Visual Universitätsmedizin Mainz

Augenerkrankungen

Achromatopsie

ATF6, CNGA3, CNGB3, GNAT2, PDE6C, PDE6H, RGS9, RGS9BP (8 Gene)

Achromatopsie (ACHM) ist eine seltene autosomal-rezessive Netzhauterkrankung (1:30.000 bis 1:50.000). Sie ist durch Farbenblindheit (keine Farbfehlsichtigkeit), Nystagmus, erhöhte Lichtempfindlichkeit (Photophobie) und stark verminderte Sehschärfe gekennzeichnet. Die Gründe liegen im Fehlen oder in der Beeinträchtigung der Zapfenfunktion. Die meisten Menschen haben eine vollständige ACHM, bei denen alle drei Zapfentypen eine unzureichende Funktion haben. In seltenen Fällen haben Personen eine unvollständige ACHM mit ähnlichen, aber in der Regel weniger schweren Symptomen. ACHM wird durch Defekte in Genen verursacht, die für Schlüsselkomponenten der Kegelphototransduktionskaskade kodieren. Am häufigsten sind Mutationen in dem Gen CNGB3, gefolgt von CNGA3, während Veränderungen in anderen Genen selten die Ursache für eine ACHM sind.

Okulokutaner Albinismus

C10ORF11, FRMD7, GPR143, MC1R, OCA2, SLC24A5, SLC45A2, TYR, TYRP1 (9 Gene)

Waardenburg und Vici-Syndrom, Gen-Set

EDN3, EDNRB, EPG5, KIT, MITF, PAX3, SNAI2, SOX10, TYR (9 Gene)

Hermansky-Pudlak-Syndrom (Erweitertes Panel siehe Hämatologische Erkrankungen)

AP3B1, BLOC1S3, BLOC1S6, DTNBP1, HPS1, HPS3, HPS4, HPS5, HPS6 (9 Gene)

Griscelli-Syndrom und Chediak-Higashi-Syndrom

LYST, MLPH, MYO5A, RAB27A (4 Gene)

Erweitertes Gen-Set

AP3B1, BLOC1S3, BLOC1S6, C10ORF11, DTNBP1, EDN3, EDNRB, EPG5, FRMD7, GPR143, HPS1, HPS3, HPS4, HPS5, HPS6, LYST, MC1R, MITF, MLPH, MYO5A, OCA2, PAX3, RAB27A, SLC24A5, SLC38A8, SLC45A2, SNAI2, SOX10, TYR, TYRP1 (30 Gene)

Der Begriff Albinismus deckt neben dem isolierten okularen oder okulokutanen Albinismus auch die syndromalen Formen des Albinismus ab, wie das Hermansky-Pudlak-Syndrom, das Chediak-Higashi-Syndrom und das Griscelli-Syndrom. Eine molekulargenetische Panel-Diagnostik ermöglicht gegebenenfalls die sichere Unterscheidung zwischen den verschiedenen Formen. Die Subtypisierung ermöglicht prognostische Informationen über Sehstörungen, neurologische Beteiligung und Immundefektbeteiligung, beispielsweise beim Griscelli-Syndrom. Diese Informationen erleichtern die Beratung und Betreuung der betroffenen Familien. Die Prävalenz des okulokutanen Albinismus wird mit 1: 17.000 angegeben. Das Hermansky-Pudlak-Syndrom tritt in nicht-puertoricanischen Populationen mit einer Häufigkeit von 1: 500.000-1.000.000 auf (im Nordwesten Puerto Ricos 1: 1.800). Sowohl das Chediak-Higashi-Syndrom als auch das Griscelli-Syndrom sind äußerst selten. Der isolierte als auch der syndromale Albinismus werden in den meisten Fällen autosomal-rezessiv vererbt. Bei Patienten mit GPR143-Mutationen wird jedoch eine X-chromosomale Vererbung und bei Patienten mit MITF-Mutationen eine dominante Vererbung beobachtet.

Aniridie

PAX6S

Aniridie ist eine Augenerkrankung, die durch ein vollständiges oder teilweises Fehlen des farbigen Teils des Auges (der Iris) gekennzeichnet ist. Diese Irisanomalien können dazu führen, dass die Pupillen abnormal oder unförmig sind. Aniridie kann zu einer Verringerung der Sehschärfe (Sehschärfe) und einer erhöhten Lichtempfindlichkeit (Photophobie) führen.
Menschen mit Aniridie können auch andere Augenprobleme haben. Ein erhöhter Augendruck (Glaukom) tritt typischerweise in der späten Kindheit oder frühen Jugend auf. Trübungen der Augenlinse (Katarakte) treten bei 50 bis 85 Prozent der Menschen mit Aniridie auf. Bei etwa 10 Prozent der Betroffenen sind die Strukturen, die Informationen von den Augen zum Gehirn transportieren (Sehnerven), unterentwickelt. Personen mit Aniridie können auch unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus) oder eine Unterentwicklung der Region im Augenhintergrund aufweisen, die für scharfes zentrales Sehen verantwortlich ist (foveale Hypoplasie). Viele dieser Augenprobleme tragen zu einem fortschreitenden Sehverlust bei betroffenen Personen bei. Die Schwere der Symptome ist in der Regel bei beiden Augen gleich.
In seltenen Fällen haben Menschen mit Aniridie Verhaltensprobleme, Entwicklungsverzögerungen und Probleme beim Erkennen von Gerüchen.

Bardet-Biedl-Syndrom

BBS1, BBS10, BBS12, BBS2, BBS4, BBS5, BBS7, BBS9, CEP290, MKKS, MKS1, TTC8 (12 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ALMS1, ARL6, BBIP1, BBS1, BBS10, BBS12, BBS2, BBS4, BBS5, BBS7, BBS9, C8ORF37, CEP290, IFT172, LZTFL1, MKKS, MKS1, NPHP1, PNPLA6, SDCCAG8, TMEM67, TRIM32, TTC8, WDPCP (24 Gene)

