Gefäßversorgung der Netzhaut

Die Netzhaut wird von zwei verschiedenen Gefäßsystemen versorgt:

1. Die Aderhaut ist die sehr gut durchblutete Schicht direkt unter der Netzhaut. Sie versorgt die Pigmentschicht sowie die Zapfen und Stäbchen mit Sauerstoff und Nährstoffen.

2. Der innere Teil der Netzhaut, also die Ganglienzellen mit ihren Nervenfaserfortsätzen werden jedoch extra durch spezielle Netzhautgefäße versorgt, die ein feines Netz von extrem dünnen Gefäßen (sogenannte Kapillaren) in der gesamten Netzhaut ausbilden.

Im folgenden Bild ist eine Übersicht der Gefäßversorgung schematsch dargestellt:

Lediglich der Bereich des schärfsten Sehens (Sehgrube) wird nur durch die unterliegende Aderhaut versorgt, damit das Licht direkt und ungestört auf die Sinneszellen (Zapfen und Stäbchen) treffen kann. Im Bereich des schärfsten Sehens bildet das Netzhautgefäßgeflecht daher eine nicht durchblutete Zone. Diese Zone nennt sich "foveale avaskuläre Zone", also übersetzt in etwa "nicht durchblutete Zone der Sehgrube", oder auch kurz FAZ. Die folgenden beiden Bilder zeigen die Unterschiede in der Größe der FAZ bei einem reif geborenen Teilnehmer (links) und einem Frühgeborenen (rechts):

Bezüglich des Netzhautgeflechts fiel in unserer Studie auf, dass ehemalige Frühgeborene häufiger eine kleinere FAZ hatten [GPS-Artikel FAZ]. Dies bedeutet, dass die Gefäßversorgung der Netzhaut an der Stelle des schärfsten Sehens bei diesen Teilnehmern verstärkt vorhanden ist. Die kleinere FAZ war bei uns außerdem vor allem bei den Teilnehmern mit zu gering ausgeprägter Sehgrube vorhanden. Dies lässt mögliche Zusammenhänge zwischen diesen beiden Faktoren vermuten. Es gibt außerdem einige Hinweise darauf, dass die Größe und Beschaffenheit der FAZ bzw. des Netzhautgefäßgeflechts mit der Entstehung einer altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) in Zusammenhang stehen könnte. Ergebnisse aus Studien zur Größe und Beschaffenheit der FAZ im Zusammenhang mit einer AMD sind bisher jedoch nicht eindeutig [Quelle T&F].

In unserer Studie haben wir auch die unterliegende Aderhaut untersucht. Während Frühgeburtlichkeit unseren Ergebnissen zufolge keine direkten Auswirkungen auf die Dicke der Aderhautschicht hatte, hatten Teilnehmer, die für ihre Schwangerschaftsdauer zu leicht geboren waren, eine dünnere Aderhaut [GPS-Artikel Aderhaut]. 

Exkurs: Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine Erkrankung des Auges, die vor allem ältere Menschen betrifft und das zentrale Sehen beeinträchtigt. Sie tritt häufig ab dem 50. Lebensjahr auf und ist eine der Hauptursachen für Sehbehinderungen im Alter. Die Krankheit entsteht durch eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren. Bei der trockenen AMD bilden sich Ablagerungen unter der Makula, die den Bereich der Sehgrube und ihrer Umgebung umfasst. Diese Ablagerungen schädigen das Gewebe und verschlechtern das Sehen. Bei der feuchten AMD wachsen abnormale, zerbrechliche Blutgefäße unter der Netzhaut, die zu Blutungen und Flüssigkeitsansammlungen führen und das Sehen schnell verschlechtern. Risikofaktoren sind unter anderem das Alter, eine familiäre Vorbelastung, Rauchen, hoher Blutdruck und eine ungesunde Ernährung. In der Diagnostik wird die AMD häufig durch eine Augenuntersuchung, bei der die Netzhaut abgebildet wird, festgestellt. Oft wird dazu die sogenannte Fluoreszenzangiografie oder eine OCT (Optische Kohärenztomographie) eingesetzt. Zur Therapie gibt es verschiedene Ansätze: In der trockenen Form der AMD, bei der keine neuen Blutgefäße wachsen, gibt es bisher keine Heilung, aber bestimmte Vitaminpräparate können das Fortschreiten verlangsamen. In der feuchten Form, bei der neue Blutgefäße unter der Netzhaut wachsen, werden oft Injektionen von speziellen Medikamenten ins Auge vorgenommen, um das Wachstum der Blutgefäße zu stoppen. Da die AMD eine der Hauptursachen für Sehbehinderungen und Erblindung im Alter ist, und eine frühzeitige Erkennung dem weiteren Voranschreiten insbesondere im Falle der feuchten AMD mit Therapien entgegentreten kann, ist es von enormer Wichtigkeit, Risikofaktoren für diese Erkrankung aufzudecken. Ein Ziel der GPS ist es daher, zu untersuchen, inwieweit Veränderungen der Blutgefäße bei ehemaligen Frühgeborenen vorliegen und ob diese das Risiko für eine spätere AMD erhöhen könnten. Dann wäre es möglicherweise sinnvoll, ehemalige Frühgeborene gegebenenfalls häufiger zu screenen, um Sehbehinderungen und Erblindung in der Zukunft zu verhindern.

Das folgende Bildbeispiel zeigt, wie die AMD erkannt werden kann. Bei diesem Diagnostik-Tool handelt es sich um ein sogenanntes Amsler-Gitter. Im linken Bild ist das normale Amsler-Gitter abgebildet, rechts zeigt sich die Sicht eines Amsler-Gitters bei einer Person mit AMD. Man erkennt deutlich die Verzerrungen der Sicht: