Forschung & Innovation – Chronische Schmerzen besser verstehen und effektiver behandeln

Als universitärer Schwerpunkt ist der Schmerzschwerpunkt Mainz eng mit klinischer und translationaler Forschung verknüpft. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur zu gewinnen, sondern sie systematisch in die Versorgung zu integrieren.

Zentrale Schwerpunkte

  • Klinische Schmerzforschung mit strukturierten Patientenkohorten und standardisierter Verlaufsbeobachtung,
  • die Weiterentwicklung personalisierter Ansätze in der Schmerztherapie, orientiert an individuellen Schmerzmechanismen und Belastungsprofilen,
  • innovative Trainings- und Virtual-Reality-basierte Verfahren,
  • die Weiterentwicklung psychotherapeutischer Konzepte bei chronischen und komplexen Schmerzen,
  • die systematische Evaluation neuer diagnostischer und therapeutischer Module im klinischen Alltag.

 

Leitung der Arbeitsgruppe


Univ.-Prof. Dr. med. Jonas Tesarz
Julian Reichert (M.Sc.)

Mitarbeitende & Nachwuchswissenschaftler:innen


Magdalena Damrath (Doktorandin, Projekt Repain)
Mona Mokhbersabet (Doktorandin, Projekt Repain)
Anna Franziska Schumacher (Doktorandin, Projekt Repain)
Davis Haust (Hiwi)

Personalisierte Schmerzforschung an der Schnittstelle von Psychosomatik, Psychologie und Datenwissenschaft

Die Arbeitsgruppe Schmerz an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz widmet sich der mechanistischen und personalisierten Erforschung chronischer Schmerzen.

Im Zentrum steht die Frage, wie sich Schmerzverläufe über die Zeit entwickeln, durch welche psychologischen und physiologischen Prozesse sie aufrechterhalten werden und unter welchen Bedingungen sie veränderbar sind.

Schmerz als dynamisches System


Chronischer Schmerz wird dabei nicht als isoliertes Symptom verstanden, sondern als Ausdruck eines dynamischen Zusammenspiels von Affektregulation, Kognitionen, Verhalten, physiologischer Regulation und Schmerzerleben.

Ziel unserer Forschung ist es, diese Prozesse präziser zu modellieren, interindividuelle Unterschiede sichtbar zu machen und daraus langfristig Ansätze für personalisierte Diagnostik und Therapieentscheidungen abzuleiten.

Unsere Forschung ist translational ausgerichtet: Mechanistische Modelle und methodische Entwicklungen werden mit klinisch relevanten Fragestellungen verknüpft, um wissenschaftliche Erkenntnisse in diagnostische und therapeutische Anwendungen zu überführen.

Forschungsschwerpunkte

1. Mechanismen chronischer Schmerzen

Wir untersuchen chronischen Schmerz als dynamisches, multikausales System, in dem psychologische und physiologische Prozesse eng miteinander verknüpft sind.

2. Individuelle Dynamiken und Personalisierung

Ein Schwerpunkt liegt auf intraindividuellen Verläufen, kurzfristigen Schwankungen im Alltag und personenspezifischen Reaktionsmustern. Ziel ist ein besseres Verständnis individueller Mechanismen jenseits von Gruppenmittelwerten.

3. Theoretische Modellierung

Unsere Arbeit greift unter anderem netzwerktheoretische Modelle und Predictive-Coding-Ansätze auf, um Schmerzverarbeitung als Zusammenspiel von Erwartungen, sensorischer Information, Lernprozessen und Vorhersagefehlern zu beschreiben.

4. Methodische Schwerpunkte

Wir arbeiten mit intensiven Längsschnittdesigns, Experience-Sampling-Methoden sowie wiederholten psychologischen und psychophysiologischen Erhebungen. Ergänzend nutzen wir probabilistische Modellierung, kausale Inferenz und Verfahren zur Quantifizierung von Unsicherheit.

Ein zentrales Ziel ist die Entwicklung personalisierter Vorhersagemodelle, die eine differenziertere und transparente Grundlage für individualisierte Therapieentscheidungen schaffen.

5. Interventionen

Neben der Modellierung von Schmerzprozessen beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der Entwicklung und Evaluation psychologischer integrativer Interventionen bei chronischem Schmerz. Im Fokus stehen mechanismenorientierte, emotionsfokussierte, psychodynamische sowie lern- und erwartungsbasierte Behandlungsansätze.

Vernetzung und Forschungskontext

Die Arbeitsgruppe ist eng in klinische und wissenschaftliche Strukturen eingebettet. Diese Vernetzung ermöglicht es, mechanistische Modelle chronischer Schmerzen mit methodischer Innovation, klinischer Forschung und translationalen Fragestellungen zu verbinden.

Hierzu gehören Kooperationen im Rahmen der Gutenberg-Gesundheitsstudie (GHS), des SFB 1158 Heidelberg Pain Consortium sowie des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG).

Diese Einbettung schafft die Möglichkeit, Fragestellungen über mehrere Ebenen hinweg zu bearbeiten – von populationsbezogenen Risikoprofilen über individuelle Dynamiken bis hin zu klinisch relevanten Anwendungen und Interventionsansätzen.