Das Bardet-Biedl-Syndrom (BBS) ist eine wichtige genetische Ursache für chronische Nierenerkrankungen mit terminaler Niereninsuffizienz. Die geschätzte Prävalenz des BBS liegt bei 1-9: 1.000.000 und in Europa zwischen 1: 125.000 und 1: 175.000. Es handelt sich um eine Multisystemstörung, die mit Fettleibigkeit, Netzhautdegeneration, kognitiven Beeinträchtigungen, Fehlbildungen des Urogenitaltrakts und Polydaktylie einhergeht. Die häufigste vorzeitige Todesursache bei Betroffen ist eine Polyzystische Nierenerkrankung, gefolgt von Komplikationen, die durch Fettleibigkeit verursacht werden, einschließlich Typ-II-Diabetes, Bluthochdruck und Hypercholesterinämie. Obwohl BBS als Entwicklungsstörung angesehen wird, können die einzigen Anhaltspunkte in utero eine Hexadaktylie und hyperechoische Nieren sein. Die Diagnose wird oft erst gestellt, wenn sich das Sehvermögen verschlechtert. Das Erkennen des Krankheitsbildes ist wichtig, da die Diagnose durch molekulare Analyse bestätigt werden kann, was eine genetische Beratung für Familienmitglieder und in Folgeschwangerschaften eine pränatale Diagnose ermöglicht. Das Alström-Syndrom ist eine autosomal-rezessive Störung, die eine erhebliche Überschneidung mit dem BBS aufweist. Es ist gekennzeichnet durch Zapfen-Stäbchen-Dystrophie, Fettleibigkeit, fortschreitende sensorineurale Schwerhörigkeit, dilatative Kardiomyopathie, Insulinresistenz-Syndrom und Entwicklungsverzögerung. Über 60% der Menschen mit Alström-Syndrom entwickeln im Verlauf ihres Lebens eine Herzinsuffizienz infolge einer dilatativen Kardiomyopathie. Männer können hypogonadotropen Hypogonadismus haben. Eine Nierenerkrankung manifestiert sich typischerweise als Polyurie und Polydipsie infolge eines Defekts der Harnkonzentration. Die Niereninsuffizienz kann bereits im späten Teenageralter auftreten. Im Gegensatz zu BBS ist das Alström-Syndrom durch die relative Wahrung der kognitiven Funktion und das Fehlen von Polydaktylie gekennzeichnet. Das Alström-Syndrom wird durch Mutationen im Gen ALMS1 verursacht.

Corneale Dystrophie

AGBL1, COL8A2, CYP4V2, DCN, KRT12, KRT3, LOXHD1, SLC4A11, TCF4, TGFBI, VSX1, ZEB1 (12 Gene)

Erweitertes Gen-Set

AGBL1, CHRDL1, CHST6, COL17A1, COL5A1, COL8A2, CYP4V2, DCN, FOXE3, GJA8, GSN, KERA, KRT12, KRT3, LCAT, LOXHD1, MAF, OVOL2, PIKFYVE, PITX2, PRDM5, SLC4A11, TACSTD2, TCF4, TGFBI, UBIAD1, VSX1, ZEB1, ZNF469 (29 Gene)

Hornhautdystrophie bezeichnet eine heterogene Gruppe bilateraler genetisch bedingter nichtentzündlicher Hornhauterkrankungen, die üblicherweise auf die Hornhaut beschränkt sind. Klinisch können die Hornhautdystrophien basierend auf der spezifischen Position innerhalb der Hornhaut in drei Gruppen unterteilt werden. Es kann vor allem das Hornhautepithel und dessen Basalmembran (oberflächliche Hornhautdystrophie), das Hornhautstroma (stromale Hornhautdystrophie) oder die Descemet-Membran und das Hornhautendothel (hintere Hornhautdystrophie) betreffen. Hornhautdystrophien können durch Varianten in Genen wie COL8A2, ZEB1, TCF4, COL8A2, LOXHD1, SLC4A11, CHST6, TGFBI, UBIAD1, TACSTD2 und CHRDL1 verursacht werden und einer autosomal-dominanten, autosomal-rezessiven oder X-chromosomalen Vererbung folgen. Die Prävalenz von Hornhautdystrophien ist unterschiedlich, aber alle Formen treten selten auf.

Ectopia Lentis

ADAMTSL4, FBN1, COL18A1, LTBP2, ASPH (5 Gene)

Erweitertes Gen-Set

AASS, ADAMTS10, ADAMTS17, ADAMTSL4, ASPH, BCOR, CBS, COL18A1, FBN1, LTBP2, P3H2, PORCN, SUOX, VSX2 (14 Gene)

Ectopia lentis ist gekennzeichnet durch eine Verlagerung der Linse durch eine teilweise oder vollständige Zerstörung der Zonulafasern. Verschiedene genetische Ursachen für Ektopia lentis wurden identifiziert und die Vererbung kann autosomal-dominant oder autosomal-rezessiv erfolgen. Ectopia lentis kann als isolierter Defekt auftreten oder in Kombination mit weiteren Symptomen (syndromal) auftreten. Die Unterscheidung zwischen syndromalen und isolierten Formen ist entscheidend für eine optimale Überwachung, Behandlung und genetische Beratung. Zu den syndromalen Formen der Ektopia lentis (verantwortliche Gene) gehören das Marfan-Syndrom (FBN1), die Homocystinurie (BS), das Weill-Marchesani-Syndrom (ADAMTS10-, FBN1- oder LTBP2), das Weill-Marchesani-like-Syndrom (ADAMTS17), das Sulfitoxidasemangelsyndrom (SUOX) und das Traboulsi-Syndrom (ASPH). LTBP2-Mutationen können auch eine seltene Augenerkrankung hervorrufen, die durch Mikrosphärophakie, Megalokornea und sekundäres Glaukom gekennzeichnet ist. Isolierte Ektopia lentis ist am häufigsten mit Mutationen des ADAMTSL4- oder FBN1-Gens assoziiert. Jüngste Literatur legt nahe, dass eine anscheinend isolierte Ektopia lentis, die durch FBN1-Mutationen verursacht wird, möglicherweise keine isolierte Form darstellt, sondern eine milde Manifestation des Marfan-Syndroms mit dem erhöhten Risiko einer assoziierten Aortenerkrankung.

Fleckige Retina

ABCA4, CHM, CYP4V2, ELOVL4, PLA2G5, PROM1, PRPH2, RDH5, RHO, RLBP1, RS1, VPS13B (12 Gene)

Fleckige Netzhautstörungen sind eine Gruppe von Erkrankungen, die durch mehrere gelb-weiße Netzhautläsionen unterschiedlicher Größe und Konfiguration ohne Gefäß- oder Sehnervenanomalien gekennzeichnet sind. Fleckige Netzhauterkrankungen können stabil oder progredrient sein und von gutartig bis visuell verheerend reichen. Fundus albipunctatus ist eine autosomal-rezessive Netzhauterkrankung, die durch Mutationen im RDH5- oder RLBP1-Gen verursacht wird. Die Stargardt-Krankheit (auch Fundus flavimaculatus) ist eine progrediente Form der juvenilen Makuladegeneration mit erheblicher klinischer und genetischer Heterogenität. Die Stargardt-Krankheit wird durch Mutationen in ABCA4 verursacht, und das Vererbungsmuster ist autosomal-rezessiv. Veränderunge des ELOVL4-Gens sind mit der autosomal-dominanten Stargardt-Krankheit 3 assoziiert. Die kristalline Bietti-Dystrophie wird autosomal-rezessiv vererbt und durch Mutationen in CYP4V2 verursacht.

