bestehen.

Fokus der Studie: Gesundheitsrisiken in Förderschulen
Mitarbeitende an Förderschulen tragen durch den unvermeidlich engen Kontakt zu pflegebedürftigen Schülerinnen und Schülern im Rahmen der sog. Förderpflege ein erhöhtes HAV/HBV-Infektionsrisiko. Zum Schutz dieser Beschäftigten und zur präventiven Risikominimierung wird die gesetzlich vorgeschriebene arbeitsmedizinische Vorsorge nach der Biostoffverordnung (ArbMedVV) seitens des IfL durchgeführt.

Wichtige Ergebnisse auf einen Blick
Es wurden Daten von 1.742 Mitarbeitenden in Rheinland-Pfalz (Erhebungszeitraum 2021–2023), welche im Rahmen der ArbMedVV Biostoffverordnung teilgenommen haben, ausgewertet.

  • Hohes wahrgenommenes Risiko, Lücken bei der Immunität: Rund 79% der Teilnehmenden schätzten ihr berufsbedingtes Infektionsrisiko als erhöht ein. Gleichzeitig wurde nur bei 54% der Mitarbeitenden eine Immunität gegen HAV und bei 59% gegen HBV anhand der Impfbucheinträge oder der Serologie bestätigt.
  • Impfakzeptanz: Von 1.010 Mitarbeitenden, die eine Impfempfehlung erhielten, nahmen nur 58% die Impfung im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge an.
  • Altersfaktor: Jüngere Mitarbeitende waren signifikant bereiter, die Impfempfehlung anzunehmen als ältere Mitarbeitende.

Implikationen und Ausblick

Die Ergebnisse verdeutlichen eine Diskrepanz zwischen dem subjektiv wahrgenommenen Risiko und der tatsächlichen Impfquote. Die geringe Akzeptanz trotz Beratung deutet auf mögliche Barrieren wie z.B. Impfskepsis hin.

Die Autoren betonen die Notwendigkeit systematischer arbeitsmedizinischer Untersuchungen, da die selbstberichtete Immunität oft von den medizinisch bestätigten Ergebnissen abweicht. Die arbeitsmedizinische Versorgung bietet demnach eine Schlüsselrolle für gezielte Impf- und Aufklärungsmaßnahmen, insbesondere bei älteren Mitarbeitenden.

Die vollständige Veröffentlichung ist in Frontiers in Public Health verfügbar: 
https://doi.org/10.3389/fpubh.2025.1657353