Visual Universitätsmedizin Mainz

Dysgnathie-Chirurgie

Der Fehlbiss, eine sogenannte Dysgnathie, kann durch eine Fehlstellung der Zähne, oder aber durch eine Fehlstellung des Ober- / Unterkieferknochens verursacht sein. Die Patienten klagen bei solchen Fehlstellungen oft über Schwierigkeiten beim Kauen und Abbeißen. Zusätzlich leiden manche Patienten auch an Kiefer- oder Kopfschmerzen. Ob eine Kieferfehlstellung Ursache der Beschwerden ist, kann erst nach ausführlicher Diagnostik festgelegt werden.

Neben der klinischen Untersuchung, bei der neben der Stellung der Zähne auch Verspannungen der Kaumuskulatur untersucht werden, ist die Röntgendiagnostik unerlässlich. Weitergehende Diagnostik bei speziellen Fragestellungen schließt die Gelenkdiagnostik ein (DVT-Röntgen, Schienentherapie).

Die Stellung der Kiefer und Zähne zueinander wird in sogenannte Angle-Klassen eingeteilt. Dabei steht die Klasse I für die Eugnathe-Situation bezeichnete Normalform des Bisses, welche üblicherweise keiner chirurgischen Therapie bedarf und Fehlstellungen mit rein kieferorthopädischen Maßnahmen behoben werden können.

 

Eine Klasse II-Situation beschreibt den Zustand bei dem der Unterkiefer gegenüber dem Oberkiefer relativ zurücksteht. Man unterscheidet hier noch zwei weitere Unterkategorien. Typischerweise klagen Patienten, die einen solchen Fehlbiss haben über Kiefergelenksbeschwerden und zeigen im Laufe des Lebens eine zunemende arthrotische Veränderung der Kiefergelenke. 

 

Bei der Klasse III handelt es sich um das Vorstehen des Unterkiefers. Auch bei dieser Klasse handelt es sich um eine relative Lagebeziehung, bei der nicht immer ein Vorstehen des Unterkiefers verantwortlich ist, sondern auch eine Unterentwicklung des Oberkiefers ursächlich sein kann.

Grundsätzlich werden zwei Behandlungsabläufe unterschieden:

  • Surgery first: Bei dieser Behandlungsform liegen bereits bei Therapiebeginn harmonische Zahnbögen im Ober- und Unterkiefer vor, sodass auf eine kieferorthopädische Vorbehandlung verzichtet wird und die Umstellungsoperation der Kiefer den Behandlungsbeginn darstellt, welcher sich die kieferorthopädische Nachbehandlung anschließt. Diese Behandlungsform ist deutlich seltener.
  • Klassische Umstellungstherapie: Hier wird zunächst eine kieferorthopädische Therapie durchgeführt, welche zum Ziel hat ideal ausgeformte Zahnbögen im Ober- und Unterkiefer zu erschaffen. Durch diese Vorbehandlung besteht die Möglichkeit bei der anschließenden Umstellungsoperation eine möglichst gute Verzahnung zu erreichen, welche in der anschließenden Nachbehandlung lediglich der Feinjustierung bedarf.

Als Patient stellen Sie sich vor Behandlungsbeginn in unserer Klinik vor. In unserer Dysgnathie-Sprechstunde empfangen wir Sie und erarbeiten gemeinsamt die vorliegende Problematik (welche meist auch bereits durch den/die behandelnde/n Kieferorthpäden/in erörter wurde). Wir zeigen Ihnen die operative Möglichkeiten auf und klären Sie bereits ein erste Mal im Detail über die operativen Schritte auf. Hierüber erstellen wir Ihnen anschließend ein Schreiben, welches bei der Krankenkasse zur Genehmigung der Therapie eingereicht werden muss.

 

Wir sind bei den operativen Maßnahmen stets darauf bedacht unser Angebot aktuellen Standards anzupassen und darüberhinaus neue Standards zu setzen durch zahlreiche nationale und internationale Fortbildungen sowie Workshops. Klassischerweise erfolgen dabei natürlich alle Operationen nur durch den Mund und werden vorab durch intensive dreidimensionale Planung und Simulation der Kieferstellungen bis ins Detail geplant. Durch die schonende Ultraschall-Piezo-Osteotomie erreichen wir eine möglichst exakte Knochendurchtrennung ohne Verletzung von weichgeweblichen Strukturen wie Nerven oder Gefäße.

