Schwerpunkt Angststörungen


Panikattacken, Herzrasen oder ständige Angst und Sorgen: Wenn eine Angststörung den Alltag erheblich beeinträchtigt, sollten Betroffene damit nicht allein bleiben. Solche Beschwerden sind ernstzunehmende Symptome. Mit moderner Diagnostik und Therapie stehen die Chancen sehr gut, dass eine Rückkehr in ein normales Leben dauerhaft möglich ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen; etwa ein Viertel aller Menschen leidet mindestens einmal im Leben darunter. Sie treten allein auf oder im Zusammenhang mit weiteren psychischen und körperlichen Erkrankungen.
  • Das Ziel einer Therapie ist es, dass Betroffene möglichst symptomfrei werden und in ihren normalen Alltag zurückkehren können.
  • In Mainz bietet die Psychosomatische Klinik moderne Diagnostik- und Therapieangebote – nach Bedarf ambulant, tagesklinisch oder stationär – bei Begleiterkrankungen in Kooperation mit somatischen Fachkliniken der Universitätsmedizin Mainz.

Kurz erklärt: Entstehung, Symptome & Formen von Angststörungen

Angst ist eine überlebenswichtige Schutzfunktion in Gefahrensituationen. Bei einer Angststörung ist diese Reaktion jedoch unangemessen stark oder tritt ohne reale Gefahr auf. Die Entstehung ist meist ein Zusammenspiel aus biologischen Faktoren (z. B. Genetik, Gehirnstoffwechsel), prägenden Erfahrungen in der Kindheit und aktuellen belastenden Lebensereignissen.

Viele Angststörungen beginnen in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter und neigen zur Chronifizierung. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Generalisierte Angststörung (GAS)

Die Generalisierte Angststörung (GAS) ist durch langanhaltende Angst und ständige Sorgen gekennzeichnet, die sich auf viele verschiedene Lebensbereiche beziehen können. Betroffene fühlen sich oft dauerhaft nervös, angespannt und leiden unter der Sorge, dass ihnen oder Angehörigen etwas Schlimmes zustößt.

Panikstörung

Eine Panikattacke ist ein plötzlich auftretender, intensiver Angstzustand, der oft von starken körperlichen Symptomen begleitet wird. Dazu gehören Herzrasen, Schwindel, Zittern und Todesangst. Viele Betroffene suchen die Notaufnahme auf, da sie zwischen Symptomen einer Panikattacke und einem Herzinfarkt nicht unmittelbar unterscheiden können. Treten diese Attacken wiederholt und ohne erkennbaren Auslöser auf, spricht man von einer Panikstörung.

Phobien

Hierbei richtet sich die Angst gegen bestimmte Situationen oder Objekte; insbesondere durch Vermeidungsverhalten kann sich die Angst immer weiter steigern und zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen:

  • Agoraphobie: Angst vor Orten, an denen eine Flucht schwierig erscheint (z. B. Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel).
  • Soziale Phobie: Ausgeprägte Furcht vor der Bewertung durch andere und davor, sich peinlich zu verhalten.
  • Spezifische Phobien: Angst vor konkreten Dingen wie Tieren, Höhe oder medizinischen Eingriffen.

Begleiterkrankung Angst – Wenn Körper und Psyche betroffen sind

Angststörungen treten häufig zusammen mit weiteren Erkrankungen auf. Dies umfasst psychische Störungen, wie Depressionen oder Suchterkrankungen, und/oder körperliche Erkrankungen, wie Herz- oder Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, oder andere schwere Erkrankungen – insbesondere, wenn diese sehr bedrohlich wirken.

Der Teufelskreis der Angst

Bei körperlichen Erkrankungen kann sich ein Teufelskreis der Angst entwickeln, wenn Symptome wie Herzrasen, Schwindel oder Atemnot durch Angst entstehen, aber als lebensbedrohlich fehlinterpretiert werden. Diese katastrophisierende Bewertung verstärkt die Symptomatik und kann bis zur Panikattacke führen.

So wird die Angst selbst zur Begleiterkrankung, die den Fokus auf den Körper lenkt und die Lebensqualität stark einschränkt. Ungewissheit und die Sorge, nicht ernst genommen zu werden, können den Kreislauf ohne gezielte psychosomatische Behandlung lange aufrechterhalten.