Glaukom

ASB10, CYP1B1, FOXC1, FOXE3, LTBP2, MYOC, NTF4, OPTN, PAX6, PITX2, TBK1, TEK, WDR36 (13 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ADAMTS10, ASB10, B3GLCT, BEST1, BMP4, CNTNAP2, COL4A1, COL8A2, CYP1B1, FBN1, FOXC1, FOXE3, GJA1, ISPD, LMX1B, LTBP2, MAF, MYOC, NTF4, OPA1, OPA3, OPTN, PAX6, PIK3R1, PITX2, POMT1, PRSS56, PXDN, RPS19, RRM2B, SBF2, SH3PXD2B, SIX6, TBK1, TEK, TMEM126A, TTR, WDR36 (38 Gene)

Das Glaukom ist weltweit die häufigste Erblindungsursache und gekennzeichnet durch fortschreitende Schäden des Sehnervs mit irreversiblen Gesichtsfelddefekten, die häufig mit einem erhöhten Augeninnendruck einhergehen. Die häufigsten Formen des Glaukoms sind altersbedingt. Sie beginnen im mittleren Lebensalter und schreiten langsam, aber kontinuierlich fort. Das angeborene Glaukom ist durch einen Entwicklungsdefekt des Trabekelnetzwerks und des Vorderkammerwinkels gekennzeichnet. Die Folge ist eine unzureichende Drainage des Kammerwassers, was zu einem erhöhten Augeninnendruck und einer Dehnung der Sklera mit Ausbildung eines vergrößerten Augapfels (Buphthalmus). Die Diagnose wird in der Regel im ersten Lebensjahr gestellt. Das angeborene Glaukom wird autosomal-rezessiv vererbt und durch Mutationen in CYP1B1 oder LTBP2 verursacht. Die Geburtsprävalenz des angeborenen Glaukoms wird auf etwa 1: 27.800 geschätzt. Das primäre Offenwinkelglaukom (POAG) entwickelt sich bei Erwachsenen nach dem 50. Lebensjahr. Mutationen in MYOC werden bei 3-4% der Patienten mit POAG identifiziert. Es ist eine autosomal-dominante Erkrankung mit unvollständiger Penetranz. Die Prävalenz des POAG wird auf 1: 102 Menschen im Alter von 40 bis 89 Jahren geschätzt (PMID: 12185119). Das Glaukom kann auch im Rahmen von syndromalen Erkrankungen auftreten. Dysgenesie-Syndrome des vorderen Segments sind Entwicklungsstörungen, die typischerweise autosomal-dominant vererbt werden. Das Axenfeld-Rieger-Syndrom wird durch Mutationen in PITX2 oder FOXC1 verursacht. Defekte in PAX6 verursachen Aniridie und LMX1B-Mutationen werden bei Patienten mit Nagel-Patella-Syndrom identifiziert. Die Entwicklungsglaukom-Syndrome zeigen eine variable Expressivität, wobei das Glaukom nur in etwa 50% der Fälle auftritt.

Joubert-Syndrom

AHI1, CC2D2A, CEP290, C5ORF42, TMEM67 (5 Gene)

Erweitertes Gen-Set

AHI1, ARL13B, ARMC9, B9D1, B9D2, C2CD3, C21ORF2, C5ORF42, CC2D2A, CEP104, CEP120, CEP164, CEP290, CEP41, CSPP1, INPP5E, KIAA0556, KIAA0586, KIAA0753, KIF7, MKS1, NPHP1, NPHP3, OFD1, PDE6D, PIBF1, RPGRIP1L, SUFU, TCTN1, TCTN2, TCTN3, TMEM107, TMEM138, TMEM216, TMEM231, TMEM237, TMEM67, TTC21B, ZNF423 (39 Gene)

Das klassische Joubert-Syndrom (JS) ist durch drei primäre Befunde charakterisiert: eine ausgeprägte Fehlbildung des Kleinhirns und des Hirnstamms, die als molares Zahnzeichen (MTS) bezeichnet wird, sowie Hypotonie und Entwicklungsverzögerung. Das MTS imponiert in der Magnetresonanztomographie (MRT) wie ein Backenzahn und ist die Folge einer Hypoplasie des Kleinhirnwurms und weiteren Hirnfehlbildungen (Mittel- und Rautenhirn). Zusätzliche Merkmale im Zusammenhang mit dem Joubert-Syndrom sind Netzhautanomalien, Nystagmus, Ataxie, Polydaktylie, Leberfibrose und Nierenerkrankungen. Da dem JS eine fehlerhafte Ziliarbiologie zugrunde liegt, zählt es zu den Ziliopathien. Die Prävalenzschätzungen liegen zwischen 1: 80.000 und 1: 100.000, möglicherweise mit einer hohen Dunkelziffer.

Katarakt (nicht-syndromal)

AGK, BFSP1, BFSP2, CRYAA, CRYAB, CRYBA1, CRYBA4, CRYBB1, CRYBB2, CRYBB3, CRYGC, CRYGD, CRYGS, EPHA2, FOXE3, FYCO1, GCNT2, GJA3, GJA8, HSF4, LIM2, MIP, PITX3 (23 Gene)

Katarakt (syndromal)

AGK, BCOR, EYA1, FAM126A, FOXE3, FTL, GALK1, GALT, NHS, PAX6, PITX3, SIL1, WRN (13 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ABCB6, ABHD12, ADAMTS18, ADAMTSL4, AGK, ALDH18A1, BCOR, BFSP1, BFSP2, CHMP4B, CLPB, COL4A1, COL11A1, COL18A1, COL2A1, COL4A1, CRYAA, CRYAB, CRYBA1, CRYBA4, CRYBB1, CRYBB2, CRYBB3, CRYGC, CRYGD, CRYGS, CTDP1, CYP27A1, EPG5, EPHA2, ERCC2, ERCC5, ERCC6, ERCC8, EYA1, FAM126A, FOXE3, FTL, FYCO1, FZD4, GALE, GALK1, GALT, GCNT2, GJA1, GJA3, GJA8, HSF4, LEMD2, LIM2, LSS, MAF, MIP, MIR184, MYH9, NDP, NF2, NHS, OCRL, OPA3, P3H2, PAX6, PEX7, PITX3, PXDN, RAB3GAP1, RECQL4, SIL1, SIPA1L3, SLC16A12, SLC33A1, TDRD7, TFAP2A, TMEM70, VIM, VSX2, WFS1, WRN (78 Gene)

