Kongress für Kinder- und Jugendmedizin (6.-9. Oktober 2021, Berlin)

Im Rahmen des diesjährigen Kongresses für Kinder- und Jugendmedizin, der erstmals seit 2019 wieder in wieder in Präsenz in Berlin stattfinden konnte, konnten wir Ergebnisse zweier wissenschaftlicher Arbeiten vorstellen, die im Rahmen der TIC-PEA-Studie erstellt wurden.

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Perzentile für Körperlänge und -gewicht von Kindern mit Ösophagusatresie in Deutschland: eine Analyse von Registerdaten

Tatjana Tamara  König, Maria-Christina Stefanescu,  Melanie Wildermuth, Oliver J. Muensterer, Emilio Gianicolo

The way it works with TIC-PEA – Erfolge und Hindernisse einer Studie zur standortübergreifenden Fallberatung bei der Behandlung von Patienten mit Ösophagusatresie

Maria-Christina Stefanescu, Tatjana Tamara König, Luisa Maria Frankenbach, Oliver J. Muensterer

 

Zielsetzung: Die kinderchirurgische Telemedizin hat in Deutschland auch durch die  COVID-19-Pandemie [1, 2] stark an Bedeutung gewonnen. Wie Lakshin et al. im Rahmen eines nationalen Surveys zeigen konnten, nutzten bis Oktober 2020 lediglich 19 von 65 teilnehmenden Kliniken Telemedizin, 85 % hatten das Angebot im Zusammenhang mit der Pandemie eingeführt. Telemedizin wird dabei an Universitätskliniken signifikant häufiger eingesetzt [1] und beschränkt sich zumeist auf Telefon- und Videosprechstunden. Darüber hinaus bietet die Telemedizin eine ideale Plattform für kollegiale Fallberatungen. Neben der reinen verbalen Diskussion können per Videokonferenz etwa Bildgebung und  OP-Videos gemeinsam bewertet werden, was gerade für die Behandlung seltener Erkrankungen vorteilhaft sein könnte. TIC-PEA (Telemedical Interdisciplinary Care for Patients with Esophageal Atresia) soll neben dem medizinischen Nutzen einer kollegialen Fallberatung bei der Versorgung von Patienten mit Ösophagusatresie, deren Behandlung in Deutschland dezentral erfolgt [3], die eventuellen Vorteile, organisatorische Machbarkeit sowie finanziellen Aspekte einer umfassenden Versorgung überprüfen. Trotz bereits am Standort im-plementierter telemedizinscher Infrastruktur [4] und ausführlicher Vorplanung ergaben sich in der Praxis zahlreiche Hürden.

Material und Methoden: Seit April 2019 können Patienten mit Ösophagusatresie, die das 1. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, in die Studie eingeschlossen werden. Es erfolgt eine kollegiale Fallberatung zwischen Behandler und Experten auf einer web-basierten Videokonferenz-Platt-form. Die Zahl der Meetings richtet sich dabei nach dem Bedarf des Behandlers. Primärer Endpunkt der Studie ist die Anzahl der Dilatationen des eingeschlossenen Patienten bis zum 1. Geburtstag.

Ergebnisse: Bis Oktober 2021 konnten 21 Patienten in die Studie eingeschlossen werden, davon einer nach Kontaktaufnahme der Eltern über die Website, sieben Patienten von 4 ärztliche Kollegen, die das Kontaktformular genutzt hatten und 13 Patienten über persönliche Kontakte/ persönliche Ansprache. Eine direkte persönliche Ansprache war für die Rekrutierung effektiver als allgemeine Werbung über verschiedene Kanäle. Vorbehalte gegen eine Teilnahme werden insbesondere dahingehend geäußert, dass die Experten die Patienten abwerben könnten (Angst vor Zentralisierung durch die Hintertür). Im Vorfeld wurden mehrere Systemen, die von den Kassenärztlichen Vereinigungen für die Videosprechstunde zertifiziert sind, evaluiert. Eine Installation zusätzlicher Software sollte vermieden werden. Die Nutzung des vom Datenschutz freigegebenen Systems ist bisweilen schwierig, da sich die Firewalls der Kliniken sich teils erheblich unterscheiden etwa die Website blockieren, kein Teilen des Monitors erlauben, Video- oder Tonübertragungen unterbinden. Die bereits erfolgten Konferenzen bewerteten Behandlern wie Experten als sehr gewinnbringend. 

Zusammenfassung: Die Durchführung einer Studie zu Online-Fallkonferenzen am Beispiel der Ösophagusatresie ist möglich, aber mit hohem planerischen und zeitlichen Aufwand verbunden, gerade bei der Rekrutierung von Teilnehmern. Während Videosprechstunden mit Eltern meist reibungslos gelingen, stellen datenschutzkonforme Konferenzen auf sicheren Plattformen zwischen Ärzten an unterschiedlichen Standorten eine Herausforderung dar.

 

Literatur

1. Lakshin G, Banek S, Keese D, Rolle U, Schmedding A (2021) Telemedicine in the pediatric surgery in Germany during the -COVID-19 pandemic. Pediatr Surg Int 37(3):389–395

2. Peine A, Paffenholz P, Martin L, Dohmen S, Marx G (2020) Loosen -SH. Telemedi-cine in Germany During the -COVID-19 Pandemic: Multi-Professional National Survey. J Med Internet Res 22(8):e19745

3. Schmedding A, Rolle U (2017) Decentralized Rather than Centralized Pediatric Surgery Care in Germany. Eur J Pediatr Surg 27(5):399–406

4. Goedeke J, Ertl A, Zöller D, Rohleder S (2019) Muensterer -OJ. Telemedicine for pediatric surgical outpatient follow-up: A prospective, randomized single-center trial. J Pediatr Surg 54(1):200–207

47. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (16.6.-19.6.2021)

Im Rahmen des 47. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin konnten wir Ergebnisse zweier wissenschaftlicher Arbeiten vorstellen, die im Rahmen der TIC-PEA-Studie erstellt wurden.

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Versorgung von Neugeborenen und Säuglingen mit Ösophagusatresie in deutschen Perinatalzentren

Luisa M. Frankenbach, Tatjana T. König, Oliver M. Muensterer

  (Pdf , 398,4 KB)

 

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Einfluss von Protonenpumpeninhibitoren im ersten Lebensjahr bei Kindern mit Ösophagusatresie, eine Analyse von Register Daten

 Tatjana T. König, Lennart Glehn, Emilio Gianicolo, Melanie Wildermuth, Anna Franziska Lenz, Oliver J. Muensterer

(Pdf , 800,4 KB)