Schön, dass du hier bist.
Wir freuen uns, dass Du dich für unsere Schwerpunktambulanz für Essstörungen interessierst.
Die Jugendzeit ist eine Phase voller Veränderungen – in deinem Körper, deinen Gefühlen, deinem Umfeld. In einer Welt von dauerndem Vergleich auf Social Media, hohen Erwartungen und dem Druck, perfekt, schlank oder durchtrainiert sein zu müssen, kann das ganz schön überfordern:
Fühlst du dich oft unter Druck?
Ist dein Essverhalten irgendwie komisch geworden?
Hast du manchmal das Gefühl, die Kontrolle beim Essen zu verlieren?
Schämst du dich für dein Essverhalten oder deinen Körper?
Weißt du einfach nicht mehr, was noch „normal“ ist?
Das passiert auch anderen Jugendlichen – du bist nicht alleine. Und es bedeutet nicht, dass mit dir „etwas nicht stimmt“. Es zeigt nur, dass du gerade viel aushalten musst.
In unserer Schwerpunktambulanz kennen wir uns mit allen Arten von Essstörungen aus. Ob du zu wenig isst, zu viel isst, Sport als Zwang erlebst oder andere belastende Gedanken und Verhaltensweisen rund ums Essen hast. Einen besonderen Schwerpunkt legen wir dabei auf die sogenannten Binge-Spektrum-Essstörungen. Das sind Essstörungen, die sich durch "Essanfälle" zeigen – Situationen, in denen du plötzlich ganz anders als sonst und/oder sehr viel isst und dich dabei hilflos fühlst. Und möglicherweise das Gefühl hast, keine Kontrolle mehr über dein Essverhalten zu haben.
Wenn du merkst, dass Gedanken rund ums Essen, Gewicht, oder deinen Körper deinen Alltag bestimmen oder dich belasten: Unsere Schwerpunktambulanz für Jugendliche und junge Menschen mit Essstörungen bietet dir einen geschützten Raum, in dem du ernst genommen wirst – mit allem, was dich bewegt. Hier triffst du auf Fachpersonen, die zuhören, verstehen und dich professionell unterstützen, ohne zu werten.
FAQ
1. Was sind Binge-Spektrum-Essstörungen?
2. Was ist eine Magersucht?
3. Wie kann mir geholfen werden?
4. Was passiert in unserer Schwerpunktambulanz?
5. Wie kann ich einen Termin vereinbaren?
6. Müssen meine Eltern zustimmen?
7. Was kostet das?
8. Was muss ich beim ersten Termin mitbringen?
9. Was du noch wissen solltest
1. Was sind Binge-Spektrum-Essstörungen?
Vielleicht hast du schon mal von „Binge-Eating“ gehört. Binge Eating meint, dass jemand in kurzer Zeit große Mengen oder anders als gewöhnlich isst, und dabei das Gefühl hat, keine Kontrolle mehr über das Essen zu haben. Manche Menschen nennen das „Essanfall“. Unter Binge-Spektrum-Essstörungen sind verschiedene Essprobleme gemeint, bei denen wiederholt Essanfälle auftreten. Oft sind Essanfälle mit starken Gefühlen wie Scham, Schuld oder innerer Leere verbunden. Manche Menschen haben ab und zu solche Essanfälle, andere häufiger. Im Anschluss an einen Essanfall kann eine große Angst vor einer Gewichtszunahme bestehen und man kann sich sehr unwohl oder sogar fremd im eigenen Körper fühlen.
Warum passiert das? Meist ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Mögliche Gründe können sein:
- Diäten, z.B. indem man Mahlzeiten auslässt, sich bestimmte Nahrungsmittel verbietet zu essen oder eine bestimmte Kaloriengrenze einhält. Wer sich beim Essen stark einschränkt, spürt oft mehr Hunger und hat noch mehr Lust auf Essen.
- Stress
- Konflikte mit Freund:innen, Klassenkamerad:innen oder Eltern
- Negative Gefühle wie Angst, Einsamkeit, Traurigkeit und Wut
- Langeweile oder innere Leere
- Selbstzweifel und Selbstvorwürfe
- Scham, Ekel oder Hass für den eigenen Körper
- Genetische Faktoren oder eine familiäre Vorgeschichte
Treten Essanfälle auf, leidet man stark unter den Essanfällen und spürt man deutliche Auswirkungen in seinem Alltag, könnte eine Binge-Eating-Störung vorliegen.
