Schwerpunkt Psychokardiologie Mainz: Wissenschaftlich fundierte Behandlungen für Herz und Psyche
Bei Herzerkrankungen gerät auch die seelische Verfassung oftmals aus dem Gleichgewicht. Viele Betroffene leiden unter stressbedingten Herzbeschwerden, Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit oder Ängsten. Und manchmal treten Herzbeschwerden als Folge von psychischen Störungen auf. An der Universitätsmedizin Mainz unterstützen wir, wenn im Zusammenspiel von Herz und Seele die psychische Gesundheit stark beeinträchtigt ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Schwerpunkt Psychokardiologie der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz richtet sich an Patient:innen, bei denen Herzerkrankungen mit erheblichen seelischen Belastungen einhergehen oder funktionelle Herzbeschwerden bestehen.
- Unter funktionellen Herzbeschwerden verstehen wir Symptome wie Herzstolpern, Brustschmerzen oder Luftnot, für die sich keine ausreichende organische Ursache finden lässt. Diese Beschwerden sind dennoch reale psychophysiologische Symptome und häufig Ausdruck einer engen Wechselwirkung zwischen körperlichen und psychischen Prozessen, beispielsweise im Zusammenhang mit Stress, Angst oder innerer Anspannung.
- Wir bieten eine spezialisierte Diagnostik und Behandlung im ambulanten, teilstationären und stationären Setting. Je nach Bedarf erfolgt die Betreuung in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kardiologie.
- Im Mittelpunkt steht ein umfassendes Verständnis der individuellen Beschwerdedynamik. Dazu zählen beispielsweise anhaltende Ängste nach einem Herzinfarkt oder belastende Erfahrungen nach ICD-Schockereignissen. Darüber hinaus begleiten wir auch Patient:innen mit schweren und chronischen kardiologischen Erkrankungen, bei denen die Umsetzung medizinischer Empfehlungen im Alltag herausfordernd ist, etwa im Kontext von Überforderung, Angst oder strukturellen Belastungen. Gemeinsam entwickeln wir einen individuellen Behandlungsplan, der organische, psychische und soziale Einflussfaktoren integriert und eine nachhaltige Stabilisierung unterstützt.
„Unsere Sprechstunde in Kooperation mit der Kardiologie ist ein niedrigschwelliges Angebot für Patient:innen, die Orientierung hinsichtlich stressbedingter Beschwerden oder reaktiver Ängste aufgrund einer Herzerkrankung wünschen.“
Dr. med. Jasmin Ghaemi
Oberärztin, Leitung der Sprechstunde für Psychokardiologie
Kontakt & Termin
An der Universitätsmedizin Mainz stehen zwei spezialisierte Sprechstunden zur Verfügung, die in enger Abstimmung zusammenarbeiten. Grundsätzlich können sich Betroffene an beide Sprechstunden wenden.
Kontakt und Orientierungshilfe zur Auswahl der passenden Sprechstunde:
A Psychokardiologische Sprechstunde an der Psychosomatischen Klinik
Zuständig bei:
- Wunsch nach Einordnung und / oder psychotherapeutischer Behandlung bei psychischen Störungen auf Grund einer Herzerkrankung.
- Schweren und komplexen Störungen mit Bedarf einer längerfristigen, ambulanten, tagesklinischen und / oder stationären psychotherapeutischen (Komplex-)Behandlung.
- Posttraumatischer Angststörung z. B. nach Auslösen von Herzimplantaten (ICD / Defibrillator).
- Anhaltenden Herzbeschwerden ohne Nachweis einer Herzkreislauferkrankung (funktionelle Störungen).
Zur Sprechstunde Psychokardiologie der Psychosomatischen Klinik (Gebäude 902)
B Psychokardiologische Sprechstunde am Zentrum für Kardiologie
Zuständig bei:
- Wunsch nach Einordnung und / oder ambulanter Behandlung psychischer Beschwerden und traumatischer Ängste auf Grund einer Herzerkrankung.
Zur Sprechstunde Psychokardiologie des Zentrums für Kardiologie (Gebäude 605)
Behandlung psychischer Störungen bei Herzerkrankungen, „Herzangst“ und funktionellen Beschwerden
Herzerkrankungen und Herzbeschwerden sind oft mit tiefgreifenden psychischen Belastungen verbunden. Wir bieten spezialisierte Hilfe, um den Teufelskreis aus körperlichen Symptomen und seelischem Leid zu durchbrechen.
Behandlung psychischer Störungen bei Herzerkrankungen
Wir behandeln Patient:innen, bei denen die körperliche Erkrankung massive psychische Belastungen auslöst. Dies können etwa Patient:innen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) und Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Herzmuskelentzündung oder Myokarditits sein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch in der Betreuung von ICD- und Defibrillator-Trägern, die nach Schockereignissen traumatische Ängste entwickelt haben, sowie in der Betreuung von Menschen mit dem sogenannten „Broken-Heart-Syndrom“ (Takotsubo).