Katarakt ist als Trübung der normalerweise transparenten Augenlinse definiert. Die Prävalenz eines Kataraktes im Kindersalter wurde auf 1-15: 10.000 geschätzt. Katarakt kann als angeboren, infantil, jugendlich, präsenil oder senil klassifiziert werden. Angeborener Katarakt (CC) tritt bei der Geburt oder in der frühen Kindheit auf und ist eine der häufigsten Augenkrankheiten, die bei Kindern weltweit Sehstörungen oder Blindheit verursachen. Nuklearer Katarakt ist die häufigste Form des hereditären CC und ist durch eine Trübung gekennzeichnet, die auf die embryonalen und / oder fetalen Kerne der Linse beschränkt ist (PMID: 24384146). CC kann autosomal-dominant, autosomal-rezessiv oder X-chromosomal vererbt werden, wobei die autosomal-dominante Form am häufigsten vorkommt. Nuclearer CC ist genetisch sehr heterogen. Mutationen in Linsenkristallinen (CRYAA, CRYAB, CRYBB1, CRYBB2, CRYBB3, CRYGC, CRYGD) erklären ungefähr die Hälfte der Fälle, gefolgt von Connexinen (GJA3, GJA8). Angeborener nuklearer Katarakt kann isoliert (70%) oder mit anderen Augenerkrankungen wie Mikrophthalmie oder Aniridie assoziiert sein. Es kann auch Teil von genetischen Multisystemstörungen wie dem Nance-Horan-Syndrom (NHS), dem Lowe-Syndrom (OCRL) oder der Neurofibromatose Typ 2 (NF2) sein.

Lebersche kongenitale Amaurose

AIPL1, CEP290, GUCY2D, CRB1, RDH12, RPE65, RPGRIP1, SPATA7, IMPDH1 (9 Gene)

Erweitertes Gen-Set

AIPL1, ALMS1, BBS4, CABP4, CEP290, CNGA3, CRB1, CRX, CWC27, DTHD1, GDF6, GUCY2D, IFT140, IMPDH1, IQCB1, KCNJ13, LCA5, LRAT, MERTK, MYO7A, NMNAT1, OTX2, PRPH2, RD3, RDH12, RDH5, RPE65, RPGRIP1, SPATA7, TULP1 (30 Gene)

Die angeborene Lebersche kongenitale Amaurose (LCA) ist eine schwere Netzhautdystrophie, die vor dem ersten Lebensjahr zu Erblindung oder schwerer Sehbehinderung führt. Die Prävalenzschätzungen liegen zwischen 1: 50.000 bis 1: 33.000. Sie macht 10-18% der angeborenen Blindheit und 5% aller Netzhautdystrophien aus. Die LCA ist klinisch durch eine schlechte Sehfunktion gekennzeichnet, die häufig von Nystagmus, abnormalen Pupillenreaktionen, Photophobie, hoher Hyperopie, deutlich vermindertem Elektroretinogramm und Keratokonus begleitet wird. Die LCA ist eine genetisch heterogene Erkrankung und wird typischerweise autosomal-rezessiv vererbt. Seltene dominante Fälle wurden beschrieben. Bei Patienten mit RPE65-assoziierter LCA haben sich jüngste klinische Studien mit einer RPE65-Ersatztherapie als vielversprechend für die Verbesserung des Sehvermögens erwiesen (PMID: 23341635).

Makula Dystrophie

ABCA4, BEST1, PRPH2, PROM1, RPGR, RP1L1, ELOVL4, CNGB3 (8 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ABCA4, BEST1, C1QTNF5, CDH3, CFH, CLN3, CERKL, CNGB3, CRB1, CRX, CTNNA1, DRAM2, EFEMP1, ELOVL4, IMPG1, IMPG2, IRX1, MFSD8, PRDM13, PROM1, PRPH2, RAX2, RDH12, RDH5, RLBP1, RP1L1, RPGR, RS1, TIMP3 (29 Gene)

Makuladystrophie ist eine seltene Augenerkrankung, die den zentralen Bereich der Netzhaut, die Makula, betrifft. Die Makula ist für das scharfe Sehen verantwortlich, das für detaillierte Aufgaben wie Lesen, Fahren und Erkennen von Gesichtern erforderlich ist. Die Best vitelliforme Makuladystrophie (BVMD) ist eine autosomal-dominante Störung. Es handelt sich um eine langsam fortschreitende Krankheit, die im Allgemeinen in der Kindheit oder seltener im Jugendalter auftritt. Betroffene Personen haben zunächst ein normales Sehvermögen, entwickeln im Verlauf jedoch eine verminderte zentrale Sehschärfe und Metamorphopsie. Bei Einzelpersonen bleiben das periphere Sichtfeld und die Anpassung an Dunkelheit erhalten. Die BVMD wird durch Mutationen im BEST1-Gen verursacht. Die Prävalenz wird in Nordschweden und Dänemark auf 1: 5.000 bis 1: 67.000 geschätzt. Die adulte vitelliforme Makuladystrophie (AVMD) ist durch das Vorhandensein bilateraler, kleiner, kreisförmiger, gelber, symmetrischer subretinaler Läsionen mit drusenartigen Ablagerungen gekennzeichnet. Sie zeigt eine signifikante phänotypische Überlappung mit der BVMD und betrifft hauptsächlich Personen mittleren Alters. Die Variabilität der klinischen Symptomatik ist ein charakteristisches Merkmal. Mutationen im PRPH2-Gen verursachen eine Vielzahl von Netzhauterkrankungen, einschließlich AVMD. Die Stargardt-Krankheit oder der Fundus flavimaculatus sind progrediente Formen der juvenilen Makuladegeneration mit erheblicher klinischer und genetischer Heterogenität. Die Stargardt-Krankheit wird durch Mutationen in ABCA4 verursacht und autosomal-rezessiv vererbt. Varianten von ELOVL4 sind mit der autosomal-dominanten Stargardt-Krankheit 3 assoziiert. Die weltweite Prävalenz der Stargardt-Krankheit wird auf 1: 8.000 - 1: 10.000 geschätzt.

