Schwerpunkt Glücksspielsucht und internetbezogene Verhaltenssüchte


Digitale Medien, Computerspiele, soziale Netzwerke oder Glücksspielangebote gehören für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag. Für manche Betroffene entwickeln sich diese Aktivitäten jedoch zunehmend zu einem zentralen Lebensinhalt und können mit erheblichem Leidensdruck verbunden sein. Häufig geraten Kontrolle, soziale Beziehungen, Schule, Studium oder Beruf zunehmend in den Hintergrund. Viele Betroffene erleben lange Zeit Scham, Rückzug oder Unverständnis aus ihrem Umfeld und suchen erst spät professionelle Hilfe.

An der Universitätsmedizin Mainz bieten wir spezialisierte Diagnostik und Beratung sowie evidenzbasierte Präventionsangebote und wissenschaftliche Forschung im Bereich Glücksspielsucht und internetbezogener Verhaltenssüchte.

Wie erleben Betroffene Spielsucht und Verhaltenssüchte?

Viele Betroffene erkennen sich in den folgenden Beschreibungen wieder:

  • „Eigentlich wollte ich nur kurz online sein – plötzlich sind mehrere Stunden vergangen.“
  • „Meine Gedanken kreisen ständig darum, wann ich wieder spielen oder online sein kann.“
  • „Ich merke, dass Schule, Studium, Arbeit oder Beziehungen darunter leiden, aber ich schaffe es trotzdem nicht aufzuhören.“
  • „Wenn ich nicht spielen oder online sein kann, werde ich unruhig, gereizt oder angespannt.“
  • „Das Spielen oder die Internetnutzung hilft mir, Probleme oder negative Gefühle zu verdrängen.“

Das Wichtigste auf einen Blick

 

  • Glücksspielsucht, Computerspielsucht, Online-Sexsucht und problematische Social-Media- oder Handynutzung gehören zu den sogenannten Verhaltenssüchten.
  • Typische Symptome sind Kontrollverlust, gedankliche Vereinnahmung, sozialer Rückzug und die Fortsetzung des Verhaltens trotz negativer Folgen. Nicht jede intensive Nutzung ist krankhaft – entscheidend sind Leidensdruck und Einschränkungen im Alltag.
  • Verhaltenssüchte sind behandelbar. Frühzeitige Beratung und psychotherapeutische Unterstützung können wirksam helfen.
  • Die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz verbindet spezialisierte Versorgung mit international sichtbarer Forschung und Präventionsarbeit.

 

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Hotline – anonym & kostenlos

Kostenlose und anonyme Beratung für Betroffene und Angehörige

Montag bis Freitag

12:00–17:00 Uhr

Telefon 0800 1529529

Kurz erklärt: Was sind Glücksspiel- und internetbezogene Verhaltenssüchte?

Verhaltenssüchte beschreiben Verhaltensweisen, die zunächst als angenehm oder entlastend erlebt werden, langfristig jedoch außer Kontrolle geraten können. Im Gegensatz zu stoffgebundenen Abhängigkeiten steht dabei nicht eine Substanz, sondern ein bestimmtes Verhalten im Mittelpunkt – beispielsweise Glücksspiel, Computerspiele, die Nutzung sozialer Netzwerke oder Online-Pornografie.

Die Übergänge zwischen intensiver Nutzung und behandlungsbedürftiger Störung können fließend sein. Entscheidend ist insbesondere, ob Betroffene ihr Verhalten langfristig nicht mehr ausreichend kontrollieren können und erhebliche Beeinträchtigungen erleben.

Symptome – Wann wird die Nutzung problematisch?

Nicht jede intensive Nutzung ist automatisch krankhaft. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn Betroffene:

  • die Kontrolle über ihr Verhalten verlieren,
  • andere Lebensbereiche zunehmend vernachlässigen,
  • das Verhalten trotz negativer Folgen fortsetzen,
  • starke innere Unruhe bei Einschränkung erleben,
  • unter erheblichem Leidensdruck stehen.

Eine frühzeitige Beratung kann helfen, problematischen Entwicklungen frühzeitig entgegenzuwirken.

