Visual Universitätsmedizin Mainz

Therapieprogramm

Auf unserer Psychotherapie-Station (Station 5) bieten wir ein störungsspezifisches Therapieprogramm an, das vorwiegend auf der Grundlage der Schematherapie (J. E. Young) basiert.  Zur Erreichung der individuell vereinbarten Therapieziele sollen die dysfunktionalen Bewältigungsmodi (Vermeidung, Unterwerfung, Überkompensation) hinterfragt und durch funktionaler Strategien/Skills im Rahmen des „Gesunden Erwachsenen“ ersetzt werden. Die Patienten sollen lernen, im Modus des „Gesunden  Erwachsenen“, ihre verletzten Modi zu versorgen, zu trösten und zu unterstützen. Strafende/fordernde Modi sollen bekämpft und reduziert werden. Dazu werden neben kognitiv-verhaltenstherapeutischen Strategien, vor allem erlebensbasierte Techniken, wie Imagination und Stühledialog, eingesetzt. Zudem werden dialektisch-behaviorale Elemente (DBT) und andere emotionsfokussierte Ansätze, wie das Training emotionaler Kompetenzen (Berking) integriert. Die Therapie findet vorwiegend im gruppentherapeutischen Setting statt. Die Inhalte der Gruppentherapie werden in der Einzelpsychotherapie vertieft, zusammengeführt und ergänzt.

Folgende Therapieelemente werden eingesetzt:

  1. Einzeltherapie: Die Einzeltherapie wird vom jeweiligen Bezugstherapeuten (Arzt/Psychologe) mindestens einmal die Woche (1x 50 Min) durchgeführt. Im Fokus stehen die persönliche Problematik und die individuell vereinbarten Therapieziele des jeweiligen Patienten.
  2. Schematherapiegruppe: 2 Bezugstherapeuten leiten diese psychotherapeutische Gruppe, in der die Kernelemente der Schematherapie vermittelt werden. Dabei sollen die Schemata und Modi durch die Vermittlung bzw. den Austausch von Wissen, interpersonelles und Modell-Lernen, emotional korrigierende Erfahrungen in der Gruppe sowie durch gezieltes Üben neuer Verhaltensmuster so verändert werden, dass die Patienten lernen, auf angemessene Weise ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen.
  3. Skillsgruppe: In dieser Gruppe, die 1x wöchentlich von 2 Bezugstherapeuten geleitet wird, werden spezifische Fertigkeiten im Rahmen der Module Stresstoleranz, Emotionsregulation und Selbstwert des DBT-SkillsTrainings für Borderline-Patienten vermittelt und trainiert.
  4. Training emotionaler Kompetenz: Diese Gruppe wird 1x wöchentlich von 2 Bezugstherapeuten geleitet. Ziel ist die Verbesserung der Wahrnehmung, Regulation und Akzeptanz von Gefühlen sowie der Aufbau einer emotionalen Selbstunterstützung.
  5. Achtsamkeitsgruppe: Diese Gruppe findet 1x wöchentlich statt und wird vom Pflegepersonal geleitet. Die Patienten lernen hier Strategien zum gezielten, nicht wertenden Annehmen des Augenblicks sowie Grundprinzipien der Akzeptanz.
  6. Wochenrückblicksgruppe: In dieser Gruppe, die 1x wöchentlich unter Leitung eines Bezugstherapeuten stattfindet, wird mit den Patienten ein Moment herausgearbeitet, in dem jeder Patient im Modus des „gesunden Erwachsenen“ gehandelt hat (d.h. Pflichten und Bedürfnisse erkannt und sich entsprechend verhalten hat). Hierbei sollen die Patienten lernen, darauf zu achten, wann es ihnen gelungen ist, gut für sich zu sorgen und auf äußere Anforderungen angemessen zu reagieren.
  7. Bezugsgruppe: Alle Patienten treffen sich einmal wöchentlich ohne Therapeuten in Kleingruppen, um Übungsaufgaben zu besprechen und sich durch ihre positiven Erfahrungen gegenseitig zu unterstützen.
  8. Körpertherapie: Diese wird 1x wöchentlich von einer Physiotherapeutin angeboten und beinhaltet eine Schulung der Körperwahrnehmung, der Körperakzeptanz und die Vermittlung von körperbezogenen Fertigkeiten (Skills) zur Spannungs- und Emotionsregulation. Die Körpertherapie greift Themen, wie individuelle körperliche Voraussetzungen (Gleichgewicht, Koordination, Kondition), Beziehungsgestaltung (Nähe-Distanz, Abgrenzung) und Körperreaktionen auf endogene und exogene Einflüsse auf.                   
  9. Ergowahrnehmungsgruppe: Diese Gruppe wird von zwei speziell geschulten Ergotherapeutinnen 1x wöchentlich geleitet. Die Gruppe beschäftigt sich mit dem bewussten Erleben und der Stärkung der Wahrnehmungsleistungen: sehen, hören, tasten, riechen, schmecken. Ziel ist es, entsprechend der Schematherapie, die individuellen Qualitäten der Sinnesreize kennen- und unterscheiden zu lernen und sie den einzelnen Modi zu zuordnen. Zudem sollen die Patienten lernen, diese Erfahrungen (im Sinne von Skills und Selbstfürsorgestrategien) in spezifischen Modi zielgerichtet einzusetzen.
  10. Morgen- und Abendrunde: Unter Leitung des Pflegepersonals treffen sich alle Patienten täglich zum gemeinsamen Einstieg in den Tag bzw. Reflektion des Tages, zur Stärkung der therapeutischen Gemeinschaft und zur Klärung von Problemen und Fragen.

Neben diesen spezifischen Therapieelementen haben die Patienten die Möglichkeit, an weiteren Therapien im Bereich Ergo- und Physiotherapie sowie psychotherapeutischen Gruppen teilzunehmen. Die psychosoziale Betreuung der Patientinnen wird durch den Sozialdienst der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie übernommen.