In einigen Fällen raten wir dann zu einer stationären psychosomatischen Behandlung, um gleichzeitig die Verfügbarkeit von somatischer fachärztlicher Expertise zu sichern.

Vorteile einer multimodalen, stationären Therapie

  • Differenzierte somatische und psychologische Diagnostik zum Ausschluss akuter Behandlungsbedarfe und als Hilfestellung zur Unterscheidung der Symptomursachen, z. B. Schwindel oder Herzrasen können durch eine somatische Erkrankung aber auch durch Angst ausgelöst werden.
  • Umfassende Versorgung in einer sicheren Umgebung, um Verhaltensanpassungen durchzuführen und neues Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen. Beispiel: Völlige körperliche Schonung aus Angst vor Symptomen bei einer Herzerkrankung kann sich langfristig negativ auf die psychische wie auf die körperliche Gesundheit auswirken. Den „Teufelskreis der Angst“ in einer geschützten Umgebung zu durchbrechen, kann mitunter zur gleichzeitigen Besserung der Angst und der körperlichen Erkrankung beitragen.
  • Der umfassende biopsychosoziale Ansatz bietet die bestmögliche Chance auf nachhaltige Stabilisierung der psychosomatischen Gesundheit bei einer Angststörung als Begleiterkrankung.

Diagnostik von Angststörungen

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch, in dem wir Symptome und Auswirkungen auf die Lebensqualität genau erfassen. Ergänzend setzen wir validierte Fragebögen ein.

Da sich Angst oft körperlich äußert, ist eine somatische Abklärung zwingend erforderlich, um etwa Erkrankungen von Herz oder Lunge auszuschließen oder Behandlungsbedarfe von Vorerkrankungen zu erkennen. Bei Bedarf wird erweiterte Diagnostik in weiteren Abteilungen, wie etwa Kardiologie, Pulmonologie oder Neurologie durchgeführt.

Unser Therapieangebot in Mainz

In unserer Klinik bieten wir ein multimodal ausgerichtetes Behandlungskonzept an, das auf der aktuellen S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen basiert.

  • Psychotherapie: Wir setzen sowohl verhaltenstherapeutischen Behandlungselemente (Kognitive Verhaltenstherapie, KVT) ein, um Vermeidungsverhalten und Ängste allmählich abzubauen, als auch Psychodynamische Verfahren, um tieferliegende, unbewusste Konflikte zu verstehen und aufzulösen.
  • Medikamentöse Therapie: Falls notwendig, kommen Medikamente wie SSRIs oder SNRIs zum Einsatz, welche die Symptome lindern und den therapeutischen Prozess unterstützen können.
  • Ambulante, tagesklinische oder stationäre Behandlung: Die Behandlung von Angststörungen erfolgt in der Regelambulant. Ist diese nicht ausreichend können wir eine Behandlung in unserer Tagesklinik anbieten. Eine stationäre Aufnahme ist ratsam bei ausgeprägten Beschwerden, wenn die ambulanten Möglichkeiten nicht ausreichen oder eine geschützte Umgebung sowie gegebenenfalls eine Mitbehandlung durch weitere Fachdisziplinen erforderlich sind.

Häufige Fragen (FAQ)

Auch wenn sich Symptome lebensbedrohlich anfühlen, ist eine Panikattacke aus medizinischer Sicht für ein gesundes Herz nicht gefährlich. Dennoch sollte beim ersten Auftreten eine körperliche Abklärung erfolgen, um organische Ursachen auszuschließen.

Ob eine medikamentöse Therapie empfohlen wird, hängt von den Ursachen, der Schwere der Störung und möglichen Begleiterkrankungen ab – und auch von Ihren Wünschen. Sowohl Psychotherapie als auch Medikamente sind wirksam; oft ist eine Kombination sinnvoll.

Ja, viele Patienten erreichen durch eine fachgerechte Therapie eine weitgehende Symptomfreiheit und können wieder ein normales Leben führen.

Neben professioneller Hilfe können Sport (Ausdauertraining), Entspannungsverfahren und der Austausch in einer Selbsthilfegruppe den Heilungsprozess unterstützen.

Zunächst bieten wir einen ambulanten Ersttermin, in dem wir Ihre aktuellen Beschwerden und Krankheitsgeschichte bestmöglich verstehen möchten. Anschließend besprechen wir mit Ihnen das weitere Vorgehen.


Autor: Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Jörg Wiltink

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2026