Ursachen – Wie entsteht Glücksspielsucht oder eine internetbezogene Verhaltensstörung?

Die Entstehung von Verhaltenssüchten wird durch ein Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren beeinflusst. Individuelle Risikofaktoren, belastende Lebenssituationen sowie spezifische Wirkmechanismen verschiedener Glücksspiel- und digitaler Angebote können dabei eine Rolle spielen.

Diagnose – Sind Glücksspielsucht oder internetbezogene Verhaltensstörungen eine Krankheit?

Glücksspielstörungen sowie bestimmte internetbezogene Verhaltenssüchte werden heute international als eigenständige psychische Erkrankungen beschrieben (ICD-11, DSM-5).

Häufigkeit von Glückspielsucht und internetbezogenen Verhaltenssüchten

Glücksspielsucht und internetbezogene Verhaltenssüchte betreffen einen relevanten Teil der Bevölkerung.

Laut aktuellen Erhebungen des Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) zeigen in Deutschland rund 5,5 % der 18- bis 70-jährigen Bevölkerung ein riskantes Glücksspielverhalten. Etwa 0,6 % erfüllen die Kriterien einer mittleren beziehungsweise schweren Glücksspielstörung (Buth et al., 2026).

Auch problematische Formen der Nutzung von Computerspielen, sozialen Netzwerken oder Online-Angeboten nehmen stetig zu. Studien gehen davon aus, dass etwa 6–7 % der Weltbevölkerung beziehungsweise 1-6 % der Bevölkerung in Deutschland Merkmale einer problematischen Internetnutzung aufweisen.

Formen von Verhaltenssüchten

Glücksspielsucht


Glücksspielen kann für manche Menschen zu einem zunehmend belastenden und schwer kontrollierbaren Verhalten werden. Betroffene erleben häufig finanzielle, soziale und psychische Belastungen wie Verschuldung, Konflikte, depressive Symptome oder starken emotionalen Druck. Trotz negativer Folgen fällt es vielen schwer, das Verhalten eigenständig zu verändern.

Pathologisches Glücksspielen stellt eine schwere und häufig chronisch verlaufende Erkrankung dar, die grundsätzlich jeden treffen kann.

Gaming Disorder / Computerspielbezogene Störungen


Computerspiele können für Betroffene zu einem zentralen Lebensinhalt werden. Typisch sind Kontrollverlust, Vernachlässigung anderer Aktivitäten sowie ein zunehmender sozialer Rückzug. Besonders Online-Rollenspiele oder kompetitive Spiele können eine hohe emotionale Bindung erzeugen.

Soziale Netzwerke, Social Media & „Handysucht“


Auch die exzessive Nutzung sozialer Netzwerke kann suchtähnliche Muster entwickeln. Betroffene berichten häufig von ständigem Kontrollieren von Nachrichten, starkem gedanklichem Kreisen um soziale Medien sowie Schwierigkeiten, die Nutzung zu begrenzen.

Weitere internetbezogene Verhaltensweisen


Problematische Nutzungsmuster können sich auch in Bereichen wie Online-Shopping, Streaming, Online-Pornografie oder anderen digitalen Angeboten entwickeln.

Unser Behandlungsangebot in Mainz

Unser Schwerpunkt „Glücksspielsucht und internetbezogene Verhaltenssüchte“ richtet sich an Betroffene > 18 Jahren, und umfasst wissenschaftlich anerkannte Verfahren in Prävention, Diagnostik und Therapie.

Ambulanz für Spielsucht


Unter dem Dach der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bietet die Sabine Grüsser-Sinopoli Ambulanz spezialisierte Diagnostik und Beratung für Menschen mit Glücksspielsucht und internetbezogenen Verhaltenssüchten.

Unser Angebot umfasst unter anderem:

  • diagnostische Abklärung,
  • psychotherapeutische Beratung,
  • Indikationsprüfung tagesklinischer/stationärer psychotherapeutischer Angebote,
  • Vermittlung weiterführender Hilfen,
  • Präventions- und Informationsangebote.

