Evidenz geschlechts- und intersektionalitäts-sensibler Psychotherapie: Eine systematische Übersicht randomisierter kontrollierter Studien
Projektteam:
PD Dr. Rüdiger Zwerenz (Projektleitung)
Univ.-Prof. Ana Tibubos (Projektleitung)
Dr. Nora Hettich-Damm (Projektleitung)
Univ.-Prof. Dr. Jonas Tesarz (Klinikdirektor)
Univ-Prof. Dr. Manfred Beutel (Senior Forschungsprofessor)
M. Sc. (Psych.) Helena Dieterle (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
M. Sc. (Psych.) Laura Klein (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
M. Sc. (Psych.) Adina Kreis (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
M. Sc. (Psych.) Tamara Schwinn (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Forschungsgegenstand:
Gender- und intersektionalitätssensible Therapieansätze sind in klinischen Studien zur Psychotherapie selten, sodass die Evidenz dazu, ob und wie die Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen je nach Geschlecht oder Gender variiert, unklar bleibt. Obwohl bisherige Befunde zeigen, dass Geschlecht und damit assoziierte Rollenerwartungen sowie verschränkte Risikofaktoren (z. B. Diskriminierungserfahrungen, sexualisierte Gewalt, Misogynie, Queer- und Transfeindlichkeit) einen signifikanten Einfluss auf psychische Gesundheitsrisiken, Bewältigungsmechanismen und Behandlungsergebnisse haben, werden diese Faktoren häufig in randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) nicht berücksichtigt – selbst bei vorhandenen Daten fehlen oft Subgruppenanalysen, die geschlechtsspezifische Unterschiede einschließen.
Weltweit verursachen psychische Erkrankungen eine erhebliche Krankheitslast, doch bestehen deutliche Ungleichheiten in Diagnose, Behandlung und Therapieerfolg, insbesondere bei geschlechterdiversen und intersektional benachteiligten Gruppen. Der anhaltende Mangel gender- und intersektionalitätssensibler Analysen erschwert jedoch auch die Entwicklung wirksamer, inklusiver Behandlungsansätze und unterstreicht den Bedarf qualitativ hochwertiger Forschung für evidenzbasierte klinische und gesundheitspolitische Entscheidungen.
Im Projekt EGIS-PT wird eine systematische Übersichtsarbeit erstellt, um die beschriebene Evidenzlücke zu schließen. Bisherige Übersichtsarbeiten betrachten entweder nur eine einzelne psychische Störung im Zusammenhang mit Geschlechterunterschieden oder sie umfassen viele Störungen, führen jedoch keine geschlechterspezifischen Analysen durch. Im Rahmen von EGIS-PT werden gendersensible psychotherapeutische Interventionen (aus Verhaltenstherapie und Psychodynamischer Psychotherapie) synthetisiert und systematisch analysiert, um Evidenz für die Wirksamkeit solcher Ansätze zu schaffen. Dabei wird auch die Interaktion von Geschlecht mit intersektionalen Faktoren wie Alter, ethnischer Zugehörigkeit und sozioökonomischem Status berücksichtigt sowie neue Forschungsfragen für geschlechtergerechte und diversitätsorientierte Psychotherapie eröffnet. Das Projekt trägt zur Schließung der "Gender Data Gap" bei und berücksichtigt internationale Standards wie das PRISMA-Statement (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) und die SAGER-Guidelines (Sex and Gender Equity in Research). Ziel des Forschungsprojekts ist es, neue Erkenntnisse zur Entwicklung evidenzbasierter Leitlinien für die Praxis und die Gesundheitspolitik bereitzustellen, die auf die komplexen Bedürfnisse diverser Bevölkerungsgruppen eingehen und gesellschaftliche Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung adressieren.
Ein wichtiger Aspekt des Projekts EGIS-PT ist die partizipative Einbindung von Praxispartner*innen die einerseits in Psychotherapie sind oder waren und zudem von Diskriminierungserfahrungen betroffen sind (z. B. aufgrund ihrer Geschlechtsidentität, sexuellen Orientierung, (zugeschriebenen) ethnischen Zugehörigkeit, ihres Alters, sozioökonomischen Status). Die Praxispartner*innen sind neben regelmäßigen Projekttreffen inhaltlich im Rahmen von Arbeitsgruppen und Beiratstreffen aktiv im Projekt eingebunden.
Laufzeit: Juli 2025 – Oktober 2026
Förderung: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen des Förderprogramms zum Thema „Reduzierung des Gender Data Gap in der klinischen Forschung“
Förderhöhe: 268.000 Euro
Projektlink: www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/evidenz-geschlechts-und-intersektionalitats-sensibler-psychotherapie-modul-1-18581.php
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