Mikrophtalmie, Anophthalmie, Nanophthalmie

ALDH1A3, BCOR, BMP4, CHD7, FOXE3, GDF6, OTX2, PAX6, RAX, SOX2, STRA6 (11 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ABCB6, ADAMTS18, ALDH1A3, ATOH7, BCOR, BMP4, BMP7, CHD7, COL4A1, COX7B, CYP1B1, ERCC2, ERCC5, ERCC6, FOXC1, FOXE3, FOXL2, FRAS1, FREM1, FREM2, GDF3, GDF6, GJA1, GRIP1, HCCS, HESX1, HMX1, MAB21L2, MFRP, MITF, NAA10, NDP, OCRL, OTX2, PAX2, PAX6, PIGL, PITX2, POMGNT1, PQBP1, PRSS56, PXDN, RAB3GAP1, RARB, RAX, RBP4, SHH, SIX3, SIX6, SLC38A8, SMCHD1, SMOC1, SOX2, STRA6, TENM3, TMEM98, TFAP2A, VAX1, VPS13B, VSX2, ZIC2 (61 Gene)

Anophthalmie und Mikrophthalmie sind seltene Entwicklungsstörungen. Mikrophthalmie bezieht sich auf ein Auge mit reduziertem Volumen und kann mit einem Kolobom oder einer Orbitalzyste assoziiert sein. Anophthalmie ist das Fehlen eines oder beider Augen. Anophthalmie und Mikrophthalmie können unilateral oder bilateral auftreten. Über 50% sind mit weiteren Fehlbildungen verbunden. Anophthalmie und Mikrophthalmie können autosomal-dominant, autosomal-rezessiv oder X-chromosomal vererbt werden. Das ursächliche Hauptgen ist SOX2, auf dessen heterozygote Funktionsverlustvarianten 25% der Fälle zurückzuführen sind. Beispiele für mit Anophthalmie / Mikrophthalmie assoziierte Syndrome sind das CHARGE-Syndrom (CDH7) und das COFS-Syndrom (ERCC2, ERCC5, ERCC6). Erkrankungen der vorderen Segmentdysgenese (ASD) umfassen eine Vielzahl von Entwicklungsstörungen mit Beteiligung der Hornhaut, Iris und /oder Linse. Diese kann als isolierte Augenanomalie auftreten oder im Rahmen syndromaler Erkrankungen mit weiteren Symptomen einhergehen. Anomalien des vorderen Segments sind mit einem Glaukomrisiko von etwa 50% verbunden. Die Mehrzahl der mit ASD assoziierten Gene zeigt eine autosomal-dominante Vererbung. Das Axenfeld-Rieger-Syndrom wird durch Varianten von PITX2 und FOXC1 verursacht und hat eine geschätzte Prävalenz von 1: 200.000.

Nachtblindheit

CACNA1F, GPR179, GRK1, GRM6, LRIT3, NYX, TRPM1 (7 Gene)

Erweitertes Gen-Set

CABP4, CACNA1F, CACNA2D4, CYP4V2, GNAT1, GNB3, GPR179, GRK1, GRM6, LRIT3, NYX, RBP4, PDE6B, RDH5, RHO, RLBP1, RPE65, SAG, SLC24A1, TRPM1 (20 Gene)

Angeborene stationäre Nachtblindheit (CSNB) ist eine nicht fortschreitende Netzhauterkrankung, die durch nächtliche Sehstörungen oder verzögerte Dunkelanpassung, schlechte Sehschärfe (zwischen 20/30 und 20/200), Myopie, Nystagmus, Strabismus und Fundusanomalien bei normalem Farbsehen gekennzeichnet ist. CSNB kann je nach Vererbungsmuster in X-chromosomale (57,9%), autosomal-rezessive und sporadische (40%, darunter 23,6% mit einer Fundusanomalie) oder seltener autosomal-dominante (2,1%) Formen unterteilt werden. Die vollständige Form der X-chromosomalen CSNB (CSNB1) ist auf Defekte im NYX-Gen zurückzuführen und die unvollständige Form der X-chromosomalen CSNB (CSNB2) wird durch Mutationen im CACNA1F-Gen verursacht. Die Oguchi-Krankheit ist eine seltene autosomal-rezessive Form der CSNB, die mit Fundusverfärbungen und ungewöhnlich langsamer Dunkeladaption einhergeht.

Lebersche Optikusatrophie Hot-Spot

G3460A (MTND1P), G11778A (MTND4P) und T14484C (MTND6P)

Optikusatrophie

ACO2, AFG3L2, C12ORF65, CISD2, DNM1L, MT-ND1, MT-ND4, MT-ND6, NR2F1, OPA1, OPA3, RTN4IP1, SLC25A46, SPG7, TIMM8A, TMEM126A, WFS1, YME1L1 (18 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ACO2, AFG3L2, ANTXR1, C12ORF65, CISD2, DNM1L, FDXR, MFN2, MT-ND1, MT-ND4, MT-ND6, NDUFS1, NR2F1, OPA1, OPA3, POLG, PRPS1, PDXK, RTN4IP1, SLC25A46, SLC52A2, SNX10, SPG7, TIMM8A, TMEM126A, WFS1, YME1L1 (26 Gene)

Optikusatrophie ist ein Zustand, der den Sehnerv betrifft, durch den Impulse vom Auge ans Gehirn übertragen werden. Die Optikusatrophie Typ 1 (OA1) ist klinisch durch eine fortschreitende Abnahme der Sehschärfe ab der frühen Kindheit gekennzeichnet. Die klinische Manifestation kann sehr variabel sein. Die Sehbehinderung ist in der Regel moderat, reicht jedoch von schwerwiegend (Blindheit mit einer Sehschärfe von <1/20) bis leicht, begleitet von Gesichtsfeld- und Farbsehstörungen. OA1 ist durch den bevorzugten Verlust retinaler Ganglienzellen gekennzeichnet und wird autosomal-dominant vererbt. Ungefähr 80% der familiären und 50% der sporadischen Fälle mit OA1 werden durch Varianten des OPA1-Gens verursacht, welches für ein mitochondriales Innenmembranprotein codiert. Eine Optikusatrophie kann auch syndromal auftreten. Beispielsweise wird das Syndrom der Taubheit-Dystonie-Optikusneuronopathie (DDON; Mohr-Tranebjaerg-Syndrom) X-chromosomal vererbt und durch Varianten im TIMM8A-Gen verursacht. Biallelische Varianten des WFS1-Gens sind mit einer Optikusatrophie im Rahmen des autosomal-rezessiven Wolfram-Syndroms assoziiert. Die autosomal-dominante hereditäre Charcot-Marie-Tooth-Neuropathie Typ 2A wird durch Varianten im MFN2 verursacht. Varianten im C12ORF65 sind an autosomal-rezessiven hereditären spastischen Paraplegien beteiligt.