Telefonberatung – Hotline Verhaltenssucht


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Behandlung von Spielsucht & Internetsucht

Sowohl bei der Behandlung der Spiel- und Glücksspielstörung als auch anderer internetbezogener Verhaltenssüchte orientieren wir uns an den anerkannten fachlichen Standards und Leitlinien, insbesondere an den S1-Leitlinien der AWMF.
Für die Behandlung internetbezogener Verhaltenssüchte setzen wir zudem das von uns entwickelte und international anerkannte Therapieprogramm STICA (Short-Term Treatment for Internet and Computer Game Addiction) ein.
Unser therapeutischer Ansatz zielt nicht nur auf die Reduktion aktueller Symptome ab. Gemeinsam mit den Betroffenen arbeiten wir auch an den zugrunde liegenden Ursachen des Suchtverhaltens, um deren Einfluss nachhaltig zu verringern und langfristige Veränderungen zu fördern.
Grundlage einer individuellen und patientenzentrierten Behandlung ist eine umfassende Diagnostik nach internationalen Standards. Neben der Erfassung von Symptomen und Schweregrad der Störung mithilfe etablierter diagnostischer Verfahren (z. B. AICA-SKI:IBS, AICA-S, BIG-S) werden dabei auch mögliche psychische Begleiterkrankungen, Belastungsfaktoren sowie persönliche Ressourcen berücksichtigt.
 

Expertenteam der Unimedizin Mainz

Forschung und wissenschaftliche Expertise


Die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz gehört international zu den führenden Einrichtungen im Bereich Forschung, Diagnostik & Beratung sowie Prävention von Glücksspielsucht und internetbezogenen Verhaltenssüchten.

Unsere Arbeitsgruppen beschäftigen sich unter anderem mit:

  • der Entwicklung neuer Therapie- und Präventionskonzepte,
  • diagnostischen Verfahren und Screeningmethoden,
  • Risikofaktoren und aufrechterhaltenden Mechanismen,
  • Prävention und Spielerschutz im digitalen Raum.

Direkt zur Forschung Glücksspiel und internetbezogene Verhaltenssüchte

Hilfsangebote und weiterführende Informationen

Spielersperre

Die Spielersperre zählt zu den wichtigsten Maßnahmen des Spielerschutzes. Studien zeigen, dass sie dazu beitragen kann, das Glücksspielverhalten zu reduzieren und glücksspielbedingte Probleme zu verringern. Viele Betroffene berichten zudem von positiven Veränderungen ihrer finanziellen, sozialen und psychischen Situation.
Informationen zur bundesweiten Spielersperre OASIS sowie zur Beantragung einer Selbstsperre finden Sie beim Regierungspräsidium Darmstadt:
https://rp-darmstadt.hessen.de/sicherheit-und-kommunales/gluecksspiel/spielersperrsystem-oasis
 

Informationen für Angehörige

Nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch Angehörige und nahestehende Personen erleben die Auswirkungen einer Glücksspiel- oder internetbezogenen Verhaltenssucht häufig als sehr belastend. Gefühle von Hilflosigkeit, Sorgen, Konflikte oder Vertrauensverluste können das familiäre und soziale Umfeld erheblich beeinträchtigen.
Für Angehörige stehen verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Verfügung. Professionelle Beratung kann dabei helfen, die Situation besser zu verstehen, den Umgang mit den Belastungen zu erleichtern und passende Unterstützungsmöglichkeiten zu finden. Ein entsprechendes Angebot finden Sie beispielsweise hier: Hilfe für Angehörige bei Glücksspielsucht | Check dein Spiel.de
 


Autor*innen

 

Dr. rer. physiol. Anke Quack M.A.

Leitung Kompetenzzentrum Spielerschutz & Prävention

 


Dr. med. Jasmin Ghaemi

Oberärztin, Leitung Ambulanz und Konsildienst

 


Dr. rer. physiol. Kai W. Müller

Wissenschaftlicher Mitarbeiter – Forschung & Diagnostik, Ambulanz für Spielsucht | Wissenschaftliche Leitung der Ambulanz für Spielsucht