Multimodale Schmerztherapie – Module unseres Schmerzschwerpunkts Mainz (Auswahl)
Alle Module werden gezielt, indikationsgeleitet und nachvollziehbar begründet eingesetzt. Es handelt sich nicht um ein schematisches „Baukastensystem“, sondern um eine individualisierte Kombination sich ergänzender Verfahren, orientiert an den jeweiligen Schmerzmechanismen und Belastungsfaktoren.
Unsere Verfahren zur Schmerztherapie
1. Psychologische und psychotherapeutische Verfahren
Im Zentrum steht die psychotherapeutische Arbeit, insbesondere zur Bearbeitung schmerzbezogener Stress-, Emotions- und Verarbeitungsprozesse:
- EMDR bei schmerz- und stressassoziierten Erinnerungen
- Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie (ISTDP)
- Pain Reprocessing Therapy (schmerzbezogene Edukation und Intervention)
- Emotional Awareness & Expression Therapy (EAET)
- Biofeedback zur Förderung der Selbstregulation
- Schlafrestriktions- und Schlafregulationstraining bei schmerzassoziierten Schlafstörungen
2. Körper- und bewegungsorientierte Verfahren
Diese Verfahren zielen auf Funktion, Körperwahrnehmung und Belastbarkeit:
- Physiotherapie und Neuroathletik
- Tanz- und Bewegungstherapie
- Atemtherapie
- kontrollierte, therapeutisch begleitete Kälteexposition
- Triggerpunktbehandlung und Neuraltherapie
- physikalische Therapien (z. B. Wärme- und Kälteanwendungen)
- transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
4. Innovative und neuromodulatorische Verfahren
Zur gezielten Erprobung neuer, nicht-invasiver Ansätze:
-
Virtual-Reality-gestütztes neuromuskuläres Training (z. B. ICAROS)
-
nicht-invasive Vagusnerv-Stimulation
5. Schlaf & Medikation
Als Teil einer integrativen Schmerzbehandlung:
- kritische Überprüfung der Schmerzmedikation
- gezielte Reduktion nicht hilfreicher oder belastender Medikamente
- begleiteter Opioidentzug bei geeigneter Indikation
Stationäre multimodale Schmerztherapie
Eine stationäre multimodale Schmerztherapie ist insbesondere dann sinnvoll, wenn
- ambulante oder teilstationäre Maßnahmen nicht ausreichend wirksam waren,
- die Alltags-, Arbeits- oder Ausbildungssituation durch die Schmerzen deutlich eingeschränkt oder akut gefährdet ist,
- mehrere Ebenen gleichzeitig behandelt werden müssen, etwa körperliche, psychische, funktionelle und soziale Belastungsfaktoren.
Die stationäre Behandlung erfolgt in einem intensiven, zeitlich klar begrenzten Setting und umfasst in der Regel einen Zeitraum von etwa 6 bis 12 Wochen. In dieser Zeit werden die verschiedenen Therapiebausteine eng aufeinander abgestimmt und kontinuierlich weiterentwickelt.
Im Zentrum steht eine psychotherapeutisch fokussierte Schmerzbehandlung, ergänzt durch medizinische Schmerztherapie, bewegungs- und körperorientierte Verfahren, kreative Therapien sowie sozialarbeiterische Unterstützung. Ziel ist es, komplexe Schmerzverläufe umfassend zu stabilisieren, funktionelle Einschränkungen zu reduzieren und gemeinsam tragfähige Perspektiven für die weitere Behandlung und den Alltag zu erarbeiten.
Häufige Fragen (FAQ)
Psychotherapeutische Interventionen sind ein zentraler Bestandteil unseres Konzepts. Art, Umfang und Tempo werden jedoch gemeinsam abgestimmt. Ziel ist Verstehen und Entlastung, nicht Konfrontation oder Überforderung.
Nicht zwangsläufig. Wir prüfen gemeinsam Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen der bisherigen Medikation. In manchen Fällen ist eine Anpassung oder Reduktion sinnvoll, in anderen nicht.
Das hängt vom gewählten Setting ab:
- Ambulante Abklärung: einzelne Termine
- Kurzzeit-Tagesklinik: 1–2 Tage
- Stationäre oder teilstationäre multimodale Schmerztherapie: in der Regel 6–12 Wochen
Autor: Univ.-Prof. Dr. Jonas Tesarz
Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2026