Mittels der Einführung der dreidimensionalen Planung der Umstellungsoperationen gehört unsere Klinik deutschlandweit zu einer der ersten Kliniken, die sich von der traditionellen Operationsplanung abwendet. Durch die Simulation der Kieferbewegungen im Raum ist es uns möglich bereits vorab mögliche Hindernisse oder drohende Fehlbelastungen für die Kiefer und insbesondere die Kiefergelenke zu erkennen und entsprechend die Verlagerungsstrecken der Kiefer anzupassen.

 

Dabei wird bei uns nicht nur die Planung der Operation am Computer vorgenommen, auch die Kunststoffschienen (sog. Splinte), welche uns in der OP die Position der Kiefer vorgeben, werden im Haus im 3D-Drucker erstellt, sodass auch kurzfristige Planungen ermöglicht werden. 

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Klinik. Seit Jahrzehnten arbeiten wir in enger Kooperation sowie regelmäßigem Austausch mit zahlreichen Kieferorhtopädinnen und Kieferorthopäden der Region Mainz/Rheinhessen/Rhein-Main zusammen.

 

Unsere Sprechstunde für Dysgnathie-Patienten findet wöchentlich am Donnerstag von 14:00-17:00 Uhr statt. Jeder Patient wird dabei von einem Fach-/Oberarzt unserer Abteilung gesehen und über den zeitlichen Therapieablauf sowie die Einzelheiten der Umstellungsoperation aufgeklärt. Sollten Sie Röntgenbilder oder bereits Modelle erstellt haben, freuen wir uns, wenn Sie diese zusätzlich zu einem kurzen Schrieben bei der initialen Vorstellung dem Patienten mitgeben. 

 

Grundsätzlich stimmen wir uns bei der Planung der Umstellungsoperationen gerne mit Ihnen ab und freuen uns, wenn Sie Vorschläge zur Optimierung der Okklusion einbringen, sodass die postoperative kieferorthopädische Retention für den Patienten möglichst unproblematisch erfolgen kann. Damit wir einen reibungslosen Ablauf garantieren können, werden jedem Patienten von dem Zeitpunkt seiner präoperativen Vorstellung zur Planung der Operation Ansprechpartner (üblichweise ein Team aus einem Fach-/Oberarzt und einem  Assistenzarzt) zugeteilt, welche auch Sie jederzeit über den Stand der Therapie informieren können.

 

Um zudem die Aspekte der Kieferorthopädie und der Kieferchirurgie besser verstehen und aufeinander abstimmen zu können, ist eine interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltung im Sinne eines Roundtables Dysgnathie geplant. Termine können Sie gerne unter regelmäßige Veranstaltungen einsehen. Gerne können Sie sich auch beim Ansprechpartner für die Dysgnathie-Chirurgie (siehe unten) in den eMail-Verteiler eintragen lassen um keine zukünftigen Termine zu verpassen.

Ansprechpartner

Priv.-Doz. Dr. med. Dr. med. dent. Heider
Priv.-Doz. Dr. med. Dr. med. dent. Julia Heider
Funktionen: Fachärztin
Periimplantitissprechstunde
Hygienebeauftragte
Sektionsleitung Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und Dysgnathie
Qualifikationen: Ärztin, Zahnärztin
Fachärztin für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
Fachzahnärztin für zahnärztliche Chirurgie
Oberärztin

06131 17-5458
06131 17-8468
julia.heider@unimedizin-mainz.de
Weitere Informationen

Dr. med. Dr. med. dent. Rahimi-Nedjat
Dr. med. Dr. med. dent. Roman Rahimi-Nedjat
Funktionen: Funktionsoberarzt
Plastisch-Ästhetische Chirurgie
Dermatoonkologie
Qualifikationen: Arzt, Zahnarzt
Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

06131 17-3761
06131 17-8468
roman.rahimi-nedjat@unimedizin-mainz.de
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