In Memoriam – Stadtobermedizinalrat Dr. Hugo Müller (18.07.1868-8.01.1943)

Am 15.11.1946 wurde Prof. Dr. med. Egon Keining zum ersten Direktor der neu gegründeten Hautklinik der Medizinischen Fakultät der Universität Mainz ernannt. Vom 25.02.1950 bis zu seiner Emeritierung am 31.03.1961 war er zudem ordentlicher Professor an der Hautklinik der Universität Mainz. Prof. Braun-Falco, ehemals Oberarzt in Mainz und später Direktor der Hautkliniken in Marburg und München, bescheinigte Prof. Keining eine „großartige Rednergabe und die außerordentliche akademische Lehrbefähigung, mit der er bei seinen Studenten und Ärzten stets einen großen Eindruck machte“ und „das permanent gute Beispiel konsequenter Pflichterfüllung als Arzt und Hochschullehrer, welches vielen von uns Bewunderung abzwang und zur Nachahmung anregte.“

Egon Keining wurde am 23.11.1892 in Soest als Sohn eines Arztes geboren. Eine langwierige Unfallverletzung bewahrte ihn vor Militärdienst und Kriegseinsatz im ersten Weltkrieg. Keining studierte in Bonn und Marburg Humanmedizin. Der Approbation als Arzt im August 1921 folgte unmittelbar die Promotion. Titel seiner Dissertation war: „Über den serologischen Luesnachweis durch Ausflockung nach der Methode von Sachs und Georgi“. Er arbeitete zunächst knapp drei Jahre als Assistent bei Prof. Ruete an der Hautklinik Marburg. Im März 1924 wechselte er als Volontär an die Hautklinik der Charité in Berlin und wurde später Assistent bei Prof. Arndt, um im März 1927 schließlich an die Hautklinik der Universität Hamburg zu gehen. Dort habilitierte er sich im Januar 1929 zum Thema „Myxoedema circumscriptum basedowianum“. Im Oktober 1930 wurde er zum Oberarzt in Hamburg ernannt und im März 1933 nicht beamteter außerordentlicher Professor der Universität Hamburg.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass Prof. Keining 1933 in die NSDAP eintrat und einer der etwa 900 Unterzeichner des „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“ war. Im Januar 1940 übernahm er die Lehrstuhlvertretung für Haut- und Geschlechtskrankheiten und die Position des leitenden Arztes an der Universität Rostock. Von Februar 1941 bis Oktober 1944 arbeitete Keining wieder als Oberarzt an der Hautklinik in Hamburg Eppendorf. Die Leitung der dermatologischen Abteilung am „Forschungsinstitut für Ostkrankheiten“ in Krakau lehnte er ebenso wie das Ordinariat und die Leitung der Hautklinik an der Universität Krakau ab. Er übernahm im Herbst 1944 die Lehrstuhlvertretung und das Direktorat an der Hautklinik der Universität Greifswald für den gefallenen Wilhelm Richter. Dort wurde er im November 1944 zum ordentlichen Professor berufen.

Nach Kriegsende folgte im November 1946 schließlich der Ruf nach Mainz. Hier baute Prof. Keining die Abteilung für Hautkrankheiten des städtischen Klinikums erfolgreich zu einer Universitäts- Hautklinik um. Als langjähriger ärztlicher Direktor der Universitätskliniken erwarb er sich zahlreiche bleibende Verdienste um den Ausbau der universitären Medizin in Mainz. Zudem war er Landes- Lupus-Beauftragter und Landes-Venerologe. Als hervorragender klinischer Dermatologe wies Keining immer wieder auf die Bedeutung der Morphologie für jede praktisch-klinische und wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Dermatologie hin. Dies findet Ausdruck in seiner Beschreibung des „Nagelphänomens der Dermatomyositis“, das heute als „Keining-Zeichen“ den Dermatologen bekannt ist. Keining, beschrieb dieses Phänomen im Februar 1939 auf einer dermatologischen Tagung erstmalig: „Auch diese Pat. gibt an, daß sie die Nagelhaut wegen der mit dieser Prozedur verbundenen großen Schmerzhaftigkeit nicht mehr zurückschieben kann. … [Die] Schmerzhaftigkeit habe ich erwähnt, weil sie … als Dermatomyositissymptom zu bewerten ist; …“.

Weitere klinische Arbeiten Keinings behandeln die Lymphadenosis cutis circumscripta, leukämische Erkrankungen der Haut, den Zoster generalisatus, Skleröderm und Skleromyxödem, die Granulomatosis disciformis chronica progressiva, das Graham-Little-Syndrom, Sommerulzerationen und die Acrodermatitis continua Hallopeau. Ab 1924 war Keining Schriftleiter des Referatenteils der „Dermatologischen Wochenschrift“ und ab 1951 auch des Orginalienteils. Im Jahr 1960 erschien im Lehmanns Verlag (München) die erste Auflage des Lehrbuchs „Dermatologie und Venerologie“ von Prof. Keining und Prof. Braun-Falco. Dieses wurde ab der dritten Auflage 1983 von Prof. Braun-Falco mit den Professoren Plewig und Wolff im Springer Verlag herausgegeben und ist heute ein Standard- Werk der Dermatologie.

Prof. Egon Keining starb am 6.04.1971 in Wiesbaden.

(F. Butsch)

Literatur:

  • O. Braun-Falco. Egon Keining - Zum 65. Geburtstag. Dermatologische Wochenschrift (1957) Heft46 1226-1228
  • O. Braun-Falco. Egon Keining zum 70. Geburtstag. Der Hautarzt (1962) 13: 477-479
  • O. Braun-Falco. In Memoriam - Egon Keining 1892-1971. Der Hautarzt. (1971) 22: 469-470
  • O. Braun-Falco, G. Plewig, H. Wolff. Dermatologie und Venerologie. (1983) Vorwort zur dritten Auflage. Springer Verlag (Berlin, Heidelberg, New York, Tokyo)
  • Egon Keining, in: Verzeichnis der Professorinnen und Professoren der Universität Mainz. URI:http://gutenberg-biographics.ub.uni-mainz.de/id/ee81e4ba-3fe0-4f03-9c59-5d02fec2fcf9. (Zugriff am 05.09.2018)
  • Hamburger Professorinnen- und Professorenkatalog. (www.hpk.unihamburg.de/resolve/id/cph_person_00000319; Stand 5.09.2018)
  • G. Mann. Medizin in Mainz: Praxis u. Wiss., Entwicklung u. Erinnerungen ; 40 Jahre Med. Fak. u. Klinikum 1946 - 1986. (1986) (Mainz, Kirchheim)
  • M. Buddrus, S. Fritzlar. Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich (2007) SaurVerlag (München)
  • Tabea Kapp. Die Entwicklung der Universitäts-Hautklinik Greifswald in der Zeit desNationalsozialismus unter besonderer Berücksichtigung von Patientenakten mit den DiagnosenSyphilis und Gonorrhoe. (2011) Inauguraldissertation zur Erlangung des akademischen GradesDoktor der Medizin an der Universität Greifswald.
  • Keining E. Fallvorweisung Nr. 4 - Vormittagssitzung am 26.02.1939 der 7. Tagung derDermatologischen Vereinigung Groß-Hamburg. Dermatologische Wochenschrift 1939; 40: 1199.