Visual Universitätsmedizin Mainz
Prof. Dr. phil. Kümmel (pensioniert)
Prof. Dr. phil. Werner F. Kümmel (pensioniert)
Funktionen: Wissenschaftlicher Mitarbeiter

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Arbeitsprojekte

Prof. Dr. phil. Werner F. Kümmel (pensioniert)

Edition der Tagebücher Samuel Thomas Soemmerrings
(DFG-Projekt; Bearbeiter: Dr. Franz Dumont)

Die aus den Jahren 1805-1830 erhaltenen Tagebücher des Mediziners und Naturforschers Soemmerring (1755-1830) sind eine bisher unpublizierte Quelle von hoher wissenschafts- und allgemeinhistorischer Bedeutung. Sie zeigen die Breite von „Naturwissenschaft” im frühen 19. Jahrhundert (von Medizin über Physik und Chemie bis zur Paläontologie) auf, machen die Lebensverhältnisse und Arbeitsweisen eines damaligen Gelehrten deutlich. Daneben vermitteln sie Einblicke in das intellektuelle, kulturelle und soziale Netzwerk Soemmerrings, zuerst in München, dann in Frankfurt/M. Mit der kommentierten Edition wird eine wichtige Quelle zur Wissenschaftsgeschichte der Goethe-Zeit erschlossen; der erste Teil-Band ist 2004 erschienen.

Die Bedeutung des Arztes für das Verhältnis zwischen Christen und Juden in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Seit langem ist bekannt, dass jüdische Ärzte trotz der Verbote von Kirche und Obrigkeit, sie zu konsultieren, als Leibärzte bei Fürsten, Bischöfen und sogar Päpsten in vormoderner Zeit sehr angesehen waren. Die neuere Forschung hat gezeigt, dass jüdische Ärzte auch von der einfachen Bevölkerung hochgeschätzt wurden, und konnte dafür eine Reihe von Gründen erschließen. Die Frage, ob umgekehrt auch jüdische Patienten sich von christlichen Ärzten behandeln ließen, ist bisher nicht gestellt worden, weil diese Möglichkeit nicht in Betracht zu kommen schien. Mit dem vorliegenden Projekt soll nachgewiesen werden, dass christliche Ärzte vom Spätmittelalter an durchaus auch jüdische Patienten hatten und Ärzten beider Seiten für das Verhältnis von Christen und Juden eine weit größere Bedeutung zukam, als bisher angenommen worden war.

Alexander von Humboldt und das Gelbfieber

Die Untersuchungen Alexander von Humboldts über das Gelbfieber wurden bisher kaum beachtet, weil sie nicht als Monographie oder Aufsatz erschienen, sondern in der umfangreichen Beschreibung der amerikanischen Reise und vor allem im „Essai politique” über Mexico „versteckt” sind. Es lohnt jedoch, sie näher zu untersuchen, sie in die Geschichte der Gelbfieberforschung einzuordnen und ihre Rezeption in der Medizin zu verfolgen, zumal Humboldt als Naturforscher, der nicht studierter Mediziner war, zum Teil andere, durchaus eigenständige Zugänge zum Problem fand.

Medizinhistoriker im Dritten Reich

Die Auffassungen von Medizin, Medizingeschichte und Medizinethik, die von deutschen Medizinhistorikern in der NS-Zeit vertreten wurden, sind in großen Zügen untersucht, soweit sie gedruckt vorliegen. Dagegen bedürfen die individuellen Verhaltensweisen, hochschulpolitischen Aktivitäten und Parteizugehörigkeiten noch der Klärung, um zu einem Gesamtbild des Faches „Medizingeschichte” im Dritten Reich zu gelangen.