Erklärung der allgemeinen Augenanatomie

Im Folgenden möchten wir etwas mehr zu unseren Ergebnissen der Gutenberg Prematurity Study berichten und diese auch für alle verständlich und anschaulich darstellen. Wir hoffen, somit das Verständnis für das wichtige Thema der Frühgeburtlichkeit in der Bevölkerung, insbesondere im Hinblick auf die Augenveränderungen etwas mehr öffentlich zu machen. Für die genaueren Erklärungen, wie unsere Ergebnisse sich auf den Alltag und die Augenentwicklung auswirken, müssen wir etwas genauer in die Anatomie der Augen eintauchen. Hierzu soll vorab die Augenanatomie einmal in Kurzform erklärt werden:

Vorderer Augenabschnitt

Vorderer Augenabschnitt

Das Auge funktioniert im Grunde wie eine kleine Kamera. Ganz vorne sitzt die Hornhaut. Sie ist durchsichtig, wirkt wie eine Lupe und sorgt dafür, dass das Licht, das ins Auge fällt, schon grob gebündelt wird. Hinter der Hornhaut befindet sich die vordere Augenkammer, die mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt ist. Diese Flüssigkeit hält den Druck im vorderen Teil des Auges stabil und versorgt die Hornhaut mit Nährstoffen. Der Abfluss und die Regulierung des Kammerwassers erfolgt über den Schlemm-Kanal im Vorderkammerwinkel.

Den farbigen Teil des Auges nennt man Iris oder auch Regenbogenhaut. Sie gibt jedem von uns eine ganz eigene Augenfarbe, ob braun, blau, grün oder grau. In ihrer Mitte befindet sich die Pupille, ein Loch, das durch Anpassung der Iris größer oder kleiner werden kann, und für uns im gesunden Auge meistens schwarz erscheint, weil es im Auge dunkel ist. Durch die Anpassung der Pupillengröße reguliert die Iris, wie viel Licht ins Auge gelangt, ähnlich wie die Blende einer Kamera. Direkt dahinter liegt die Linse. Sie ist flexibel und kann durch kleine Muskeln (Ziliarkörper) ihre Form verändern. Dies ist durch die untenstehende Grafik veranschaulicht.

Einstellung der Linse auf Fernsicht (Links) und Nahsicht (rechts), rot: Ziliarkörper ; Erin Silversmith, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

Die Linse ist im Ruhezustand eher rundlich und auf das Nahsehen eingestellt (Bild oben rechts). Wenn der Ziliarmuskel (rot) sich entspannt, so zieht er die Linse an ihren Rändern weiter auf und sie flacht sich ab (Bild oben links). Das ermöglicht es uns, sowohl Dinge in der Nähe als auch in der Ferne scharf zu sehen. Diesen Vorgang nennt man auch Akkommodation.

Hinterer Augenabschnitt

Hinterer Augenabschnitt

Der größte Raum im Auge wird vom Glaskörper ausgefüllt, einer klaren, gelartigen Masse, die dem Auge seine runde Form gibt. Ganz hinten im Auge befindet sich die Netzhaut, die so etwas wie die Leinwand oder der Kamerasensor ist. Der Punkt des schärfsten Sehens ist die sogenannte Sehgrube. Hier ist die größte Dichte der Lichtsinneszellen, die das Bild aufnehmen. Es gibt Stäbchen, die vor allem Hell-Dunkel-Informationen verarbeiten und sich vor allem im äußeren Bereich der Netzhaut befinden, und Zapfen, die für das Farbsehen zuständig sind. Damit diese empfindlichen Zellen arbeiten können, werden sie von der Aderhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Umhüllt wird das Auge außen von der Lederhaut, einer festen weißen Schicht, die Schutz bietet und Stabilität verleiht.

Alle Lichtinformationen, die die Netzhaut sammelt, werden schließlich gebündelt und über den Sehnerv zum Gehirn geschickt. Dort entstehen aus den Lichtreizen die Bilder, die wir wahrnehmen. Am Austrittsort des Sehnervs ins Auge befinden sich keine Lichtsinneszellen. Er wird deshalb auch als „blinder Fleck“ bezeichnet.