Retinitis pigmentosa, autosomal rezessiv

USH2A, RHO, RPGR, EYS (4 Gene)

Retinitis pigmentosa, autosomal dominant

RHO, RPGR, RP1, RP2, PRPF31, PRPH2, RPE65, PRPF8, SNRNP200 (9 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ABCA4, ABHD12, ADIPOR1, AGBL5, AHI1, AHR, AIPL1, ARHGEF18, ARL2BP, ARL3, ARL6, BBS1, BBS2, BEST1, C1QTNF5, C21ORF2, C2ORF71, C8ORF37, CA4, CACNA1F, CDHR1, CEP290, CERKL, CHM, CLN3, CLRN1, CNGA1, CNGB1, CRB1, CRX, CTNNA1, CWC27, CYP4V2, DHDDS, DHX38, EYS* , FAM161A, FLVCR1, GNPTG, GUCY2D, HGSNAT, HK1, IDH3B, IFT140, IFT172, IFT43, IMPDH1, IMPG2, INPP5E, KIAA1549, KIZ, KLHL7, LCA5, LRAT, MAK, MERTK, MFRP, MVK, NEK2, NMNAT1, NR2E3, NRL, OAT, OFD1, PDE6A, PDE6B, PDE6G, PEX1, PEX2, PEX7, PHYH, PITPNM3, PLA2G5, POMGNT1, PRCD, PRKCG, PROM1, PRPF3, PRPF31, PRPF4, PRPF6, PRPF8, PRPH2, RBP3, RBP4, RDH12, RDH5, REEP6, RGR, RHO, RIMS1, RLBP1, ROM1, RP1, RP2, RP9, RPE65, RP1L1, RPGR, RPGRIP1, RS1, SAG, SAMD11, SEMA4A, SLC7A14, SNRNP200, SPATA7, SPP2, TOPORS, TTC8, TTPA, TUB, TULP1, USH1C, USH2A, VPS13B, WDR19, ZNF408, ZNF513 (119 Gene)

Unter dem Begriff Retinitis pigmentosa (RP) wird eine Gruppe von Erbkrankheiten zusammengefasst, bei denen Anomalien der Photorezeptoren (Stäbchen und Zapfen) oder des retinalen Pigmentepithels zu einem fortschreitenden Sehverlust führen. Die Prävalenz der RP wird mit 1: 4.000 bis 1: 5.000 angegeben. RP kann isoliert oder syndromal auftreten. Die nicht-syndromale RP ist klinisch und genetisch äußerst heterogen und kann autosomal-dominant, autosomal-rezessiv oder X-chromosomal vererbt werden. Die autosomal-dominante RP betrifft etwa 15 bis 25% der Fälle, die autosomal-rezessive RP 5 bis 20% und die X-chromosomale RP 5 bis 15% (GeneReviews). Sporadische Fälle sind häufig (40-50%). Der Schweregrad hängt teilweise mit dem Vererbungsmuster zusammen, wobei X-chromosomale Fälle den schwersten Verlauf aufweisen. Die hauptverantwortlichen Gene sind USH2A (autosomal-rezessive RP), RHO (ungefähr 28% der autosomal-dominanten RP) und RPGR (70% der X-chromosomalen RP).

Senior-Loken-Syndrom

CEP290, INVS, IQCB1, NPHP1, NPHP3, NPHP4, SDCCAG8 (7 Gene)

Erweitertes Gen-Set

CEP164, CEP290, IFT81, INVS, IQCB1, NPHP1, NPHP3, NPHP4, SDCCAG8, TRAF3IP1, WDR19, ZNF423 (12 Gene)

Das Senior-Loken-Syndrom (SLS), auch als juvenile Nephronophthise mit Leberamaurose bekannt, ist eine autosomal-rezessive Nieren-Netzhaut-Störung, die durch eine krankhaft erhöhte Urinausscheidung (vermerhte Diurese) mit oder ohne eine medulläre zystische Nierenerkrankung und fortschreitende Augenerkrankung gekennzeichnet ist. Das SLS ist eine seltene Erkrankung (Prävelenz etwa 1: 1.000.000), die eine phänotypische und genotypische Überlappung mit dem Joubert-Syndrom und anderen Ciliopathien wie dem Bardet-Biedl-Syndrom und der Nephronophthisis (NPHP) aufweist. Die wichtigsten klinischen Merkmale sind eine Retinitis pigmentosa (RP) und Nierenerkrankungen. Die Manifestation kann im Säuglingsalter oder in der späten Kindheit erfolgen. Die RP kann sich entweder als angeborene Netzhautblindheit aufgrund einer Netzhauthypoplasie oder als fortschreitende Netzhautdegeneration im späteren Kindesalter mit einer klassischen
fundoskopischen tapetoretinalen Degeneration präsentieren. Die charakteristische Nierenmanifestation ist die der NPHP, die durch eine zystische Dilatation der Nierentubuli gekennzeichnet ist. Bei dem SLS wurden jedoch sowohl zystische Nierendysplasien als auch polyzystische Nieren beschrieben.

Stickler-Syndrom

COL11A1, COL11A2, COL2A1, COL9A1, COL9A2, COL9A3, LRP2, VCAN (8 Gene)

Das Stickler-Syndrom, auch als hereditäre Arthro-Ophthalmopathie (1:7500) bekannt, ist eine vererbte Vitreoretinopathie, die durch die Assoziation von Augensymptomen, Gelenkbeschwerden, Dysmorphiezeichen und Schwerhörigkeit gekennzeichnet ist (10% der Fälle). Die klinischen Merkmale können Myopie, Netzhautablösung, Glaskörperdegeneration, vorzeitige degenerative Veränderungen, Gelenkhypermobilität, sensorineuraler Hörverlust, Gaumenspalte und mittlere Gesichtshypoplasie sein. Das Syndrom wird normalerweise im Kindesalter diagnostiziert. Die variable phänotypische Expression des Stickler-Syndroms tritt sowohl innerhalb als auch zwischen Familien auf. Das Syndrom wird in der Regel autosomal-dominant vererbt und ist genetisch heterogen (Mutationen in den Genen COL2A1, COL11A1 oder COL11A2). Schätzungen zufolge machen Mutationen in COL2A1 80-90% der Fälle aus. Das autosomal-rezessive Stickler-Syndrom ist selten und wird durch biallelische Mutationen in COL9A1, COL9A2 und COL9A3 verursacht.