Kommen Gegenmaßnahmen hinzu, also indem das Essen wieder erbrochen, direkt Sport getrieben oder Entwässerungsmittel (Diuretika) oder Abführmittel (Laxanzien) eingenommen werden, könnte eine Bulimia nervosa vorliegen. Man ist dabei nicht untergewichtig wie bei einer Magersucht (Anorexia nervosa).
2. Was ist eine Magersucht?
Eine Magersucht (Anorexia nervosa) zeigt sich dadurch, dass jemand deutlich weniger isst, als der Körper eigentlich braucht, und dadurch stark an Gewicht verliert oder untergewichtig wird. Oft haben Betroffene große Angst davor, zuzunehmen, auch wenn sie bereits untergewichtig sind. Manchmal siehst du dich selbst als zu dick, obwohl andere dir sagen, dass du dünn bist.
Bei einer Magersucht dreht sich oft viel ums Essen, Kalorien und dein Gewicht. Vielleicht zählst du Kalorien, vermeidest bestimmte Lebensmittel komplett oder entwickelst strenge Regeln fürs Essen. Manchmal kommt auch getriebenes Bewegungsverhalten dazu, z.B. Sport zu treiben nicht, weil es Spaß macht, sondern aus dem Druck heraus, unbedingt Kalorien verbrennen zu müssen. Die Gedanken an Essen und Gewicht können so viel Raum einnehmen, dass andere wichtige Dinge wie Freundschaften, Schule oder Hobbys in den Hintergrund geraten.
Warum passiert das? Meist ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Mögliche Gründe können sein:
- Perfektionismus und hohe Ansprüche an sich selbst
- Stress in der Schule, Familie oder im Freundeskreis
- Unsicherheit mit dem eigenen Körper
- Das Erleben, keine Kontrolle über Ereignisse und/oder den Körper zu haben
- Vorbilder in sozialen Medien oder der Gesellschaft, die ein unrealistisches Körperbild vermitteln
- Belastende Lebensereignisse
- Genetische Faktoren oder eine familiäre Vorgeschichte
3. Wie kann mir geholfen werden?
Wenn du merkst, dass du oder jemand in deinem Umfeld Probleme mit dem Essen hat, sprich mit jemandem, dem du vertraust, oder hole dir Hilfe. Du bist nicht allein, und es gibt Fachpersonen, die sich gut mit Essstörungen auskennen und dich auf deinem Weg professionell unterstützen.
Es gibt verschiedene Wege wie eine Essstörung behandelt wird:
- Forschungsstudie: Wenn du möchtest, kannst bei einer unserer Psychotherapie-Studien mitmachen und neue Behandlungsmethoden für dich kennenlernen.
- Psychotherapeutische Gespräche: In Gesprächen mit Therapeut:innen kannst du lernen, einen guten Umgang mit deinen Gefühlen zu finden und ungesunde Ess- und Bewegungsgewohnheiten Schritt für Schritt zu verbessern. Manchmal ist auch eine stationäre Behandlung in unseren Kliniken nötig.
- Unterstützung im Alltag: Familie, Freund:innen und weitere Unterstützungssysteme spielen eine wichtige Rolle und können dich auf dem Weg zur Besserung begleiten. Wir können mit dir überlegen wer dir im Alltag helfen kann und wie am besten.
- Medikamente: In manchen Fällen können auch Medikamente helfen.
Du musst deinen Weg nicht allein gehen. Es ist okay, Hilfe anzunehmen. Und es ist verdammt stark, den ersten Schritt zu machen.
4. Was passiert in unserer Schwerpunktambulanz?
Wenn du zu uns in die Schwerpunktambulanz für Essstörung kommst, läuft der erste Termin – auch Erstgespräch genannt – so ab:
✅ Gespräch: Eine Fachperson fragt nach deinen Essgewohnheiten, Gefühlen und möglichen Problemen. Das nennt sich Diagnostik: Wir versuchen gemeinsam herauszufinden, was bei dir gerade los ist.
✅ Fragebögen über Tablet: Fragebögen helfen dabei, besser zu verstehen, ob eine Essstörung bei dir vorliegt, und ob weitere Probleme eine Rolle spielen.
✅ Körperliche Untersuchung: Manchmal wird geschaut, ob es Folgen für deinen Körper gibt und dieser z.B. durch Untergewicht oder Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust stark belastet ist. In jedem Fall werden wir dein Körpergewicht erfassen und deine Köpergröße messen.
Anschließend vereinbaren wir zwei bis drei weitere Termine mit dir, um die Diagnostik gemeinsam fortzusetzen. Bei einem weiteren Termin - dem sogenannten Rückmeldegespräch – erhältst du dann eine diagnostische Einschätzung und verschiedene Empfehlungen, die dir helfen können.
Wir sind eine psychiatrische Schwerpunktambulanz, weswegen wir keine ambulante Psychotherapie anbieten können.
5. Wie kann ich einen Termin vereinbaren?
Wenn du dich angesprochen fühlst und im Alter von 13 bis 25 Jahren bist, kannst du dich an unserer Schwerpunktambulanz wenden.
So läuft es ab, wenn du einen Termin bei uns möchtest:
- Anmeldeunterlagen herunterladen und ausfüllen.
Schick sie uns dann per Post oder E-Mail an: ambulanz-kjp@unimedizin-mainz.de - Wir melden uns bei dir.
Sobald deine Unterlagen bei uns angekommen sind, nehmen wir Kontakt mit dir auf, um einen Termin für ein erstes Gespräch zu vereinbaren.
6. Müssen meine Eltern zustimmen?
Wenn du unter 18 Jahre alt bist, brauchen wir für eine Aufnahme in unsere Schwerpunktambulanz das schriftliche Einverständnis deiner gesetztlichen Vertretern, in der Regel beider Elternteile. Das hat rechtliche Gründe: Eltern tragen die Verantwortung für dich und müssen bestimmten Behandlungen zustimmen – so wie bei einem allgemeinen Arztbesuch oder einer Operation.
Was du uns erzählst, bleibt grundsätzlich vertraulich. Wir unterliegen als Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen der Schweigepflicht – auch gegenüber deinen Eltern. Nur in Notfällen oder bei Gefahr muss etwas weitergegeben werden. Wenn du möchtest, unterstützen wir dich dabei, das Gespräch mit deinen Eltern zu führen. Gemeinsam können wir überlegen, wie du erklären kannst, warum du Hilfe suchst.
7. Was kostet das?
Deine Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten.
8. Was muss ich beim ersten Termin mitbringen?
Neben deiner Krankenversicherungskarte benötigen wir einen Überweisungsschein: Das ist ein kleines rosa Formular, auf dem steht, dass du zur Behandlung in unsere Schwerpunktambulanz geschickt wirst, welche Ärzt:in dich überweist (z. B. deine Kinderärzt:in, Hausärzt:in oder Fachärzt:in), deine Versichertennummer und Krankenkasse und warum du Hilfe brauchst (eine kurze Diagnose oder ein Grund, wie z. B. „Essprobleme“, „Schlafprobleme“, „psychosomatische Beschwerden“).
So bekommst du den Überweisungsschein:
- Melde dich bei deinem Kinderärzt:in oder Hausärzt:in an und sage, dass du eine Überweisung zur Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsmedizin Mainz brauchst. Wenn du schon weißt, was los ist (z. B. „Ich kann mit dem Essen manchmal nicht aufhören.“ oder „Ich mache mir viele Sorgen um mein Körpergewicht.“), kannst du das kurz sagen.
- Bringe den Überweisungsschein für das aktuelle Quartal zum ersten Termin mit.
Checkliste für den ersten Termin?
Du brauchst mitzubringen
✅ Deine Krankenversichertenkarte
✅ Überweisungsschein
9. Was du noch wissen solltest
Der wichtigste Schritt ist, sich Hilfe zu holen. Du musst das nicht alleine schaffen. Niemand muss diese Herausforderung allein bewältigen, und du darfst dir professionelle Begleitung auf deinem Weg holen.
Was du uns in der Schwerpunktambulanz erzählst, bleibt grundsätzlich vertraulich. Wir unterliegen als Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen der Schweigepflicht – auch gegenüber deinen Eltern. Nur in Notfällen oder bei Gefahr muss etwas weitergegeben werden.
Wir halten uns zudem in der Zusammenarbeit mit dir an diese wichtigen Punkte:
♥️ Wir helfen dir nur, wenn du Hilfe möchtest – das ist deine Entscheidung. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn du dich selbst oder andere in Gefahr bringst.
♥️ Niemand wird dich verurteilen – egal, was du erzählst.
♥️ Du bestimmst das Tempo.
♥️ Wir begleiten dich wertschätzend, professionell und auf Augenhöhe.