Unser biopsychosozialer Ansatz bei Chronischen Schmerzen – Warum ein spezialisierter Schwerpunkt?
Viele Menschen mit chronischen Schmerzen erleben eine fragmentierte Versorgung. Orthopädie, Neurologie, Schmerzmedizin und Psychotherapie arbeiten häufig parallel – jedoch selten in einem wirklich integrierten Konzept. Für Betroffene kann dies bedeuten, dass
- diagnostische Untersuchungen wiederholt werden, ohne zu neuen oder hilfreichen Erkenntnissen zu führen,
- Behandlungen beginnen, ohne dass klar ist, welche Annahmen ihnen zugrunde liegen oder warum sie im individuellen Fall wirksam sein sollen,
- widersprüchliche somatische und psychische Erklärungsmodelle nebeneinanderstehen und Verunsicherung verstärken.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ziel unseres biopsychosozialen Ansatzes ist es, eine fragmentierte Versorgung zu überwinden, bei der Fachrichtungen parallel arbeiten. Wir betrachten körperliche und psychische Faktoren als Einheit.
- Wir verzahnen psychotherapeutische Interventionen als strukturierendes Kernstück gezielt mit modernsten medizinischen und funktionellen Verfahren.
- Dieses verzahnte Versorgungskonzept bietet über drei Ebenen – von der ambulanten Erstabklärung bis zur intensiven stationären Therapie – eine nachvollziehbare und individuell abgestimmte Strategie für komplexe Schmerzverläufe.
Systematische Diagnostik und verzahnte Therapie
Im Zentrum steht eine systematische Fragestellung:
Welche Faktoren tragen bei dieser Person zu diesem Zeitpunkt zur Aufrechterhaltung der Schmerzen bei – und welche therapeutischen Ansatzpunkte ergeben sich daraus konkret?
Ein besonderer Schwerpunkt unseres Konzepts liegt auf psychologischen und psychotherapeutischen Interventionen, die gezielt mit medizinischen, physiotherapeutischen und weiteren Verfahren kombiniert werden. Ziel ist es, sich ergänzende Behandlungsansätze sinnvoll zu verzahnen, statt sie isoliert oder nacheinander einzusetzen, und so eine nachvollziehbare, individuell abgestimmte Behandlungsstrategie zu entwickeln.
Integrativer Ansatz bei komplexen Schmerzstörungen – psychologisch, psychotherapeutisch und somatisch
Der Schmerzschwerpunkt unserer Klinik steht für einen klar psychosomatischen und psychotherapeutisch fokussierten Ansatz in der Behandlung komplexer Schmerzstörungen. Zugleich ist dieser Ansatz ausdrücklich integrativ angelegt: Psychologische und psychotherapeutische Interventionen bilden das strukturierende Kernstück der Behandlung und werden gezielt mit somatischen, funktionellen und nicht-invasiven Verfahren zusammengeführt.
Der Schmerzschwerpunkt ist kein einzelnes Angebot, sondern ein verzahntes Versorgungskonzept, das drei aufeinander abgestimmte Ebenen verbindet:
- die ambulante Vorstellung in der Schmerzambulanz zur zeitnahen Erstabklärung,
- eine Kurzzeit-Tagesklinik mit teil-stationärer Diagnostik (1–2 Tage),
- die stationäre multimodale Schmerztherapie mit einer intensiven psychotherapeutischen Behandlung über einen Zeitraum von 6 bis 12 Wochen.
Im Unterschied zu anderen schmerztherapeutischen Einrichtungen liegt unser Schwerpunkt konsequent auf der psychosomatischen Einordnung und psychotherapeutischen Bearbeitung komplexer Schmerzverläufe. Gleichzeitig werden diese Interventionen systematisch mit ergänzenden nicht-psychotherapeutischen Verfahren kombiniert, darunter unter anderem:
- Biofeedback und weitere psychophysiologische Verfahren,
- bewegungs- und physiotherapeutische Ansätze,
- physikalische Therapien wie Wärme- und Kälteanwendungen,
- transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS),
- medikamentöse Strategien im Rahmen einer differenzierten Schmerzmedikation,
- weitere nicht-invasive, funktionsorientierte Verfahren.
Interdisziplinäre Schmerztherapie Mainz: Kooperation und klare Behandlungsprinzipien
Der Schmerzschwerpunkt Mainz versteht sich ausdrücklich nicht als Konkurrenz, sondern als ergänzender Bestandteil der schmerzmedizinischen Versorgungslandschaft am Standort Mainz. Wir arbeiten eng und abgestimmt zusammen mit weiteren spezialisierten Einrichtungen, darunter der DRK Schmerzklinik Mainz, der interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie der Anästhesie sowie der neurologischen Schmerzambulanz. Ziel ist eine passgenaue Zuweisung und eine sinnvolle Verzahnung unterschiedlicher therapeutischer Schwerpunkte.
Allen Versorgungsstufen gemeinsam sind klare inhaltliche Prinzipien:
- strukturierte Diagnostik vor Beginn intensiver Therapie statt „Therapie auf Verdacht“,
- klare Indikationsentscheidungen auf Basis der individuellen Problemlage,
- enge interdisziplinäre Zusammenarbeit (ärztlich, psychologisch, physiotherapeutisch, kreativ-therapeutisch),
- transparente Rückmeldung von Befunden, Einschätzungen und Empfehlungen an Patient:innen und Zuweiser.
Autor: Univ.-Prof. Dr. Jonas Tesarz
Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2026