Usher-Syndrom Typ 1

CDH23, MYO7A, PCDH15, USH1C, USH1G (5 Gene)

Usher-Syndrom Typ 2

ADGRV1, DFNB31, USH2A (3 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ABHD12, ADGRV1, CDH23, CEP78, CIB2, CLRN1, DFNB31, HARS, MYO7A, PCDH15, PDZD7, PEX1, USH1C, USH1G, USH2A (15 Gene)

Das Usher-Syndrom (USH) ist eine autosomal-rezessive Erkrankung, die durch Hörverlust, Retinitis pigmentosa (RP) und in einigen Fällen durch vestibuläre Dysfunktion gekennzeichnet ist. Die Prävalenz wird auf 1: 30.000 geschätzt. Es ist die häufigste Ursache für erbliche kombinierte Taubheit-Blindheit und klinisch sowie genetisch heterogen. Es wurden drei klinische Einheiten definiert. Typ 1 (USH1) macht fast 40% der Fälle aus und ist die schwerwiegendste Form, die durch schwere bis tiefgreifende angeborene Taubheit, vestibuläre Areflexie und präpubertären Beginn der progressiven RP gekennzeichnet ist. Mutationen in MYO7A sind weltweit die häufigsten Ursachen für USH Typ 1. Usher-Syndrom Typ 2 (USH2) ist die häufigste Form des Usher-Syndroms (60% der Fälle). Es ist mit mittelschwerem bis schwerem Hörverlust und später einsetzender Netzhautdegeneration verbunden. In der Regel tritt keine vestibuläre Dysfunktion auf. Biallelische Mutationen in USH2A machen den Großteil der Fälle aus (~ 80%). Bei Typ 3 (USH3) entwickeln sich Hörverlust und Sehverlust aufgrund von RP in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter und beide verlaufen progredient. Vestibuläre Störungen sind in der Hälfte der Fälle vorhanden. USH3 macht weniger als 3% der Fälle aus, ist jedoch in der jüdischen Bevölkerung Finnlands und bei Aschkenasischen Juden häufiger.

Vitreoretinopathie

CAPN5, COL2A1, FZD4, LRP5, NDP, TSPAN12, VCAN, ZNF408 (8 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ATOH7, BEST1, CAPN5, COL11A1, COL11A2, COL18A1, COL2A1, COL9A1, COL9A2, COL9A3, CTC1, CTNNB1, FZD4, KCNJ13, KIF11, LRP5, NDP, NR2E3, P3H2, RCBTB1, RS1, TSPAN12, VCAN, ZNF408 (24 Gene)

Vitreoretinale Erkrankungen sind durch die Degeneration des Glaskörpers und der Netzhaut des Auges gekennzeichnet. Es gibt verschiedene Arten von Vitreoretinopathien, die zu einer Reihe phänotypischer Erscheinungen führen: Netzhautablösung, optisch leerer Glaskörper, fibrilläre Kondensation, Katarakt und Neovaskularisation. Die Erkrankung umfasst familiäre exsudative Vitreoretinopathie, Schneeflocken-Vitreoretinopathie, Norrie-Krankheit, Wagner-Syndrom, Stickler-Syndrom und Knobloch-Syndrom. Die Vitreoretinopathien können autosomal-dominant, autosomal-rezessiv oder X-chromosomal vererbt werden. Beispielsweise wird die autosomal-dominante familiäre exsudative Vitreoretinopathie (FEVR) durch Mutationen in FZD4 verursacht; LRP5 wurde sowohl mit autosomal-dominanten als auch -rezessiven Fällen und NDP mit X-chromosomaler FEVR in Verbindung gebracht. Das klinische Erscheinungsbild und der Krankheitsverlauf können sehr unterschiedlich sein. Die Prävalenz von FEVR ist unbekannt, es handelt sich jedoch um eine seltene Erkrankung.

Zapfen- und Zapfen-Stäbchen Dystrophien

ABCA4, AIPL1, CNGA3, CNGB3, CRX, GUCA1A, GUCY2D, KCNV2, PROM1, PRPH2, RPGR (11 Gene)

Erweitertes Gen-Set

ABCA4, ADAM9, ADAMTS18, AIPL1, ALMS1, ARHGEF18, ATF6, BEST1, C21ORF2, C2ORF71, C8ORF37, CABP4, CACNA1F, CACNA2D4, CDHR1, CEP78, CERKL, CLN3, CNGA3, CNGB3, CNNM4, CRB1, CRX, CYP4V2, GNAT2, GUCA1A, GUCY2D, KCNV2, MERTK, NMNAT1, PCYT1A, PDE6C, PDE6H, PITPNM3, POC1B, PROM1, PRPH2, RAB28, RAX2, RDH12, RDH5, RGS9, RGS9BP, RIMS1, RPGR, RPGRIP1, SEMA4A, TTLL5 (48 Gene)

Zapfen- und Zapfen-Stäbchen-Dystrophien (engl. cone-rod dystrophy, CRD) sind vererbte Netzhautdystrophien, die durch eine Kegeldysfunktion gefolgt von einer Degeneration der Stäbchenphotorezeptoren gekennzeichnet sind. Die Prävalenz von CRDs wird auf 1: 40.000 geschätzt. Die Fundusuntersuchung zeigt Pigmentablagerungen und eine Netzhautatrophie im Makulabereich. Im Gegensatz zu einer typischen Retinitis pigmentosa (RP, Stäbchenkegeldystrophie), die aus dem primären Verlust von Stäbchenphotorezeptoren und später dem sekundären Verlust von Kegelphotorezeptoren resultiert, verlaufen die CRDs entgegengesetzter Reihenfolge. Die vorherrschenden Symptome von CRDs sind eine verminderte Sehschärfe, Farbsehstörungen, Photoaversion und eine verminderte Empfindlichkeit im zentralen Gesichtsfeld, gefolgt von einem fortschreitenden Verlust des peripheren Sehens und Nachtblindheit. Der klinische Verlauf von CRDs ist im Allgemeinen schwerer und schneller als der einer RP, was zu früherer legaler Blindheit und Behinderung führt. CRDs sind am häufigsten nicht-syndromal, können aber auch Teilsyndromaler Erkrankungen sein, wie zum Beispiel des Bardet-Biedl-Syndroms. Nichtsyndromale CRDs können autosomal-dominant, autosomal-rezessiv oder X-chromosomal vererbt werden. Die beiden wichtigsten ursächlichen Gene für CRDs sind ABCA4 (autosomal-rezessives CRD, das auch an der Stargardt-Krankheit beteiligt ist) und GUCY2D (autosomal-dominantes CRD).