Stressbedingte Beschwerden und reaktive Ängste aufgrund einer Herzerkrankung
- Schlafstörungen (nicht erholsamer Schlaf)
- Nervosität, innere Unruhe, Schreckhaftigkeit
- Angstgefühle, Panik, Unwirklichkeits- oder Schwindelgefühle
- Niedergeschlagenheit, Energielosigkeit, Interessenverlust
- Engegefühle in der Brust oder das Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können, ohne feststellbare organische Ursache (nach gründlicher Ausschlussdiagnostik)
- Schmerzhafte muskuläre Verspannungen (z.B. Nacken und Gliederschmerzen)
- Rauchen, Stressessen, ungesunder Lebensstil, Einsamkeit
Stressbedingte Beschwerden und reaktive Ängste aufgrund einer Herzerkrankung können eine erhebliche Belastung und Einbuße an Lebensqualität bedeuten.
Behandlung funktioneller Herzbeschwerden
Manche Patient:innen leiden unter Brustschmerz, Engegefühl oder Atemnot, für die trotz gründlicher kardiologischer Untersuchung keine rein organische Ursache gefunden werden kann. Hier hilft unsere Diagnostik, stressbedingte Mechanismen zu identifizieren und durch gezielte Entspannungsverfahren und Psychotherapie eine Linderung herbeizuführen.
Kurz erklärt: Was ist Psychokardiologie und wie kann sie bei Herzerkrankungen helfen?
Die Psychokardiologie ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das die Wechselwirkungen zwischen dem Herz-Kreislauf-System und der Psyche untersucht und behandelt.
Warum ein biopsychosozialer Ansatz?
Am Schwerpunkt „Psychokardiologie“ der Psychosomatischen Klinik der Unimedizin Mainz betrachten wir Krankheit nicht als isolierten Defekt eines Organs. Unser Verständnis basiert darauf, dass biologische Faktoren, psychische Verarbeitungsmechanismen und soziale Lebensumstände untrennbar zusammenwirken und entsprechend umfassende Behandlungsansätze erfordern und ermöglichen (= „biopsychosozialer“ Ansatz).
Den Teufelskreis durchbrechen
Psychischer Stress kann physiologische Reaktionen am Herzen triggern, während die Angst vor diesen körperlichen Missempfindungen wiederum neuen Stress erzeugt. Die Psychokardiologie hilft, diese Zusammenhänge zu erkennen, um durch gezielte Strategien zur Stressbewältigung und emotionale Selbstregulation schädigenden Stress zu reduzieren und neues Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen.
Gut zu wissen: Die „Mind-Heart-Body Connection“
Wir wissen heute: psychische Verfassung beeinflusst direkt die Herzgesundheit.
- Risiko: Chronischer Stress, Depressionen oder eine pessimistische Grundhaltung belasten das Herz messbar. Tatsächlich können diese Faktoren das Herzinfarktrisiko ähnlich stark erhöhen wie Rauchen oder eine ungesunde Ernährung.
- Chance: Die gute Nachricht ist, dass die Psyche ein „veränderbarer Risikofaktor“ ist. Positive Faktoren wie Optimismus, Lebenssinn und Achtsamkeit wirken wie ein Schutzschild fürs Herz.
- Ziel: Gezielte psychokardiologische Unterstützung kann nicht nur das Wohlbefinden, sondern nachweislich biologische Werte wie Blutdruck und Entzündungsparameter verbessern.
Ihr Expertenteam in Mainz
Interdisziplinäre Zusammenarbeit Psychosomatik und Kardiologie
Unser Team der Psychokardiologie an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Unimedizin Mainz unter der Leitung von Dr. med. Jasmin Ghaemi verbindet tiefgehende psychotherapeutische Kompetenz mit kardiologischem Fachwissen.
Wenn Herz und Psyche gleichzeitig belastet sind, kann schnelle und fachübergreifende Hilfe entscheidend sein. Ein großer Pluspunkt für Betroffene ist unsere fest etablierte Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kardiologie (Gebäude 605). Unser Konsiliardienst stellt sicher, dass kardiologische Patient:innen auch bei akuten Bedarfen zügig professionelle psychologische Unterstützung erhalten.
Gemeinsames Anliegen ist auch die weitere Erforschung und Entwicklung von Behandlungsoptionen und Prävention in der Psychokardiologie.
Häufige Fragen (FAQ)
Sogenannte funktionelle Herzbeschwerden äußern sich häufig durch Engegefühl in der Brust oder das Gefühl, nicht tief genug durchatmen zu können. Diese Symptome sind real und Resultat einer Fehlregulation des vegetativen Nervensystems durch chronische Belastungen.
Bis zu 50 % der Betroffenen erleben nach einem akuten Herzereignis existenzielle Todesangst. Dabei unterscheiden wir zwischen einer gesunden Schutzfunktion, die zur Vorsorge motiviert, und einer belastenden Herzangst. Unser affektfokussierter Ansatz hilft, diese Ängste einzuordnen und wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen.
Ja, das ist ein Spezialgebiet unserer stationären Behandlung. Wir setzen hochspezialisierte Verfahren (wie EMDR, Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ein, um traumatische Erfahrungen psychisch neu zu verarbeiten.
Zunächst bieten wir einen ambulanten Ersttermin, in dem wir Ihre aktuellen Beschwerden und Krankheitsgeschichte bestmöglich verstehen möchten. Anschließend besprechen wir mit Ihnen das weitere Vorgehen.
Autor: Dr. med. Jasmin Ghaemi
Zuletzt aktualisiert: 28. April 2026