Aktuelle Studien

REPAIN-Studie


Die REPAIN-Studie untersucht die Rolle repetitiven negativen Denkens (repetitive negative thinking, RNT) bei der Entstehung und Aufrechterhaltung chronischer Schmerzen. Ziel ist es, transdiagnostische kognitive Mechanismen besser zu verstehen und Ansatzpunkte für Diagnostik und Intervention zu identifizieren.

 

Zur REPAIN-Studienwebsite

Ausgewählte Publikationen

Eine Auswahl aktueller und thematisch zentraler Publikationen der Arbeitsgruppe finden Sie hier:

Reichert J, Drusko A, Beiner E, Hermes M, Papaioannou V, Häuser W, Eich W, Tesarz J. Psychotherapy and Psychosomatics (Impact Factor: 18.1). 2026. Symptom-Level Comorbidity of Fibromyalgia and Depression: A Network Approach within a Large Clinical Sample. Accepted for publication.

Hermes M, Buhai DV, Beiner E, Eich W, Dinger U, Nikendei C, Friederich HC, Zimmermann-Schlegel V, Gaul C, Tesarz J. PAIN ( (Impact factor: 5.5). 2026;167(4):e54-e70Prevalence and predictors of persistent post-COVID pain: a population-based prospective cohort study with 1.5-year follow-up.

Reichert, J., Klimov, M., Kachel, A., Tei, V., Beiner, E., Vogel, F., Klintwall, L., & Tesarz, J. Cognitive Therapy and Research (Impact Factor: 2.0) (2026). Perceived causal networks in patients with fibromyalgia and depression: Construction of a structured interview and testing reliability. 1-14.

Fieß A, Hartmann A, Ernst M, Schuster AK, Mildenberger E, Brähler E, Urschitz MS, Pfeiffer N, Beutel ME, Gißler S, Tesarz J. EClinicalMedicine (Impact factor: 10.0). 2025;85:103316. Sequelae of preterm birth over the lifespan: an exploratory analysis of behavioral problems in childhood and increased risk of major depression and anxiety in adulthood from a cohort study.

Beiner E, Hermes M, Reichert J, Kleinke K, Vock S, Löffler A, Ader L, Sirazitdinov A, Keil S, Schmidt T, Schick A, Löffler M, Hopp M, Ruckes C, Hesser J, Reininghaus U, Flor H, Eich W, Tesarz J. PAIN (Impact Factor: 5.5). 2025;166(8):1871–1881. Early-life adversity as a predictor of fibromyalgia syndrome: the central role of perceived stress over endocrine stress indicators.

Tesarz J, Herpel C, Meischner M, Drusko A, Friederich HC, Flor H, Reichert J. PAIN (Impact Factor: 5.5). 2024;165(4):796–810. Effects of virtual reality on psychophysical measures of pain: superiority to imagination and nonimmersive conditions.

Tesarz J, Eich W, Baumeister D, Kohlmann T, D’Agostino R, Schuster AK. Eur Heart J (Impact factor: 23.425). 2019 :21;40(20):1609-1617. Widespread pain is a risk factor for cardiovascular mortality: Results from the Framingham Heart Study.

Baumeister D, Eich W, Lerner R, Lutz B, Bindila L, Tesarz J. Psychother Psychosom (Impact factor: 13.122). 2018;26:1-3. Plasma parameters of the endocannabinoid system are unaltered in fibromyalgia.

Gerhardt A, Eich W, Treede RD, Tesarz J. PAIN (Impact factor: 5.559). 2017;158(3):430-439. Conditioned pain modulation in non-specific chronic back pain patients with chronic local pain, chronic widespread pain, and fibromyalgia.

Tesarz J, Wolfgang E, Treede RD, Gerhardt A. Pain (Impact factor: 5.213). 2016;157(8):1799-809. Altered pressure pain thresholds and increased wind-up in adult chronic back pain patients with a history of childhood maltreatment: a quantitative sensory testing study.

Gerhardt A, Eich W. Janke S, Leisner S, Treede RD, Tesarz J. Clin J Pain (Impact factor: 5.557). 2016;32(7):568-79. Chronic widespread back pain is distinct from chronic local back pain: evidence from quantitative sensory testing, pain drawings, and psychometrics.

Mitarbeiten & Mitgestalten

Arbeiten in der Arbeitsgruppe


Die Arbeitsgruppe bietet ein interdisziplinäres Forschungsumfeld für Ärzt:innen, Psycholog:innen und Nachwuchswissenschaftler:innen mit Interesse an psychosomatischen, psychologischen und datenwissenschaftlichen Fragestellungen im Bereich der chronischen Schmerzforschung.

Abschlussarbeiten und Promotion


Wir betreuen Abschlussarbeiten in Psychologie sowie medizinische Doktorarbeiten zu Themen der Schmerzforschung.

Kontakt: Julian Reichert- Leitung AG Schmerz

Julian.Reichert@unimedizin-mainz.de

 


Autor*innen