AASS, ABCA4, ABCB6, ABHD12, ACBD5, ACO2, ADAM9, ADAMTS10, ADAMTS17, ADAMTS18, ADAMTSL4, ADGRV1 (GPR98), ADIPOR1, AFG3L2, AGBL1, AGBL5, AGK, AHI1, AHR, AIPL1, ALDH18A1, ALDH1A3, ALMS1, ANTXR1, AP3B1, APTX, ARHGEF18, ARL13B, ARL2BP, ARL3, ARL6, ARMC9, ARR3, ASB10, ASPH, ATF6, ATOH7, B3GLCT, B9D1, B9D2, BBIP1, BBS1, BBS10, BBS12, BBS2, BBS4, BBS5, BBS7, BBS9, BCOR, BEST1, BFSP1, BFSP2, BLOC1S3, BLOC1S6, BMP4, BMP7, C10ORF11, C10ORF2, C12ORF65, C1QTNF5, C21ORF2, C2CD3, C2ORF71, C5ORF42, C8ORF37, CA4, CABP4, CACNA1F, CACNA2D4, CAPN5, CBS, CC2D2A, CCDC111, CDH23, CDH3, CDHR1, CEP104, CEP120, CEP164, CEP290, CEP41, CEP78, CERKL, CFH, CHD7, CHM, CHMP4B, CHN1, CHRDL1, CHST6, CIB2, CISD2, CLN3, CLPB, CLRN1, CNGA1, CNGA3, CNGB1, CNGB3, CNNM4, CNTNAP2, COL11A1, COL11A2, COL17A1, COL18A1, COL2A1, COL4A1, COL5A1, COL8A2, COL9A1, COL9A2, COL9A3, COX7B, CRB1, CRX, CRYAA, CRYAB, CRYBA1, CRYBA4, CRYBB1, CRYBB2, CRYBB3, CRYGC, CRYGD, CRYGS, CSPP1, CTC1, CTDP1, CTNNA1, CTNNB1, CWC27, CYP1B1, CYP27A1, CYP4V2, CYP51A1, DCN, DFNB31, DHDDS, DHX38, DNM1L, DRAM2, DTHD1, DTNBP1, EDN3, EDNRB, EFEMP1, ELOVL4, ELP4, EMC1, EPG5, EPHA2, ERCC2, ERCC5, ERCC6, ERCC8, EYA1, EYS, FAM126A, FAM161A, FBN1, FDXR, FGFR1, FLVCR1, FOXC1, FOXE3, FOXL2, FRAS1, FREM1, FREM2, FRMD7, FTL, FYCO1, FZD4, GALE, GALK1, GALT, GCNT2, GDF3, GDF6, GJA1, GJA3, GJA8, GNAT1, GNAT2, GNB3, GNPTG, GPR143, GPR179, GRIP1, GRK1, GRM6, GSN, GUCA1A, GUCA1B, GUCY2D, HARS, HCCS, HESX1, HGSNAT, HK1, HMX1, HPS1, HPS3, HPS4, HPS5, HPS6, HSF4, IDH3B, IFT140, IFT172, IFT43, IFT81, IMPDH1, IMPG1, IMPG2, INPP5E, INVS, IQCB1, IRX1, IRX5, IRX6, ISPD, JAG1, KCNJ13, KCNV2, KERA, KIAA0556, KIAA0586, KIAA0753, KIAA1549, KIF11, KIF21A, KIF7, KIT, KIZ, KLHL7, KRT12, KRT3, LCA5, LCAT, LEMD2, LIM2, LMX1B, LOXHD1, LRAT, LRIT3, LRP2, LRP5, LRPAP1, LSS, LTBP2, LYST, LZTFL1, MAB21L2, MAF, MAK, MC1R, MERTK, MFN2, MFRP, MFSD8, MIP, MIR184, MITF, MKKS, MKS1, MLPH, MMACHC, MT-ND1, MT-ND4, MT-ND6, MTTP, MVK, MYH9, MYO5A, MYO7A, MYOC, NAA10, NDP, NDUFS1, NEK2, NF2, NHS, NMNAT1, NPHP1, NPHP3, NPHP4, NR2E3, NR2F1, NRL, NTF4, NYX, OAT, OCA2, OCRL, OFD1, OPA1, OPA3, OPN1LW, OPN1MW, OPTN, OTX2, OVOL2, P3H2 (LEPREL1), P4HA2, PANK2, PAX2, PAX3, PAX6, PCDH15, PCYT1A, PDE6A, PDE6B, PDE6C, PDE6D, PDE6G, PDE6H, PDXK, PDZD7, PEX1, PEX10, PEX11B, PEX12, PEX13, PEX14, PEX16, PEX19, PEX2, PEX26, PEX3, PEX5, PEX6, PEX7, PEX7, PHOX2A, PHYH, PIBF1, PIGL, PIK3R1, PIKFYVE, PITPNM3, PITX2, PITX3, PLA2G5, PNPLA6, POC1B, POLG, POMGNT1, POMT1, PORCN, PQBP1, PRCD, PRDM13, PRDM5, PRKCG, PROKR2, PROM1, PRPF3, PRPF31, PRPF4, PRPF6, PRPF8, PRPH2, PRPS1, PRSS56, PXDN, RAB27A, RAB28, RAB3GAP1, RARB, RAX, RAX2, RBP3, RBP4, RCBTB1, RD3, RDH11, RDH12, RDH5, RECQL4, REEP6, RGR, RGS9, RGS9BP, RHO, RIMS1, RLBP1, ROBO3, ROM1, RP1, RP1L1, RP2, RP9, RPE65, RPGR, RPGRIP1, RPGRIP1L, RPS19, RRM2B, RS1, RTN4IP1, SAG, SALL4, SAMD11, SBF2, SCO2, SDCCAG8, SEMA4A, SETX, SH3PXD2B, SHH, SIL1, SIPA1L3, SIX3, SIX6, SLC16A12, SLC24A1, SLC24A5, SLC25A4, SLC25A46, SLC33A1, SLC38A8, SLC39A5, SLC45A2, SLC4A11, SLC52A2, SLC7A14, SMCHD1, SMOC1, SNAI2, SNRNP200, SNX10, SOX10, SOX2, SOX3, SPATA7, SPG7, SPP2, STRA6, SUFU, SUOX, TACSTD2, TBK1, TCF4, TCTN1, TCTN2, TCTN3, TDRD7, TEAD1, TEK, TENM3, TFAP2A, TGFBI, TIMM8A, TIMP3, TK2, TMEM107, TMEM126A, TMEM138, TMEM216, TMEM231, TMEM237, TMEM67, TMEM70, TMEM98, TOPORS, TRAF3IP1, TREX1, TRIM32, TRPM1, TSPAN12, TTC21B, TTC8, TTLL5, TTPA, TTR, TUB, TUBB3, TULP1, TYMP, TYR, TYRP1, UBIAD1, USH1C, USH1G, USH2A, VAX1, VCAN, VIM, VPS13B, VSX1, VSX2, WDPCP, WDR19, WDR36, WFS1, WRN, YME1L1, ZEB1, ZIC2, ZNF408, ZNF423, ZNF469, ZNF513, ZNF644 (506 Gene)

Legende

F= Fragment-Analyse

M= Duplikations-/Deletions-Screening mittels MLPA oder XON-Array

P= Pyro-Sequenzierung

S= Sanger-Sequenzierung

= Auswahl der am wahrscheinlichsten betroffenen Gene für gesetzliche krankenversicherte Patienten bis zu 25 kb nach klinischer Symptomatik und bioinformatischer Auswertung.


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